„Mobilmachung“ gegen die Neubauten auf der Bracht?

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Auf dem ehemaligen Spielplatz am Rilkeweg könnte ein Rückhaltebecken für die Neubauten auf dem Gelände der bisherigen Villa entstehen. Anwohner befürchten unter anderem, dass dieses Becken für eine starke Geruchsbelästigung sorgen wird.

Bei manchen Anwohnern des Rilkewegs scheint sich Widerstand gegen die Pläne zu regen, die die Errichtung von neuen Gebäuden auf dem Gelände der Brachtvilla vorsehen. Die Sorgen sind vielfältig, betreffen aber zu einem großen Teil die geplante Entwässerung des Baugeländes.

Im Rahmen der Auslegung des Entwurfs des Bebauungsplanes für das Gelände auf der Bracht konnten auch Bürger ihre Bedenken äußern. Und davon machten vor allem Anlieger des Rilkewegs Gebrauch. „Wir haben jedenfalls beschlossen, die Anwohner vom Rilkeweg mobil zu machen gegen dieses Bauvorhaben, und sollte es Anwohner in unserer Straße geben, die rechtliche Schritte einleiten, werden wir diese im Rahmen aller Möglichkeiten unterstützen, die wir haben“, schreiben Anwohner.

Denn diese bezweifeln unter anderem, dass die zu bebauende Fläche überhaupt in der Lage sei, größere Wassermengen ohne Sondermaßnahmen aufzunehmen. Das geplante Projekt eines heimischen Immobilienhändlers sei „völlig überdimensioniert“, um an den vorhandenen Kanal angeschlossen zu werden. Das Anlegen eines neuen Kanalsystems würde allerdings für die Anlieger mit hohen Erschließungs- und Straßenbaubeiträgen einhergehen.

Dem entgegnet die Stadt Plettenberg, dass „das Baugebiet ausschließlich über privat anzulegende Kanäle im Trennsystem entwässert“ werden soll. Die Erschließungsanlagen sollen vom Investor bezahlt werden, sodass für die Anlieger keine Kosten entstehen würden.

Darüber hinaus sei die Anlegung eines Rückhaltebeckens auf dem Gelände des ehemaligen Spielplatzes am Rilkeweg anvisiert, um das Niederschlagswasser über „dichte Regenwasserleitungen“ kontrolliert in Richtung Rilkeweg abzuleiten und dann im Becken zu fassen. Anschließend soll das Wasser dann „gedrosselt“ dem vorhandenen Kanal zugeführt werden. Damit soll eine Überbelastung dieses Kanals verhindert werden.

Doch genau dieses geplante Becken ist manchem Anwohner ein Dorn im Auge – besonders denen, die dieses Becken direkt vor der eigenen Haustür haben würden. Sie befürchten eine starke Geruchsbelastung sowie die Ansammlung zahlreicher Insekten.

Das Rückhaltebecken soll jedoch nur das bei besonderem Starkregen anfallende Wasser zwischenspeichern, erklärt die Stadt. Diese Art von Regen komme aber wohl nur selten vor und daher würde das Becken ohnehin die meiste Zeit trocken liegen. Somit würde die Geruchsbelastung auch gering gehalten, sich die Zahl der Insekten kaum vergrößern.

Anwohner hatten angeregt, dieses Rückhaltebecken doch dann auf dem Gelände der bisherigen Villa anzulegen. Dieser Bereich sei laut der Stadt dafür allerdings nicht geeignet.

Kritisiert wird außerdem die mögliche Abholzung der Bäume am ehemaligen Spielplatz. Manche Anlieger fragen, ob diese Maßnahme wirklich für die Anlegung des Rückhaltebeckens notwendig sei, oder aber diese ausgeführt werden soll, „damit die zukünftigen neuen Nachbarn auch ihre vom Investor versprochene Fünf-Sterne-Sicht“ bekommen. Dazu erklärt die Stadt, dass der Investor verpflichtet sei, die Bäume „größtenteils“ zu erhalten oder zu ersetzen.

Auch ein Abrutschen des Hanges wird von manchen Anwohnern befürchtet. Die Bodenbeschaffenheit sei demnach nicht geeignet, um diese Art der Bebauung zum Hang hin abfangen zu können. Die Stadt erklärt: Da das Vorhaben nicht genau definiert sei, zum Beispiel in Bezug auf Größe oder mögliche Unterkellerung, könnten auch die Lasten der Gebäude nicht feststehen. Somit sei auch bislang keine Aussage zur Standfestigkeit möglich.

Allerdings müsse dem Bauantrag ein gutachterlicher „Standsicherheitsnachweis“ beigefügt sein. Wegen der Besonderheit des Villen-Grundstücks müsse in diesem Fall die Standfestigkeit für jedes der einzelnen geplanten Gebäude nachgewiesen werden. Außerdem sei der Bebauungsplan dahingehend bearbeitet worden, dass der Kanal nun mittig der Bauzeile entlang – und nicht der Grundstücksgrenze nach – zum Becken geführt werden soll. Damit könne der Hang wegen des Kanals nicht abrutschen.

Wiederum andere Anwohner fürchten, das Landschaftsbild würde negativ verändert werden. Dies könne die Stadt jedoch aufgrund der „getroffenen Pflanzmaßnahmen“ nicht nachvollziehen. Ebenso sei nicht zu erwarten, dass die Bauzufahrtsstraße, der Brachtweg, „über den allgemeinen Verschleiß hinaus“ beschädigt wird. Anlieger befürchten, bei größeren Schäden zur Sanierung der Straße zur Kasse gebeten zu werden.

Die Anwohner fordern von den Mitgliedern des Planungs- und Umweltausschusses, der am morgigen Mittwoch um 17.00 Uhr im Rathaus tagt, die Sorgen und Bedenken der Anwohner ernst zu nehmen. Denn diese seien zumindest teilweise bereit, auch „mobil zu machen“ – sicher nicht zur Freude des Investors.

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