Impfbus in Plettenberg

Sorge um Ausschluss vom öffentlichen Leben: Druck auf Ungeimpfte wächst

Im hinteren Teil des MVG-Busses wurden die Spritzen mit dem Impfstoff aufgezogen. Die Bürger hatten die Wahl zwischen dem Pfizer/Biontech-Impfstoff und dem Präparat von Johnson.
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Im hinteren Teil des MVG-Busses wurden die Spritzen mit dem Impfstoff aufgezogen. Die Bürger hatten die Wahl zwischen dem Pfizer/Biontech-Impfstoff und dem Präparat von Johnson.

Am Donnerstag war der Impfbus des Kreises wieder in Plettenberg zu Gast. 103 Menschen ließen sich binnen vier Stunden gegen das Coronavirus impfen. 

Plettenberg - Unter den Impfwilligen gab es jedoch auch Menschen, die den Piks bisher abgelehnt haben – und sich nun aus Sorge vor einem Ausschluss vom öffentlichen Leben doch haben impfen lassen.

Eine Impfpflicht gibt es nach wie vor nicht. Der Druck auf Ungeimpfte wird ab Montag, 11. Oktober, dennoch massiv erhöht. Denn die Coronatests als Voraussetzung für viele Aktivitäten – wie die Besuche von Gottesdienst und Fitnessstudio oder auch Flüge – müssen dann selbst bezahlt werden. Und das läppert sich. Das Ifam-Testzentrum am AquaMagis hat beispielsweise angekündigt, 15 Euro pro Test nehmen zu wollen.

Und so verwundert es kaum, dass viele, mit denen wir am Donnerstag gesprochen haben, das Gefühl haben, sich nun impfen lassen zu müssen – mehr oder weniger freiwillig. Das Wort „müssen“ höre auch Impfbus-Koordinator Bernd Benscheidt immer häufiger. Wie sich die Nachfrage nach Impfungen ab Montag verändere, könne er nur schwer einschätzen: „Das werden wir sehen.“ Er könne sich aber vorstellen, dass diese mit den dann kostenpflichtigen Tests steigen werde. Wenn auch nicht bei allen aus voller Überzeugung.

„Ich habe lange gezögert“

So geht es Carsten Neumann, der sich am Donnerstag in die Schlange stellte. Er fühle sich zur Impfung gezwungen. „Ich habe lange gezögert“, sagt er. Letztes Wochenende sei er in Willingen gewesen, wo an manchen Stellen die sehr strenge 2G-Regelung gilt. Heißt: Gewähren Einrichtungen nur noch Genesenen und Geimpften Zutritt, können sie etwa auf Abstandsregeln und Maskenpflicht verzichten. Im Umkehrschluss werden Ungeimpfte damit von weiten Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen. Neumann: „Ich habe keine Lust, bald draußen vor der Tür stehen bleiben zu müssen“. Er entschied sich für den Biontech-Impfstoff.

Auch eine junge Dame, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, beklagt im Gespräch: „Ich will weiter am normalen Leben teilnehmen, kann mir die Tests aber nicht leisten.” Sie erzählt von Impfnebenwirkungen in ihrem Freundeskreis – davon, dass sie sich auch deshalb bislang bewusst gegen den Piks entschieden habe. Sie habe nun das Gefühl, diesen nicht mehr umgehen zu können und wählte schließlich den Johnson & Johnson-Einmalimpfstoff. „Dann bin ich fertig damit“, sagt sie.

Über 100 Impfungen

Insgesamt 103 Menschen ließen sich am Donnerstag an der Waterkant impfen. 79 von ihnen wählten den Pfizer/Biontech-Impfstoff, 24 den Einmal-Impfstoff von Johnson & Johnson. Drittimpfungen machten nur einen sehr kleinen Teil aus.

„Es läuft gut”, stellte Impfbus-Koordinator Benscheidt gut eineinhalb Stunden nach dem Start zufrieden fest. Der Platz an der Lennepromenade in Eiringhausen war die erste Impfbus-Station seit der Schließung der Impfzentren Ende September. „Der Märkische Kreis hat sich dazu entschieden, die Aktion weiterzuführen”, erläuterte Benscheidt.
Über 50 Mal war der Bus bislang in den 15 MK-Kommunen unterwegs. Immer mit dabei ist ein fünfköpfiges Team, zu dem am Donnerstag Arzt Dr. Egbert Stüeken zählte. Er setzte die Spritzen und stand für Fragen der Impfwilligen bereit.

Einige bekommen zweite Impfung

Emilia Schweigmann stand für die zweite Impfung von Biontech an. „Die erste Impfung habe ich vor gut vier Wochen erhalten”, sagt sie. Zu dem Zeitpunkt war ein Impfteam des Märkischen Kreises schon einmal in Eiringhausen – damals direkt im Gertrud-Bäumer-Berufskolleg (GBBK). Laut Benscheidt sei es Ziel, angefahrene Stellen im passenden Abstand für die zweite Impfung noch einmal anzusteuern – um es den Impflingen so einfach wie möglich zu machen.

Die Schutzwirkung der Corona-Impfstoffe lässt mit der Zeit nach. Boosterimpfungen machten am Donnerstag aber nur einen „sehr kleinen Teil aus“, berichtet Benscheidt am Donnerstagnachmittag auf Nachfrage. Einer von ihnen ist Klaus Hägerbäumer. Er sei sehr froh, diese Impfung bekommen zu haben, erklärt er im Gespräch.

Für die Drittimpfung muss die zweite mindestens ein halbes Jahr zurückliegen. Aus diesem Grund mussten mehrere ältere Mitbürger am Donnerstag wieder nach Hause geschickt werden – zu kurz wäre sonst der Abstand zwischen den Impfungen gewesen.

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