Stellungnahme des Bürgermeisters

Was die Stadt Plettenberg zum Rücktritt des P-Weg-Organisationsteams sagt

Plettenberg - Nachdem am Freitag das P-Weg-Organisationsteam geschlossen seinen Rücktritt für Mitte September angekündigt hat, erreichte uns jetzt die Stellungnahme der Stadt Plettenberg. Bürgermeister Schulte schreibt darin unter anderem: "Ich hoffe, dass das P-Weg-Team sich den Rücktritt noch mal überlegt."

Ungekürzt und im Wortlaut schreibt Bürgermeister Ulrich Schulte folgendes:

"Das P-Weg-Team tritt geschlossen zurück. Eine Schocknachricht für Plettenberg, die mich am Freitagnachmittag auf einer Autofahrt erreichte. Das trifft nicht nur die Stadt als Ganzes, sondern mich auch persönlich. Zum einen als Bürgermeister, der bemüht ist, seine Stadt durch Veranstaltungen attraktiv zu halten und zum anderen als ehemaliges P-Weg-Teammitglied. Zwischen 2006 und 2015 habe ich mich um die Helferbetreuung innerhalb des P-Weg-Teams gekümmert. Ich habe das mit sehr viel Herzblut gemacht und habe das Team und meine Aufgabe eigentlich nur ungern verlassen, aber der Job als Bürgermeister ließ mir einfach keine Zeit mehr dazu.

Um die derzeitigen Probleme und Beweggründe für den Rücktritt zu verstehen, muss man die besondere Stellung des P-Weg-Teams näher beleuchten. Die Mitglieder des P-Weg-Teams arbeiten ehrenamtlich, die Veranstaltung ist aber eine Veranstaltung der Stadt Plettenberg. Jeder Euro, der an Start- oder Sponsorengeldern gezahlt wird, fließt in die Stadtkasse und wird damit automatisch Eigentum der Stadt Plettenberg. Jeder Euro, der ausgezahlt wird, stammt von der Stadt Plettenberg. Wird eine Rechnung nicht bezahlt, bekommt die Stadt die Mahnung.

Aus dieser besonderen Konstellation ergibt sich, dass der Bürgermeister seinen Kopf hinhalten muss, wenn Dritte durch organisatorische Fehler geschädigt werden oder gegen geltendes Recht verstoßen wird. Gleichzeitig nimmt die Stadt die Teammitglieder nicht in Haftung, wenn ein Verlust erwirtschaftet wird. Der Baubetriebshof leistet jedes Jahr für den P-Weg viele Arbeitsstunden, die Finanzverwaltung der Stadt führt jährlich über 2.500 Buchungen für den P-Weg durch und weitere Mitarbeiter der Stadt sind mit anderen Tätigkeiten für den P-Weg gebunden. Darüber hinaus werden Fahrzeuge und Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Die Stadt unterstützt damit das P-Weg-Wochenende in einem Maße, wie es sich andere Ehrenamtliche nur wünschen würden – das aber auch aus gutem Grund, denn die Veranstaltung ist nun mal ein Aushängeschild für unsere Stadt und hat positive Effekte auf allen Ebenen.

Bei dieser vermeintlich abgesicherten und bequemen Situation für das P-Weg-Team ergeben sich aber immer wieder auch Schwierigkeiten – nämlich dann, wenn sich die Stadt in die Arbeit des Teams einmischt. Das geschah im letzten Jahr als die Leiterin der Rechnungsprüfung aus Anlass einer ungenehmigten Zahlung für alle Beschaffungen beim P-Weg auch Dokumentationen verlangte, damit die Stadt bei einer evtl. Steuerprüfung keinen Schaden nimmt. Diese Forderung ist auch nicht abwegig, denn der P-Weg hat sich im Laufe der Jahre zu einem umsatzsteuer-pflichtigen Wirtschaftsbetrieb entwickelt und entspricht damit wirtschaftlich nicht mehr dem P-Weg aus den Anfangsjahren eines Josef Spahn. Hier habe ich zusammen mit dem Kämmerer eine Lösung entwickelt, die dem P-Weg-Team ausreichende Freiheiten gewährt, aber auch ein Mindestmaß an steuerlichen Dokumentationspflichten erfüllt. Gleiches hatte ich zwei Jahre vorher getan, indem ich das P-Weg-Team durch schriftliche Anordnung von den internen Vergabevorschriften befreit habe.

Aktuell ergibt sich ein Konflikt über das Jahresergebnis 2018 des P-Wegs. Auf Initiative des Kämmerers Herrn Groll hatte das P-Weg-Team Gutscheine für einen Kinobesuch als Dankeschön für alle Helfer beschafft. Da dies nicht nur der Helfergewinnung und -bindung dient, sondern auch eine Art Wirtschaftsförderung ist, hatte der Kämmerer (mit meinem Wissen und meiner Billigung) zugesagt, dass die Stadt die Kosten dafür erstattet. Denn es ist so, dass viele der notwendigen Jahresabschlussbuchungen 2018 insgesamt noch gemacht werden müssen. Hierzu werden auch die maßgeblichen Zahlen des ersten Vierteljahres 2019 mit berücksichtigt. Insofern ist die aktuell noch offene Rückbuchung eine von vielen noch zu erledigenden Buchhaltungsaufgaben.

Was für den Finanzfachmann logisch ist, ist für das P-Weg-Team aber die Nichteinhaltung einer Zusage. Hier wird eine Rücküberweisung des Betrages erwartet, die sich schon viel zu lange hinzieht. Dieser Konflikt ist mir erst spät – vermeintlich zu spät – klar geworden.

Um eine Einigung zugunsten des P-Weg-Teams zu erreichen, hat Herr Groll eine Lösung entwickelt, die einigen P-Weg-Teammitgliedern am letzten Donnerstag vorgestellt werden sollte. Wegen Terminschwierigkeiten der Teammitglieder musste das Gespräch aber abgesagt werden und es wurde vereinbart, dass ein neuer Termin anberaumt wird. Leider ist es stattdessen zum geschlossenen Rücktritt des Teams gekommen, was mich überrascht hat und was ich sehr bedaure.

Entgegen dem ersten Augenschein handelt es sich aber nicht um eine dauernde Behinderung der ehrenamtlichen Arbeit, sondern um ein einzelnes Problem, das gelöst werden muss. Dieses ist zugegebenermaßen schwerwiegend und zieht sich schon zu lange hin, so dass ich die Verärgerung des P-Weg-Teams verstehen kann. Ich denke, dass dieser Konflikt über den Jahresverlust vor dem Hintergrund der immensen Arbeitsbelastung des Teams, der Herausforderung zur Akquirierung der enormen Helferzahlen und immer wieder unvermittelt auftretender Probleme anderer Art einfach der Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

Ich hoffe inständig, dass sich das noch offene Problem zur Zufriedenheit lösen lässt und das P-Weg-Team sich den Rücktritt noch mal überlegt. Nicht wegen mir oder wegen Herrn Groll, sondern wegen unserer Stadt, den Helfern und den Sportlern. Vorrangige Aufgabe muss es jetzt sein, wieder ins Gespräch zu kommen. Bis dahin sollten wir uns alle auf den P-Weg 2019 konzentrieren, damit dies wieder eine tolle Veranstaltung wird."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare