1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Plettenberg

Mehr Ärzte fürs Land: Kommune will offensiver werben

Erstellt:

Von: Sabrina Jeide

Kommentare

Martin Boncek, Obmann der Plettenberger Ärzte, berichtete aus dem neuen Arbeitskreis.
Martin Boncek berichtete aus dem neuen Arbeitskreis. © Sabrina Jeide

Der in der vorletzten Sitzung des Sozial- und Gesundheitsausschusses geforderte Arbeitskreis zur hausärztlichen Versorgung in Plettenberg hat mittlerweile seine Arbeit aufgenommen.

Plettenberg – Martin Boncek, Obmann der Plettenberger Ärzteschaft, berichtete dem Ausschuss in der vergangenen Woche vom ersten Treffen und sparte nicht mit sachlicher Kritik. Gemeinsam mit Kinder- und Jugendarzt Michael Achenbach sowie der Prange Gesundheit habe man sich zunächst mit den von Achenbach damals geforderten Alleinstellungsmerkmalen auseinandergesetzt. „Wo sind die Leuchttürme? Wo unterscheidet sich Plettenberg von anderen Städten?“, fragte Boncek. In diesem Zusammenhang empfand man die Homepage der Stadt Plettenberg als nicht besonders zielführend, vermisste unter anderem eine gute Auffindbarkeit zum Thema Ärztegewinnung sowie einen konkreten Ansprechpartner bzw. auch konkrete Förderangebote.

Boncek drückte überdies das Bedauern aus, dass die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Stadtverwaltung offenbar nicht immer völlig reibungslos verlaufe, wie er mehrfach erfahren habe. Ob fehlgeschlagene Pläne zur Weiterführung der Urologie-Praxis Schuller, Knöllchen-Ärger bei einer neuen Gynäkologin oder Probleme mit dem Bauamt bei zwei neuen Therapeuten: Der Obmann betonte, man würde sich wünschen, dass die Stadt „unkomplizierter handelt“ und auch jene besser unterstütze, die sich bereits für Plettenberg entschieden haben.

Der Arbeitskreis sprach klare Handlungsempfehlungen aus; die Stadtverwaltung ihrerseits will zügig tätig werden und setze bereits erste Wünsche um, wie Bürgermeister Ulrich Schulte betonte.

Im Arbeitskreis sollte unter anderem ein Vertreter der Stadt Plettenberg mit dabei sein. Dem Wunsch wird bereits Rechnung getragen, indem Katja Gerecht, Demografie- und Integrationsbeauftragte der Stadt, der Gruppe nunmehr angehört. Dem Wunsch nach einer verbesserten Homepage will die Stadt ebenfalls nachkommen und eine komplett eigene Webseite für den Bereich der ärztlichen Versorgung erarbeiten, die dann auch von der offiziellen Seite der Stadt Plettenberg verlinkt wird.

Das dritte Thema galt der Förderung für neue Ärzte. Die Stadt solle hier konkrete Angaben machen, wie die städtischen Fördermöglichkeiten aussehen und nicht ausschließlich auf Fremdförderungen durch die kassenärztliche Vereinigung verweisen. Ulrich Schulte sagte, dass das Thema der Ärzte-Förderung „politisch zunächst nicht gewollt“ gewesen sei, die Tür aber mittlerweile bewusst aufgestoßen sei, um mit einer Förderung zu werben. Zum Teil sei das auch schon in die Wege geleitet, erklärte das Stadtoberhaupt.

Darüber hinaus bat Martin Boncek die Stadtverwaltung nicht nur den hausärztlichen Sektor im Blick zu behalten, sondern ebenfalls den fachärztlichen Bereich. Etwa ein Drittel der Fachärzte im Märkischen Kreis sei über 60 Jahre alt. Die Stadt müsse proaktiv auf die Ärzte zuzugehen und mit ihnen über die weitere Berufs- und Lebensplanung sprechen. Gerade im Bezug auf die geschlossene Urologie-Praxis betonte Boncek: „Wenn Sie einen Platz beim Urologen suchen, dürfte das schwierig werden.“ Und die Praxis Schuller scheint da nur der Anfang zu sein...

Localhero oder Stipendium: Werbekampagnen

Es gibt bereits mehrere Werbekampagnen, um Fachkräfte für Medizin und Pflege zu gewinnen. Bei der Südwestfalenagentur wird das Projekt „Hier spielt die Medizin“ betreut, das ein Kümmerer- und Willkommens-Netzwerk sein soll. Der Märkische Kreis ist in diesem Bereich ebenfalls aktiv und betreut beispielsweise ein Stipendien-Angebot oder die Aktion „Localhero“, bei der Medizinstudenten regelmäßig Praktika in ländlichen Regionen absolvieren und dabei vor allem die Vorzüge des Arbeitens auf dem Land kennenlernen sollen. Dazu gibt es seit 2019 den sogenannten Arzt-Guide. Saskia Haardt-Cerff (Südwestfalenagentur) und Katharina Müller (Märkischer Kreis) stellten die jeweiligen Projekte in der letzten Sitzung des Sozial- und Gesundheitsausschusses vor, betonten allerdings auch, dass viele Ideen der Umsetzung durch die Corona-Pandemie eingebremst worden seien. Einig war man sich, dass die beste Werbung allerdings immer noch die Mund-zu-Mund-Propaganda sei. 

Auch interessant

Kommentare