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Tausende Rentner beraten: Abschied aus dem Sozialamt nach 40 Jahren

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Von: Georg Dickopf

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Wolfgang Kreutzmann an einem seiner letzten Arbeitstage mit einer alten Fotocollage in seinem Büro im Sozialamt des Rathauses.
Wolfgang Kreutzmann an einem seiner letzten Arbeitstage mit einer alten Fotocollage in seinem Büro im Sozialamt des Rathauses. © Dickopf

Wolfgang Kreutzmann sitzt nicht in der Verwaltungsspitze des Plettenberger Rathaus, sondern hat sein Büro seit nunmehr 40 Jahren im Sozialamt des Rathauses – zunächst im alten Rathaus und später dann im Neubau. 

Plettenberg -Bekannt und geschätzt ist der freundlich lächelnde Mann mit dem mittlerweile ergrauten Bart trotzdem, denn Kreutzmann beriet jahrzehntelang die Plettenberger in allen Fragen zur Rente. Er half einem in den USA lebenden Plettenberger bei seinen Rentenansprüchen und versuchte, dem Bürger die Gesetzeslage ohne Beamtendeutsch gut verständlich zu erklären. Auch bescherte er manchen Plettenbergerinnen eine Rente für die Kindererziehungszeiten. Der etwas älteren Generation bereitete Wolfgang Kreutzmann darüber hinaus viele unvergessliche Augenblicke bei der Organisation der Veranstaltung Seniorenspaß plus Sicherheit.

Am Freitag hatte der 62-jährige Plettenberger seinen letzten Arbeitstag im Rathaus – ebenso wie Kollege Klaus Hinz. Danach beginnen für ihn die Altersteilzeit und der Abschied aus dem Sozialamt nach stolzen 40 Jahren. Dort hat ihm die Arbeit –- auch wegen der netten Kollegen und der Beratung der Bürger – immer viel Freude bereitet.

Laufbahn begann bei Edeka

Die berufliche Laufbahn begann für den in Unna geborenen Kreutzmann aber woanders. Als er drei Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm nach Plettenberg,

1975 absolvierte Kreutzmann seine dreijährige Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei Edeka Herberg an der Grünestraße (heute Commerzbank). Danach diente er als Panzergrenadier bei der Bundeswehr und plante anschließend, Rettungssanitäter zu werden und bewarb sich bei der Stadt Plettenberg. Letztlich begann er am 1. Juli 1980 in der Einwohnermeldeabteilung des Ordnungsamtes, ehe er nach anderthalb Jahren unter Wolfgang Brauckmann ins Sozialamt wechselte. Von 1982 bis 1985 absolvierte er den Verwaltungsfachangestelltenlehrgang.

Zudem war er vom Jahr 2000 bis 2016 nicht freigestellter Personalratsvorsitzender und gehörte dem Personalrat auch danach bis zu seinem Ausscheiden an.

Über 20 Jahre war der Plettenberger, der heute in Holthausen lebt, aktiver Trompeter bei der Südwestfalen-Bigband in Finnentrop, deren Vorsitzender er zwischenzeitlich auch war.

Mit der Bigband absolvierte er auch Fernsehauftritte, es wurden CDs aufgenommen und er spielte bei der Magic Night in Bludenz. „Witzigerweise kann ich keine Noten, sondern spiele Trompete nach Zahlen“, verriet Kreutzmann, der die Trompete schließlich an den Nagel hängte.

Maria und Margot Hellwig hatten beim Seniorenspaß in Plettenberg im Jahre 2008 einen ihrer letzten gemeinsamen Auftritte.
Maria und Margot Hellwig hatten beim Seniorenspaß in Plettenberg im Jahre 2008 einen ihrer letzten gemeinsamen Auftritte. © Dickopf

Viel Herzblut steckte der Schalke-Fan in den Seniorenspaß plus Sicherheit, den er über 30 Jahre lang organisierte. „Zu einigen Künstlern wie Markus Wohlfahrt und Tina York habe ich heute noch Kontakt“, sagt Kreutzmann, der Showgrößen wie das Naabtal Duo, Patrick Lindner, Maria und Margot Hellwig und die Wildecker Herzbuben für vergleichsweise moderate Gagen in die Plettenberger Schützenhalle lockte.

Wirbel um Silbereisen-Auftritt

„Spannend war der Auftritt von Florian Silbereisen, denn der musste am gleichen Abend einen TV-Vertrag bei der ARD in München unterschreiben.“ Um den Auftritt nicht platzen zu lassen, habe man sogar überlegt, ihn von Hüinghausen aus zum nächsten Flughafen zu fliegen. „Aber es hat alles noch geklappt. Und es war ein toller Auftritt“, erinnert sich Kreutzmann.

Wer in Plettenberg einfach nur kurz auftreten und dann wieder verschwinden wollte, wurde von Wolfgang Kreutzmann erst gar nicht engagiert. „Wir wollten, dass die Künstler zwei Auftritte am Anfang und am Ende der dreistündigen Veranstaltung absolvieren und das hat auch gut geklappt“, so Kreutzmann im Rückblick auf die vielen Events.

Dass die bei Senioren beliebte, aber zuletzt nicht mehr so gut besuchte Veranstaltung schließlich vom Rat abgesetzt wurde, schmerzte Kreutzmann, aber er akzeptierte die Entscheidung.

„Im Nachfolgekonzept Rock am Stock habe ich mich nicht wiedergefunden“, sagt der 62-Jährige, für den das Kapitel Seniorenspaß damit beendet war. Auch jetzt endet nach 42 Jahren im Rathaus wieder ein Kapitel für den Plettenberger, der in seinem neuen Lebensabschnitt Reisen und Wanderungen mit seiner Lebensgefährtin plant.

Zudem ist er noch als Schöffe am Landgericht Hagen aktiv und möchte mehr Touren mit seinem E-Bike unternehmen.

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