Sondermüll muss angemeldet werden

Sperrmüllentsorgung – für Senioren häufig nicht einfach

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Plettenberg -  Fassungslos blickt Renate Gall auf ihr Telefon…. Gerade hat sie bei dem ZfA (Zweckverband für Abfallbeseitigung) in Iserlohn angerufen, weil sie eine Frage zum Sperrmüll hatte. Kürzlich hatte sie sich in ihrer Wohnung Teppichboden verlegen lassen.

Beim ZfA wurde der Seniorin am Telefon in recht unfreundlicher Art und Weise erklärt, dass in Plettenberg der Sperrmüll nur online über die Internetseite www.zfa-iserlohn.de oder über die neuen Postkarten im Abfallkalender der Stadt Plettenberg 2018 bestellt werden könne. Jetzt steht die Plettenbergerin vor einem Problem: Renate Gall hat nämlich weder einen Computer, noch kann sie „mal eben“ zum Rathaus gehen, um sich diesen Kalender zu besorgen, da sie an den Rollstuhl gefesselt ist. Ihre Kinder wohnen schon lange nicht mehr in Plettenberg, Freunde sind schon verstorben – sie ist ziemlich alleine und froh, dass sie ihre gewöhnlichen Einkäufe per Rollstuhl erledigen kann.

 Renate Gall hatte sich im Dezember 2017 von einem hiesigen Unternehmen in ihrer Wohnung Teppichboden verlegen lassen. Dabei war ein großes Stück (120 mal 150 Zentimeter) übrig geblieben und der Mitarbeiter hatte ihr geraten, sich davon einen Teppich fertigen zu lassen. Jedoch hat sie sich nach längerer Überlegung dagegen entschieden, denn Teppiche können zu Stolperfallen werden und sollten damit nicht unbedingt in Senioren-Wohnungen zu finden sein. Auf Anraten eines Mitglieds der Seniorenvertretung hat Renate Gall dann bei der Teppichbodenfirma angerufen, und die haben das Stück Teppichboden bei ihr abgeholt, denn mit dem Sperrmüll wäre es nicht entsorgt worden. Das Beispiel von Renate Gall macht deutlich, dass eingeschränkte Bürger in Plettenberg oft hilflos da stehen. 

In Plettenberg gibt es viele Senioren, aber auch jüngere Leute, die nicht in der Lage sind, ihren Sperrmüll „online“ entsorgen zu lassen. Auch die Möglichkeit, den Bringhof in Werdohl zu nutzen, haben in der Tat nur die Personen, die über ein Auto verfügen oder jemanden kennen, der eins hat.

 Diese müssen sich dann zusätzlich die Zeit nehmen, während der Öffnungszeiten des Bringhofes nach Werdohl zu fahren – ansonsten wird es schwierig. Im Abfallkalender 2018, der im Rathaus erhältlich ich, ist sehr gut und verständlich erklärt, welcher Müll von wem entsorgt bzw. wohin gebracht werden kann und wann. Nur – was nützt das Senioren, die nicht mobil sind? Eine weitere Plettenbergerin berichtet von einem anderen Beispiel zum Thema: Zunächst habe sie beim Bauhof in Plettenberg angerufen, wie es früher halt so üblich gewesen sei. Dort wurde ihr erklärt, dass es ausnahmslos über das Internet oder eine Postkarte an den Baubetriebshof möglich sei. Natürlich habe sie dann eine E-Mail geschrieben an www.zfa-iserlohn.de, dort die Stadt ausgewählt (in dem Fall Plettenberg) und welche Art Müllentsorgung sie beantrage. 

Diese Mail habe sie wegschickt und bekam die Antwort, dass die Anfrage geprüft werde und ob der Termin passe, den sie angegeben hätte. Dann hat sie genau erwähnt was abgeholt werden soll und wurde darüber belehrt, was nicht in den Sperrmüll gehört, wie z.B. blaue Säcke, Reste von Teppichböden etc. Erst dann bekam sie den endgültigen Termin zugeteilt. „Vielleicht kann man im Sinne der Senioren in Plettenberg dieses Verfahren noch einmal überdenken und bearbeiten“, schlägt die Seniorenvertretung vor. Die Verantwortlichen würden sich wünschen, dass wieder per Anruf der Sperrmüll geordert werden könne. „Natürlich ist uns bewusst, dass damit auch eine Arbeitskraft eingebunden werden muss, aber im Sinne der über 7000 Senioren, deren Anzahl stetig ansteigt, wäre dies mehr als wünschenswert, da viele Senioren mobil eingeschränkt sind und nicht über einen PC oder Smartphone verfügen und somit nicht in der Lage sind, die beiden Wege zu beschreiten, die im Moment vorgegeben sind“, sagen die Seniorenvertreter und bitten die Stadtverwaltung darüber nachzudenken.

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