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Studie belegt: Deulich längere Fahrtzeit zur A 45 

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Von: Jan Schmitz, Christos Christogeros

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Auf  der Lennestraße in Lüdenscheid fand eine Verkehrszählung statt. Eine Kamera registrierte  die Zahl der Fahrzeuge, die innerhalb einer Woche die Ausweichstrecke zur gesperrten A45 nutzen.
Auf der Lennestraße in Lüdenscheid fand eine Verkehrszählung statt. Eine Kamera registrierte die Zahl der Fahrzeuge, die innerhalb einer Woche die Ausweichstrecke zur gesperrten A45 nutzen. © Thomas Machatzke

Die Fahrt aus Plettenberg zur A 45-Autobahnauffahrt in Lüdenscheid dauert ohnehin schon lange: Rund 25 bis 45 Minuten, je nach Verkehrslage, mussten Autofahrer aus der Vier-Täler-Stadt ohne die Sperrung der Rahmedetalbrücke einplanen.

Plettenberg - Eine Studie hat nun ermittelt, dass sich die Fahrtzeit infolge der Sperrung deutlich erhöht hat. Haben die Herscheider bislang von ihrer Nähe zur Lüdenscheider Autobahnauffahrt profitiert, schauen sie nun in die Röhre: Für sie ist die Fahrzeit zur nächsten Auffahrt noch stärker angestiegen als für Plettenberger Autofahrer.

Die Studie zeigt, wie massiv die Auswirkungen auf die Menschen und Unternehmen im Märkischen Kreis sind. Der wirtschaftliche Schaden in der Region summiert sich auf mindestens 1,8 Milliarden Euro – allein in den fünf Jahren bis zur Fertigstellung der neuen Talbrücke Rahmede (wir berichteten).

Die Studie der Kölner IW Consult GmbH enthält aber auch erstmals konkrete Zahlen zu Fahrtzeitverzögerungen, die auf die Sperrung der Autobahn und die Überlastung der Umleitungsstrecken zurückzuführen sind. So konnten die Forscher um Hanno Kempermann anhand von Verkehrsdaten nachweisen, dass wochentags von ehemals 15 580 Lkw auf der A 45 nach der Sperrung immer noch 5 740 Lkw direkt durch Lüdenscheid fahren und dort für ein Verkehrschaos sorgen.

Die meisten Autofahrer (29 100) verlagern ihren Weg dagegen auf regionale Umleitungsstrecken – zum Beispiel auf die teilgesperrte B236 oder die B54. Immerhin 11 750 zusätzliche Autos am Tag stellen sich aber auch weiterhin direkt in Lüdenscheid in den Stau.

Neun Kommunen betroffen

Die Studie geht auch auf regionale Unterschiede innerhalb des Kreises ein. Anhand der Fahrtzeiten zum nächsten Autobahnanschluss identifizierten die Forscher neun MK-Kommunen, deren Einwohner durch Zeitverluste direkt von der A 45-Sperrung betroffen sind. Spitzenreiter in dieser Modellierung ist Nachrodt-Wiblingwerde. Die Fahrtzeit bis zur A 45 hat sich von dort seit der Sperrung fast verdoppelt (+96 Prozent). Es folgen Herscheid (+77 Prozent), Werdohl (+62 Prozent), Meinerzhagen (+44 Prozent), Plettenberg (+43 Prozent), Lüdenscheid (+42 Prozent) Neuenrade (+32 Prozent), Schalksmühle (+21 Prozent) und Kierspe (+19 Prozent).

Der Wertschöpfungsverlust allein durch die verlängerte Autobahnerreichbarkeit wird von den Kölner Forschern in fünf Jahren auf mindestens 617 Millionen Euro geschätzt. Die übrigen Kommunen sind durch mehr Verkehr auf den Strecken ebenfalls betroffen – laut Studie bei der Autobahnerreichbarkeit aber nur indirekt.

Der Zeitverlust bei der Autofahrt durch Lüdenscheid beträgt laut Studie im Schnitt 19 Minuten, wobei es im Tagesverlauf erhebliche Unterschiede gibt. Im Berufsverkehr verlieren Autofahrer im Schnitt 33 Minuten, während es in der Nacht nur elf Minuten sind. Werden die regionalen Umleitungen genutzt, ist der Zeitverlust mit elf, am Wochenende sogar mit nur fünf Minuten geringer.

Dass sich immer noch rund ein Drittel der Lkw-Fahrer lieber durch Lüdenscheid quält als die weiträumigen Umleitungen zu fahren, liegt nahe, wenn man die Zeitverluste für Lkw auf den verschiedenen Strecken vergleicht. Auf der Umleitung durch Lüdenscheid braucht der Schwerlastverkehr unter der Woche im Schnitt 17 Minuten mehr als vor der A 45-Sperrung. Die ausgeschilderte Umleitung über Olpe (A 4, A 3, A 1) ist dagegen mit 72 Kilometern nicht nur weiter, sondern dauert auch 54 Minuten länger – höhere Maut inklusive.

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