Volksdroge Alkohol

+
Mit Abstand weit vorne: Die meisten Plettenberger, die Suchtprobleme haben, sind dem Alkohol verfallen. Rund zwei Drittel der Menschen, die im vergangenen Jahr Hilfe bei der Suchtberatung gesucht hatten, waren erwerbstätig.

Den „klassischen“ Alkoholiker gebe es immer seltener, erklärt die Plettenberger Suchtberatungsstelle. Dennoch ist auch in der Vier-Täler-Stadt der Alkohol mit Abstand Volksdroge Nummer eins.

Das geht aus der Statistik der Plettenberger Einrichtung für das vergangene Jahr hervor. Denn 75 Prozent der Menschen, die Hilfe in der Beratungsstelle an der Bahnhofstraße suchten, hatten Probleme mit Alkohol. Spiel- und Drogensucht spielte „nur“ bei zehn Prozent der Hilfesuchenden eine Rolle.

Die Jahresstatistik der zertifizierten Suchtberatungsstelle beweist, dass das Phänomen Sucht auch in Plettenberg und in Gemeinden im Umland unvermindert groß ist. Im Laufe der Jahre habe es aber Veränderungen gegeben.

Der „klassische“ Alkoholiker würde immer seltener, ebenso wie die „typischen“ Drogenabhängigen. Mischabhängigkeiten von „Uppers“ (aufputschende Drogen wie Kokain oder Amphetamin) und „Downers“ (beruhigende Drogen wie Cannabis) seien besonders unter jungen Drogenkonsumenten üblich. Und immer mehr Menschen würden spielsüchtig, nicht nur an Geldspielautomaten, sondern zunehmend auch von Onlineglückspiel, Smartphone und Facebook.

Insgesamt 428 Menschen (265 Männer, 163 Frauen) hätten im zurückliegenden Jahr Kontakt zur Suchtberatung aufgenommen, mit 124 Menschen (88 Männer, 36 Frauen) sei es in der Folge zu einer längerfristigen Beratung oder ambulanten Therapie gekommen.

Ein großer Teil der Klientel sei erwerbstätig (64 Prozent) gewesen, lediglich 23 Prozent hätten Arbeitslosengeld bezogen.

„Zunächst verhelfen wir zu einer Abstinenz, notfalls mittels Vermittlung einer stationären Entgiftung, um die Voraussetzungen für eine Behandlung zu schaffen“, sagt Suchtberater und Therapeut Frank Horstmann. „Anschließend überlegen wir mit dem Betroffenen gemeinsam, welche Maßnahmen zur langfristigen Stabilisierung und Aufarbeitung seiner Problematik erforderlich sind“, ergänzt seine Kollegin Sabine Schneider.

In einigen Fällen sei der Aufenthalt in einer stationären Suchtklinik ratsam, wenn jedoch gewisse stabilisierende und motivierende Faktoren (wie Arbeit, Familie, stabiler Gesundheitszustand) gegeben seien, könne auch eine ambulante Therapie erfolgversprechend sein.

„Seit nunmehr zehn Jahren bieten wir in Plettenberg eine ambulante Rehabilitation für suchtkranke Menschen an. Diese ist von den gängigen Leistungsträgern anerkannt und wird auf Antrag auch finanziert“, erklärt Schneider. „Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel ein Jahr und umfasst wöchentlich jeweils ein Einzel- und ein Gruppengespräch“, sagt Horstmann.

Die Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werkes an der Bahnhofstraße 25 bietet seit 1972 Hilfen an für erwachsene Menschen, die Probleme haben mit Alkohol, Medikamenten, Drogen, Nikotin, Kauf- und Spielsucht sowie deren Angehörige. Der Grund, warum Hilfesuchende den Weg zur Beratung finden, sei vielfältig. Oft habe sich kurz zuvor etwas ereignet, das den Betroffenen wachgerüttelt und zur Erkenntnis gebracht habe, dass sich etwas ändern müsse.

Eingangssätze wie „Ich bin bei der Arbeit abgemahnt worden, weil ich mit einer Alkoholfahne aufgefallen bin“ oder „Ich habe meinen Führerschein abgeben müssen, weil ich Drogen genommen habe“ oder „Mein Partner will mich verlassen, weil ich wieder alles Geld verspielt habe“ würden die beiden Suchtberater und Therapeuten Sabine Schneider und Frank Horstmann bei Erstgesprächen oft zu hören bekommen.

Die Betroffenen würden zumeist in einem Moment der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit kommen. Vorwürfe an ihrem Verhalten seien da fehl am Platz. Stattdessen sei der Kommentar „Wir können Ihnen helfen!“ der Beginn einer längerfristigen Zusammenarbeit zwischen Helfer und Hilfebedürftigem.

Hilfesuchende oder deren Angehörige können Kontakt zur Suchtberatungsstelle über die Offenen Sprechstunden aufnehmen.

- montags: 10.30 bis 12 Uhr,  donnerstags: 15 bis 17 Uhr.

- Die Beratung ist kostenlos und vertraulich.

- Die Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werks befindet sich an der Bahnhofstraße 25 und ist erreichbar unter der Telefonnummer (0 23 91) 95 40 - 20.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.