Plettenberger im Interview

Spinnen-Fotograf Kairat: „Eine Katze oder ein Hund sind gefährlicher“

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Spinnenfotograf Wolfgang Kairat in seinem selbstgebauten Fotostudio.

Plettenberg - Es gibt Menschen, die fotografieren Menschen. Oder Landschaften, oder Autos. Oder ganz anderes. Und dann gibt es den Plettenberger Wolfgang Kairat und seine Frau Gudrun. Sie fotografieren etwas, vor dem sich andere ekeln.

Wolfgang Kairat ist Spinnenfotograf. Darüber spricht er im ersten Teil unseres Interviews mit Georg Dickopf.

Herr Kairat, sie haben ein Hobby, das für viele Menschen ungewöhnlich ist. Sie interessieren sich für Spinnen. Was ist bei Ihnen schief gelaufen, dass sie sich für Spinnen interessieren?

Wolfgang Kairat (lacht): Spinnen sind schon etwas ganz Besonderes. Ich habe mich schon immer für die Natur interessiert. Irgendwann sind mir Spinnenbücher in die Hände gefallen. Spinnen sind unglaublich faszinierend und vielseitig..

Und die Bücher haben Ihnen gefallen?

Kairat: Ich fand das Thema hochspannend, nur die Bilder fand ich oft nicht so toll. Bei Spinnen ist es wie mit den Pilzen – man sieht nicht auf den ersten Blick, um welche Art es sich handelt. Andererseits reicht ein Foto zur Artbestimmung oft auch nicht aus.

Die Bilder waren Ihnen also nicht professionell genug. Und deshalb haben Sie selbst damit begonnen, Spinnen zu fotografieren?

Kaira t: Eher nicht deutlich genug. Ich habe oft kaum etwas auf den Fotos erkennen können. Das war vor rund 15 Jahren. Damals habe ich angefangen zu experimentieren mit Beleuchtung und mit Kameras und habe Lupen und Linsen vor die Kameraobjektive gebaut, um meine Ideen umzusetzen. Dann habe ich versucht, mit Neon-Ringleuchten schattenfreie Bilder hinzubekommen. Alle möglichen Schwierigkeiten sind aufgetaucht, aber mit der Zeit wurden die Ergebnisse besser. 

Der Vorteil ist, dass Spinnen – anders als andere Tiere – auch mal ganz gechillt einfach nur herumsitzen...?

Kairat: Spinnen bleiben gerne mal ein Stündchen sitzen, flüchten aber auch mitunter ganz plötzlich. Manche Jungtiere lassen auch gelegentlich einen Flugfaden los und sind dann spiderman-mäßig in Richtung Zimmerdecke verschwunden. 

Sie haben sich davon nicht entmutigen lassen, sondern in Ihrem Spezial-Spinnenlabor in Plettenberg eindrucksvolle Makro-Aufnahmen geschossen und sich damit in der Szene einen Namen gemacht?

Kairat: Eigentlich habe ich das anfangs nur für mich betrieben, bis Karl-Heinz Rangs, ein Freund von mir, sagte, ich sollte mal ein paar Bilder in eine Foto-Community stellen. Dort war ich mit dem Thema Spinnen recht schnell bekannt. Auf dieser Plattform habe ich dann übrigens auch später meine Frau kennengelernt. Sie betreibt auch Makrofotografie. Ihre Themen sind allerdings andere, sie fotografiert hauptsächlich Insekten, Blütenpflanzen und Vögel. 

Sie haben tolle Makro-Aufnahmen gemacht, aber machen jetzt etwas ganz Neues – die Kreuzblick-Stereofotografie. Was ist das?

Kairat: Das Kreuzblickverfahren habe ich nicht selbst erfunden, das gibt es schon lange. Ich habe mir das abgeschaut und mir dazu die erforderliche Blicktechnik angeeignet. Wie genau das funktioniert, erkläre ich auf meiner Homepage (Anm. d. Redaktion www.dewolli.de) detailliert. Wer in den 80er Jahren die „Magisches Auge“- Bilder hinbekommen hat, kann meine Bilder auch plastisch sehen. Ohne jegliches Hilfsmittel. 

Wie stark wird das wahrgenommen?  

Kairat: Die Zielgruppe ist sicherlich klein, aber wächst stetig, vor allem international. Wenn früher mal einer am Tag auf meiner Homepage war, sind es heute im Schnitt zehn oder zwanzig Menschen – allerdings über die ganze Welt verteilt. Anfangs habe ich übrigens meine Homepage Seite für Seite ins Englische übersetzt. Inzwischen habe ich eine Übersetzungs-Anwendung implementiert, dadurch ist sie jetzt ganz einfach per Mausklick in sehr vielen Sprachen nutzbar. 

Aber reich werden kann man damit und mit den Kalendern nicht?  

Kairat: Nein, die Erträge halten sich in Grenzen. Aber ich mache weiter, weil es mir Spaß macht, reich werden kann man damit sicher nicht. 

Sie sind also im wahrsten Sinne des Wortes „vernetzt mit Spinnen“ und haben selbst zu Hause auch einige Spinnen?

Kairat: Ja, ich halte zur Zeit so um die 20 Exemplare – größtenteils sehr interessante Vogelspinnenarten. Auch eine italienische Falltürspinne habe ich im Bestand. Diese Spinne gräbt sich eine Höhle und baut einen Klappdeckel darauf, hinter dem sie sich auf die Lauer legt. Wenn Beute vorbeikommt, schlägt sie in einer unglaublichen Geschwindigkeit zu und zieht die Beute in ihren Bau. Mit normalen Mitteln ist das kaum zu fotografieren. Bis jetzt ist mir das jedenfalls nicht gelungen. 

Sind Spinnen gefährlich?

Kairat: Eine Katze oder ein Hund, die man nicht kennt, können einem sicher deutlich gefährlicher werden als jede europäische Spinne.

Wie gefährlich sind denn deutsche Spinnen?  

Kairat: Eigentlich gar nicht. Bei einem Kind mit extrem dünner Haut kann es mal zwacken, wenn eine Spinne sich bedroht fühlt und sich wehrt, aber sonst wird da nichts passieren. Lediglich der Ammen-Dornfinger ist bekannt dafür, dass sein Biss Probleme machen kann. Giftig sind ansonsten erst einmal fast alle Spinnen, das gehört zu ihrem Beuteerwerb – die Frage ist wie sehr. Es gibt indische und afrikanische Vogelspinnen, die würde ich nicht unbedingt anfassen. Bei den Atrax-Spinnen, die in der Nähe von Sydney vorkommen, sind die Männchen recht aggressiv, deren Biss kann auch erhebliche Probleme machen. Ohne entsprechendes Gegengift kann man sogar unter Umständen in Lebensgefahr geraten. Schwarze Witwen z.B. sind auch nicht ohne. Man erkennt sie an ihrem dicken schwarzen Hinterleib mit einem roten Punkt auf der Unterseite und recht langen Beinen. Es ist bekannt, dass sie sich gern in ihrem Verbreitungsgebiet wegen der hohen Fliegenvorkommen in der Nähe von Toiletten aufhalten. Und sie haben so feine Giftzähne, dass man es nicht unbedingt spürt, wenn sie zubeißt. Das kann dann ziemlich unangenehm werden. Aber all diese Spinnenarten kommen ja zum Glück bei uns nicht vor.

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