Grenzwertig für jeden Wahlhelfer

In den Plettenberger Wahllokalen herrschte am Sonntag vor allem eines: Langeweile

Die Wahlhelfer hatten am Sonntag wenig zu tun. Zum Beispiel in die hier abgebildete Stadtbücherei kamen zwischen 8 und 18 Uhr nur 24 Wähler ins Wahllokal.
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Die Wahlhelfer hatten am Sonntag wenig zu tun. Zum Beispiel in die hier abgebildete Stadtbücherei kamen zwischen 8 und 18 Uhr nur 24 Wähler ins Wahllokal.

Die Wahlhelfer in Plettenberg waren am Sonntag wirklich nicht zu beneiden. Die meisten von ihnen opferten ihren kompletten Tag für eine Landrats-Stichwahl, die nur wenige Bürger in die Wahllokale lockte. Die Folge: Vielerorts herrschte chronische Langeweile.

„Die Wahlhelfer haben unter der schwachen Wahlbeteiligung gelitten“, fasst Wahlleiter Matthias Steinhoff seinen Eindruck in diplomatischen Worten zusammen. 21,7 Prozent stand am Ende bei der Wahlbeteiligung für Plettenberg zu Buche. Diese Zahl ist an sich schon als unterirdisch zu bewerten – vor zwei Wochen im ersten Wahldurchgang kombiniert mit der Kommunal-, Kreistags- und Bürgermeisterwahl waren es immerhin noch 43,1 Prozent. Aber wenn man berücksichtigt, dass in der Wahlbeteiligung auch die Briefwähler enthalten sind, kann man ungefähr erahnen, dass in den Wahllokalen am Sonntag so gut wie nichts los gewesen ist.

Ein tieferer Blick in die Zahlen bestätigt diesen Eindruck: Im Stimmbezirk Oesterau/Oesterhammer kamen von 1 131 Wahlberechtigten 91 ins Wahllokal – das waren so viele wie nirgendwo sonst. Das Schlusslicht bildet Pasel, wo im Wahlzeitraum zwischen 8 und 18 Uhr nur sieben von 278 wahlberechtigten Bürgern ihr Kreuzchen machten. Prozentual noch schlechter war da nur der Stimmbezirk Eschen II (19 Wähler bei 926 Wahlberechtigten oder 2,05 Prozent).

Für die Wahlhelfer hieß das die meiste Zeit des Tages, Däumchen zu drehen. Kein Wunder, dass sich viele Stimmen regten, die das System der Stichwahl infrage stellten. „Am Ende hat die Stichwahl ja das bestätigt, was die Wahl vorher schon ergeben hatte“, sagt zum Beispiel Wahlhelfer Hartmut Damschen und meint damit den Sieg für den Landratskandidaten Marco Voge vor Volker Schmidt, den bereits der erste Wahlgang vor zwei Wochen ergeben hatte. Weil aber angesichts weiterer Kandidaten keiner der beiden im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent der Stimmen geholt hatte, benötigte es die Stichwahl.

„Für viele ist das unverständlich und nicht nachvollziehbar“, schiebt Damschen hinterher. „Da wird ein Heidenaufwand für eine so mickrige Wahlbeteiligung betrieben.“

Wahlleiter Matthias Steinhoff ist da ganz ähnlicher Meinung, findet auch, dass die Hürden für eine Stichwahl in Zukunft erhöht werden sollten, gibt bei aller Kritik aber auch zu bedenken: „Das ist Demokratie. Wir haben das Recht zu wählen und müssen nicht zu Hunderttausenden auf die Straße, weil nicht alles mit rechten Dingen gelaufen ist.“

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