„Wir kriegen euch alle“ 

Sundheller Biergericht: Fahrradhelme statt Kleidung im Modepark Röther

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Mit einer Gesangseinlage, die das Publikum zum Schunkeln und Klatschen animierte, endete das Sundheller Biergericht.  

Plettenberg - Gut drei Stunden tagte das Biergericht der Sundheller Schützen am Sonntag. Im gut besuchten Vereinsheim wurden fast im Minutentakt Urteile gesprochen – nicht nur über Delinquenten aus den eigenen Reihen, denn schließlich lautete das Motto „Wir kriegen euch alle“.

Besonders viel Beifall gab es für die Spitzen gegen den Attendorner Bürgermeister Christian Pospischil. Nachdem Kai Schnell als Biergerichtskellner im Minion-Kostüm auserkoren worden war und er für die vollstreckenden Richter Bier bringen sollte, warf Ulrich Schulte direkt ein: „Für mich ein Wasser, ich bin mit dem Rad hier!“ Auch das Problem der zu großen Verkaufsfläche des Modepark Röther habe sich mittlerweile erledigt: auf 300 Quadratmetern soll es statt Kleidung nun Fahrradhelme geben.

2017er Thron bietet Fußtanzeinlage

Bereits mit der ersten Verurteilung über Erwin Schewe präsentierten die Sundheller ein Highlight. In der Vorweihnachtszeit ist Schewe häufig als Weihnachtsmann unterwegs. Ein Erz-Schalker im rot-weißen Mantel passt natürlich nicht, darum bekam er vom Biergericht einen blau-weißen Mantel überreicht. Schewe freute sich sichtlich, schlüpfte in den Mantel und drehte sich um die eigene Achse. Dabei präsentierte er dem Publikum ein Schild, das an der Rückseite des Mantels befestigt war: „Wahre Liebe – BVB“. Das Publikum grölte und Schewe wusste nicht, warum, bis er irgendwann das Schild entdeckte und gänzlich empört war.

Das Publikum wurde im Vereinsheim bestens unterhalten.

Großen Unterhaltungswert hatte auch die Fußtanzeinlage des Throns von 2017 um David Schnell und Katrin Wagner. Zu einem facettenreichen Musikmedley, das von „Skandal im Sperrbezirk“ bis zu „Smells like Teen Spirit“ reichte, wiegten sich die Fußfiguren im Takt, himmelten einander an oder rockten auf Gitarren.

Schnell war zuvor bereits mehrfach auf die Bühne zitiert worden, denn auch in seinem Königsjahr hatte er sich den einen oder anderen Fehltritt erlaubt. So hatte er nicht nur seinem Krankenhaus-Zimmernachbarn das Mittagessen weggegessen, wofür er vom Biergericht ein „Not-Esspaket“ erhielt, damit so etwas nicht wieder vorkomme, sondern zuhause auch Tischplatte und Handy abgefackelt, beim Versuch, eine Feuerzangenbowle zu entzünden. „Nicht jeder kann mit brennbaren Flüssigkeiten und Feuer umgehen“, kommentierte Schulte und überreichte Schnell einen Minifeuerlöscher. Diesen probierte Schnell sogleich aus und stellte enttäuscht fest: „Da ist ja Wasser drin!“ Daraufhin Schulte: „Was glaubst du denn? Brennspiritus?!“ Das sorgte für einige Lachsalven im Publikum.

Über Wasser hätten sich Christoph Brinker, Frank Freier und Andrea Salladino sicher sehr gefreut; zumindest im Vergleich zu dem Gebräu, das ihnen am Pranger stehend eingeflößt wurde. Alle drei hatten bei der Aprés Ski-Party Gläser geklaut und mussten nun dafür büßen.

Ganzkörperschutzanzugfür Peter Klöckner

Dass die Sundheller Biergerichtler nicht nur fies, sondern auch sehr um ihre Mitglieder besorgt sein können, bewiesen sie bei den Verurteilungen von Wolfgang Stein und Peter Klöckner. Weil Stein es geschafft hatte, sich in die Hand zu bohren, erhielt er einen Kettenhandschuh und Klöckner bekam einen Ganzkörperschutzanzug, um Obstler, Glühwein und Co. unfallfrei frönen zu können, nachdem er beim letzten Weihnachtsmarktbesuch gestürzt war.

Auch Gabi Klages durfte sich über eine Aufmerksamkeit des Biergerichts freuen: Eine Schneeschüppe mit integriertem Föhn. Klages hatte im Winter versucht, das Eis vor ihrer Haustür mit rosafarbenem Himalaja-Kochsalz zu entfernen, weil sie das Streusalz nicht hatte finden können.

Uwe Meister hatte den Wunsch geäußert, Oberbürgermeister von Plettenberg zu werden. Ulrich Schulte solle unter ihm weiterhin Bürgermeister sein und auch weiterhin den üblichen Pflichten nachkommen, so dass er selbst den ganzen Tag Golf spielen könne. Zu dumm, dass Plettenberg nicht groß genug ist, um einen Oberbürgermeister an der Spitze zu haben; darum hatte sich das Biergericht etwas Besonderes einfallen lassen: Eine Namensänderung. Da der Nachname schon passe, müsse man aus „Uwe“ nur „Oberbürger“ machen. Und den Adelstitel „von Plettenberg“ gab’s auch noch dazu; plus einen 10x Minigolf-Gutschein.

Ein absolutes Highlight war das Urteil über Jörg Klages. Der frischgebackene Großvater hatte zu seinem Enkel gesagt: „Sieh zu, dass du schnell groß wirst, dann kannst du mit dem Opa ein Bier trinken.“ Manchmal vergeht die Zeit ja wie im Flug, denn das Biergericht präsentierte Klages ein Riesenbaby in Gestalt von Andrea Salladino; ein Anblick, der einem die Tränen in die Augen steigen ließ.

Schnell verging auch die Zeit am Sonntag. Bald war das letzte Urteil gesprochen worden. Eine Gesangseinlage, die das Publikum zum Schunkeln und Klatschen animierte, setzte den fulminanten Schlusspunkt eines rundum gelungenen Biergerichts, das erst in den Nachmittagsstunden seinen Ausklang fand.

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