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Staus rund um den Hestenbergtunnel: Was währenddessen im Tunnel passierte

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Von: Georg Dickopf

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Eine der beschädigten Schachtabdeckungen im Hestenbergtunnel, die sich allesamt auf der rechten Fahrbahnhälfte befinden. Am Freitag um 15.25 Uhr war nur außerhalb des Tunnels viel Verkehr, innen passierte nichts mehr.
Eine der beschädigten Schachtabdeckungen im Hestenbergtunnel, die sich allesamt auf der rechten Fahrbahnhälfte befinden. Am Freitag um 15.25 Uhr war nur außerhalb des Tunnels viel Verkehr, innen passierte nichts mehr. © Dickopf

Es ist Freitag, 15.20 Uhr. Auf der Wallumgehung, der Bahnhofstraße und der Offenbornstraße schiebt sich quälend langsam der Feierabendverkehr durch die Stadt. 

Plettenberg - Vorbei am Blinklicht, mit dem die Tunnelsperrung signalisiert wird. Seit Donnerstag in der Früh ist das so. Einfach so wurde der Tunnel an diesem Tag gesperrt. Zwei Tage früher als verkündet.

„Ein Kommunikationsfehler“ hieß es bei Straßen.NRW und dessen Sprecher Andreas Berg konnte glaubhaft versichern, dass ihm nur eine Sperrung für den Samstag mitgeteilt wurde. Er habe das Thema aber nun zur Chefsache erklärt, sagte Berg am Vormittag.

Gegen Mittag dann die Hiobsbotschaft: „Die Wartungsfirma hat mehrere defekte Ablaufgitter festgestellt und kann den Tunnel deshalb am Samstag nicht wieder freigeben“, bedauerte Berg. Deshalb werde jetzt mit Hochdruck versucht, eine Firma zu finden, die die Ablaufgitter ersetzen oder reparieren kann.

Offiziell ist von mehreren gebrochenen und gerissenen Schachtabdeckungen und Ablaufgittern im gesamten Tunnelbauwerk die Rede. „Experten von Straßen.NRW haben sich die Situation gemeinsam angesehen und sind einstimmig zu dem Entschluss gekommen, dass unter diesen Bedingungen ein verkehrssicherer Betrieb des Tunnels nicht mehr gegeben ist. Vor Ort wird nun versucht, so schnell wie möglich eine Firma mit dem Tausch der Abdeckungen zu beauftragen. Wie schnell und ob dies gelingt, bleibt aktuell noch abzuwarten, da es sich um spezielle Teile handelt“, heißt es in der Presseerklärung.

Und weiter: „Als positiver Effekt bleibt festzuhalten, dass die Prüfungszyklen hier gegriffen haben und somit Schäden frühzeitig festgestellt wurden, ohne dass ein Sach- oder Personenschaden entstanden ist.“

Es ist Freitag, 15.25 Uhr, und der Chronist wagt sich über die menschenleere Tunnelzufahrt in den Hestenbergtunnel. Licht ist erst ganz am Ende des Tunnels. Dort steht ein Arbeitsgerät. Die mobile Hebebühne wird gerade angeliefert für den Einsatz am Samstag.

Sonst ist keine Menschenseele im leeren Tunnel zu sehen. Dafür sieht man auf der in Richtung Eiringhausen führenden Fahrbahnseite gelbe Kreuze auf mehr als einem Dutzend runder Kanalabdeckungen, deren Betonauflage zerbröselt ist. Auch einige der seitlichen Einläufe sind so markiert. Am Montag, 13. Juni, soll eine Notreparatur versucht werden. Danach entscheidet sich, ob der Tunnel bis zur endgültigen Reparatur wieder freigegeben werden kann.

Diese mobile Hebebühne wurde am Freitagnachmittag angeliefert.
Diese mobile Hebebühne wurde am Freitagnachmittag angeliefert. © Dickopf

Kommentar: Draußen Stau, im Tunnel große Stille

Spötter sprechen beim Hestenbergtunnel vom bestgewarteten Tunnel Deutschlands. Doch entweder ist die verbaute Qualität schlecht, oder der Hestenbergtunnel hat die besten Zeiten hinter sich. Vor fünf Jahren korrodierte die Befestigung der sogenannten Schachtabdeckungen – und das deutlich früher als zu befürchten war, jedoch außerhalb der Gewährleistungspflicht. Nun sind gebrochene und gerissene Schachtabdeckungen mit ihrer Betonauflage das Problem. Warum diese nicht gleich komplett aus Guss eingebaut wurden, bleibt offen. Im letzten Jahr war der Fahrbahnübergang vor dem Tunnel der Grund für eine längere Sperrung.

Vor einem Jahr floss der Verkehr allerdings noch über die A45 und die Corona-Pandemie sorgte für deutlich weniger Verkehr. Jetzt brummt die Wirtschaft, Homeoffice ist für viele passé und nach der Rahmedetalbrücke hat Südwestfalen nun mit dem erst 16 Jahre alten Hestenbergtunnel das nächste Sorgenkind.

Wie lang der Verkehrsinfarkt in Plettenberg andauert, ist jetzt davon abhängig, wann eine Firma zur dauerhaften Reparatur gefunden wird und wie die Notreparatur am kommenden Montag ausfällt.

Doch hier wie auch an der Rahmedetalbrücke zeigt sich, dass der Plan B weder im Raum Lüdenscheid noch in Plettenberg funktioniert. Wenn Autobahn oder Tunnel dicht sind, versinkt die Region im Chaos.

Deshalb wird es dringend Zeit, die komplexe Ampelsteuerung in Plettenberg an das gestiegene Verkehrsaufkommen anzupassen, auch wenn das Geld kostet. Spediteure, Lieferdienste und andere Betroffene dürften im Stau stehend deutlich mehr Geld und Zeit verloren haben.

Helfen würde auch jemand, der den Mumm hat für pragmatische Lösungen. Denn während es sich rund um den Hestenbergtunnel staute, passierte am Freitagnachmittag im Tunnel selbst gar nichts. Die Fahrbahn mit den maroden Schachtabdeckungen hätte mit Baken abgesperrt werden können.

Die komplette linke Fahrbahnseite wäre dann befahrbar gewesen. Aber einfacher ist es kurz vor dem Wochenende natürlich, die Sperrung einfach aufrechtzuerhalten. Wer will heute schon den Kopf hinhalten bei Brücken oder Tunneln? Der Verweis auf die Sicherheit schlägt ohnehin alle Gegenargumente.

Auch wenn der Plan B mit der Umleitung nicht funktioniert, wählt man lieber die sichere Stauvariante. Lüdenscheid lässt grüßen.

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