„Ich weiß nicht mehr, was ich gemacht habe“

Spielsüchtiger 25-Jähriger bricht im Vollrausch in Böddinghausen ein

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Der 25-Jährige konnte sich vor Gericht an den Einbruch nicht mehr richtig erinnern.

Plettenberg – Die Erinnerung eines 25-jährigen Plettenbergers mag stark getrübt sein. Doch es spricht einiges dafür, dass er in den frühen Morgenstunden des 23. September die Terrassentür eines Hauses am Böddinghauser Feld aufhebelte, einen Autoschlüssel klaute und anschließend mit dem BMW X1 der Familie davonfuhr.

Nach ersten Aufnahmen einer Überwachungskamera am Ort des Diebstahls wurde er später auch gefilmt, als er mit dem Wagen an einer Spielhalle vorfuhr.

Er sei spielsüchtig, gestand der Angeklagte im Amtsgericht Altena, wo er sich wegen Wohnungseinbruchs und Diebstahls verantworten musste. „Ich weiß nicht mehr, was ich gemacht habe“, versicherte er und verwies zur Begründung auf ein „kleines, nein größeres Alkoholproblem“.

Dem Bericht der Anklageschrift über seinen Einbruch und den Diebstahl gab er allerdings Recht: „Ich bin da bestimmt eingebrochen.“ Trotz intensiver Nachfrage setzte sein Gedächtnis erst nach einer gewissen Ausnüchterung am nächsten Morgen wieder ein: „Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich in diesem Scheiß-Auto wach geworden bin – morgens um zehn Uhr.“

Strafrechtlich droht ihm nach der Heraufstufung von Wohnungseinbrüchen zum Verbrechen eine Haftstrafe von mindestens einem Jahr. Doch es kommt möglicherweise noch schlimmer: Die Staatsanwältin brachte aus dem Geschäftsbereich der Staatsanwaltschaft Arnsberg ein weiteres Strafverfahren mit: Im Hochsauerland soll der Angeklagte – ebenfalls stark alkoholisiert – einen ähnlichen Einbruch begangen haben wie in Plettenberg. Er selbst wollte sich auch daran nicht erinnern können. Doch er kramte noch aus seinem Gedächtnis, dass er einen Polizeibeamten „gebissen“ habe. Davon wusste wiederum die Staatsanwältin noch nichts.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Arnsberg waren zunächst nicht vorangekommen, weil der Aufenthaltsort des 25-Jährigen unbekannt war. Er gab zu, dass er seinen neuen Wohnsitz in Plettenberg nicht angemeldet hatte. Das hatte offenbar auch den Vorteil, dass er vorerst nicht greifbar war für jene Stadtkasse, die der Mutter seines Sohnes Unterhaltsvorschuss zahlt. Denn finanziell wäre er aufgrund einer harten, aber ganz gut bezahlten Tätigkeit durchaus in der Lage, Unterhalt zu zahlen. Die Staatsanwältin drohte ihm deshalb mit einem weiteren Strafverfahren, wenn er mit den Zahlungen nicht zügig beginne.

Einig waren sich alle Beteiligten, dass der 25-Jährige dringend eine Therapie gegen seine Alkoholsucht brauche – sei es freiwillig oder mit dem Zwang einer geschlossenen Entzugsklinik. „Seit 2013 war bei jeder Straftat Alkohol im Spiel“, bestätigte der Angeklagte, der seine beste Zeit offenbar in der Justizvollzugsanstalt Iserlohn hatte. Dort verlängerte er sogar den Aufenthalt, um seine Ausbildung abzuschließen. Nach der Entlassung ging es durch erneuten Alkoholkonsum allerdings wieder bergab.

Das Schöffengericht vertagte schließlich das Strafverfahren wegen des Einbruchs in Plettenberg. Zu viele weitere Vorwürfe waren aufgetaucht: „Wir versuchen zu sammeln.“

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