Starke Schäden an der Böhler Kirche

Bedeutende Kapelle muss dringend saniert werden - nur wann?

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Auch wenn der Innenraum der Böhler Kirche einen tollen Eindruck macht, besteht dringender Sanierungsbedarf.

Plettenberg – Das Dach ist undicht, Feuchtigkeit dringt ein und auch die Orgel ist bereits in Mitleidenschaft gezogen. In der Böhler Kirche – gerade für Trauungen beliebt – gibt es einigen Sanierungsbedarf. Doch wann genau mit den Arbeiten begonnen werden soll, steht noch nicht fest.

Renate Martin-Schröder kennt die Böhler Kirche genau. Schon seit 16 Jahren bietet sie Stadt- und Kirchenführungen an und kann ihren historisch Interessierten Zuhörern viele Details über den aus dem 12. Jahrhundert stammenden Bau erzählen, der ursprünglich nur eine Kapelle war und auch heute noch teilweise als Böhler Kapelle bezeichnet wird.

Die Schäden an der Kirche kennt sie ebenso wie die Absicht, diese zu beseitigen. Dass es so kommt, damit rechnet sie fest, nur wann es soweit sein wird, das weiß sie eben noch nicht.

Da ist sie nicht die einzige. Bei der Evangelischen Kirchengemeinde Plettenberg, die das entscheiden müsste, hält man sich mit konkreten Äußerungen bedeckt. Wann mit den Renovierungen begonnen wird, stehe noch nicht fest, sagt Thomas Groll, der im neuen Presbyterium das Amt des Baukirchmeisters hat, auf Nachfrage der Heimatzeitung. Der genaue Umfang der erforderlichen Arbeiten an dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude müsse noch durch Sachverständige beurteilt werden, sagt er.

Dass es derzeit noch keinen Zeitplan für den Beginn der Renovierungen und deren Umfang gibt, bestätigt auch der Presbyteriums-Vorsitzende Peter Winkemann. Das gleiche gilt für die Frage, wie die Böhler Kirche künftig genutzt werden soll. Mit diesen Fragestellungen werde sich das Presbyterium im Herbst beschäftigen, so Winkemann.

Dass Handlungsbedarf besteht, scheint angesichts der Schäden allerdings unstrittig. Auch was gemacht werden müsste, ist im Prinzip klar. Auf Nachfrage im Evangelischen Kreiskirchenamt Sauerland-Hellweg erklärt Christa Woschée, zuständig für Grundstücks- und Gebäudemanagement, dass die Planungen zur Sanierung schon weit vorangeschritten seien, man aber noch auf eine Aussage des Presbyteriums warte.

Neben dem Dach und dem Wasserschaden gibt es nach ihrer Aussage noch mehr, das im Zuge einer Sanierung angegangen werden müsste: Im Dachstuhl im Chorbereich hätten sich einige statische Verbindungen gelöst. „Aber es ist definitiv nicht einsturzgefährdet“, betont Woschée. Zudem gebe es Probleme in der Dämmung, die einen Austausch erfordert. Das bedeutet, dass ein Gerüst um die Kirche gezogen werden müsste, was eben mit hohen Kosten verbunden sei, so Woschée. In dem Fall würde man wohl in zwei Bauabschnitten arbeiten, und dabei zuerst am Turm arbeiten und danach am Kirchenschiff.

Dass derzeit im Sommer noch nicht mit der Sanierung begonnen wurde, hat allerdings nicht nur mit der noch ausstehenden Entscheidung des Presbyteriums zu tun, sondern auch mit dem Artenschutz. In der Böhler Kirche nistet nämlich eine geschützte Fledermausart. Bei dem Sanierungskonzept müsste also auch berücksichtigt werden, den Bestand zu erhalten, so Woschée.

Größere Umbauten an der Kapelle gab es im Verlauf der Jahrhunderte übrigens immer mal wieder: zum Beispiel in den Jahren 1422 und 1696. Im Jahr 1842 wurden außerdem das Dach und der kleine Turm (Dachreiter) gründlich erneuert. Der größte Umbau erfolgte dann 1907, als die Kapelle auf Betreiben des Pfarrers Hermann Klein zur heutigen Kirche umgebaut wurde. Man entfernte dabei die Nordwand fast komplett und fügte einen Anbau mit Turm und Sakristei an die alte Kapelle an. 1921 erhielt die Kirche die prachtvollen Chorfenster, die von der in New Jersey lebenden Auswandererfamilie Heßmer gestiftet wurden.

Bedeutende Kapelle außerhalb der Mauern

Die Böhler Kapelle wurde 1158 vom Kölner Erzbischof Friedrich II. von Köln gestiftet. Sie war eine von elf Kapellen rund um Plettenberg, die sich außerhalb der alten Stadtmauern befand, ist aber als einzige in ihren Grundzügen erhalten geblieben. Auch auf dem direkt nach dem Stadtbrand von 1725 angefertigten Stadtplan ist sie außerhalb der Stadtmauern eingezeichnet, an einer „Straße auf Frankfurt“. „Dieser Straßenname ist für mich das faszinierendste“, sagt Kirchenführerin Renate Martin-Schröder. Der Verweis auf Frankfurt deute auf Handel hin, was wiederum mit der Böhler Kapelle zusammenhängt. 

„Die Kapelle hatte drei Patrozinien, einer davon war der Heilige Nikolaus, der Schutzpatron für Handel und Reisende.“ Reisende hätten dort bzw. in der angrenzenden Herberge übernachten können, wenn sie nach Verschließen der Stadttore in Plettenberg ankamen. Das zweite Patrozinium Heilig Geist habe einen Bezug zu Kranken und weise auf ein Hospital und ein Hospiz in der Nachbarschaft der Böhler Kapelle hin. Das dritte Patrozinium Corpus Christi verweise auf Sterbende und habe insbesondere zu Pestzeiten eine wichtige Bedeutung gehabt, so Martin-Schröder. 

Ein dreieckiges Fenster, ein sogenanntes Hagioskop im hinteren Bereich des Kirchenschiffs – ursprünglich gab es zwei – ist ein weiterer Hinweis für die Verbindung der Kapelle zum einstmals benachbarten Hospital und Hospiz. „Ein Hagioskop diente dazu, dass Kranke und Sterbende dadurch die geweihte Hostie empfangen konnten.“

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