Weidenhof-Kino in Plettenberg hofft auf Ausnahme: 

Für Kinoförderung 414 Bürger zu viel?

Plettenbergs Kinochefin Susanne Vohwinkel investierte erst im letzten Jahr in den neugestalteten Kinosaal 3, der mit einem Podest und neuen Sitzen ausgestattet worden ist. Weitere Verschönerungen seien denkbar, wenn der Zuschuss auch für eine Stadt mit 25 414 Einwohnern gelte.

Plettenberg – Kinobetreiber haben zuletzt mit sinkenden Besucherzahlen gekämpft. Manche haben auch noch andere Baustellen, wollen etwa das Foyer renovieren oder benötigen neue Technik. Die Politik plant nun Unterstützung – zumindest für eine bestimmte Gruppe. Kinos in kleineren Orten auf dem Land bekommen nach Plänen der großen Koalition noch in diesem Jahr Unterstützung vom Bund.

Die Kultur- und Haushaltspolitiker von Union und SPD und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) verständigten sich auf ein „Soforthilfeprogramm“ von fünf Millionen Euro. Damit sollen Kinos in Orten mit bis zu 25 000 Einwohnern bei Investitionen unterstützt werden – etwa für neue Kassentechnik, Projektoren und Lautsprecher, Programmarbeit oder Marketing. Pro Kino soll es bis zu 25 000 Euro Zuschuss geben, die Einrichtungen müssen mindestens 20 Prozent selbst beisteuern.

 Susanne Vohwinkel, Betreiberin des heimischen Weidenhof-Kinos, sieht den Vorstoß positiv: „Das ist doch mal eine schöne Absichtserklärung. Wenn es denn so käme, wäre das auch für uns eine attraktive Unterstützung, um unser Kino noch besser aufzustellen.“ Dabei fallen Vohwinkel gleich einige Projekte ein: „Wir könnten dann zum Beispiel unsere beiden ältesten Projektoren – Computer gelten heute ja nach sechs Jahren schon als uralt – durch die nächste Generation ersetzen. Oder die Kinotoiletten verschönern.“

 Bedauerlich sei allerdings, dass man die großen Investitionen in die Attraktivierung des Kinos bereits im vergangenen Jahr getätigt habe. Dabei investierte man in eine neue Bestuhlung in Kino 3 und 4 und eine Vip-Lounge in Kino 1. „Aber vermutlich können wir die Zuschüsse ohnehin nicht beantragen, weil Plettenberg fast 500 Einwohner mehr hat als die geforderten 25 000“, befürchtet Vohwinkel. Mit Stand von Dezember 2017 gibt es 25 414 Plettenberger.

 Der Hauptverband der deutschen Filmtheater befürwortet das Programm laut Vorstandschef Thomas Negele. „Es müssen aber auch andere Kriterien als lediglich die Ortsgröße angelegt werden“, erklärte Negele und dürfte der Plettenberger Betreiber-Familie damit aus dem Herzen sprechen. Aus Sicht der Verbands sollten also auch Kinos in größeren Städten profitieren. Der HDF vertritt als einer der Verbände in Deutschland rund 600 Betreiber von kommerziellen Kinos. 

Die Branche hatte zuletzt mit sinkenden Besucherzahlen zu kämpfen. Nach Daten der Filmförderungsanstalt (FFA) wurden im vergangenen Jahr noch rund 105,4 Millionen Kinogänger gezählt. Damit wurden 13,9 Prozent weniger Tickets als im Jahr zuvor verkauft. In rund 900 Städten und Gemeinden gab es mindestens ein eigenes Kino. Rund 1 170 Unternehmen betrieben rund 1 700 Spielstätten. Rein rechnerisch könnten 200 Kinos auf dem Land von dem Förderprogramm profitieren, wenn jedes davon die Höchstsumme ausschöpfen würde. Die fünf Millionen Euro stammen den Angaben zufolge aus einem Programm des Bundesagrarministeriums. Anträge der Kinos sollen in der Reihenfolge des Eingangs bearbeitet werden. Gestellt werden können sie bei der Filmförderungsanstalt – die Details sind noch unklar.

 Auf Anfrage unserer Zeitung im Bundeskanzleramt teilte Sven Lindner folgendes mit: „Antragsberechtigt werden Kinos sein in Orten mit bis zu 25 000 Einwohnern. Abgewickelt wird das Soforthilfeprogramm durch die FFA. Der Start des Programms soll noch vor der parlamentarischen Sommerpause erfolgen.“ Ob es für Städte wie Plettenberg mit etwas mehr als 25 000 Einwohnern Ausnahmebedingungen gebe, konnte Lindner derzeit nicht beantworten.

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