Arsenal auf dem Dachboden

„Sie hätten einen Krieg anfangen können“: Mann wegen Großvaters Waffensammlung vor Gericht

Doppelflinte Symbolbild
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Unter anderem eine Doppelflinte hatte der Großvater des Plettenbergers auf dem Dachboden gebunkert. (Symbolbild)

Die stattliche Waffensammlung eines verstorbenen Großvaters hat das Amtsgericht Altena beschäftigt. Auf der Anklagebank saß sein Enkel, dem Verstöße gegen das Waffengesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen wurden.

Plettenberg/Altena – Bei der umfassenden Kernsanierung und Renovierung eines geerbten ländlichen Anwesens in Plettenberg hatte der Plettenberger auf dem Dachboden des Großvaters die Hinterlassenschaften entdeckt. Die Anklage der Staatsanwaltschaft listete unter anderem ein Repetiergewehr mit Schalldämpfer, ein halbautomatisches Selbstladegewehr, eine Maschinenpistole und eine „Hahn Doppelflinte“ auf. „Ein faszinierendes Objekt der Begierde für Kenner feiner Waffen und Jäger“, heißt es auf einer Internet-Seite für Waffennarren. Die Ermittler fanden darüber hinaus weitere Gewehre und diverse Revolver sowie etwa 200 Patronen.

Waffen wandern in den Kleiderschrank

„Ich fand das interessant“, deutete der 37-jährige Angeklagte an, warum er den Fund nicht pflichtgemäß bei der Polizei meldete. Aus dem Interesse wurde eine länger andauernde Beschäftigung mit der brisanten Materie, die dazu führte, dass die Waffen nicht auf dem Dachboden verblieben, sondern ihren Weg bis in den Kleiderschrank des Angeklagten fanden.

„Er hat sich damit beschäftigt“, begründete Verteidiger Andreas Trode den Umstand, dass die Waffen nicht auf dem Dachboden geblieben waren und sich offenbar nach und nach im Haus verteilt hatten. Der Angeklagte bestätigte aber die Vermutung von Richter Dirk Reckschmidt, dass weder seine Frau, noch seine Kinder „Kenntnis von den Waffen im Kleiderschrank hatten“.

Seine Beschäftigung mit den Waffen hatte auch nicht dazu geführt, dass er ihrer Funktionsweise und Wirkung entscheidend näher gekommen wäre: Auf Nachfrage der Staatsanwältin, ob man mit den Waffen „Schaden anrichten“ konnte, zeigte er sich auf glaubwürdige Weise ratlos: „Ob die funktionstüchtig waren, weiß ich nicht.“ Richter Dirk Reckschmidt fasste das Ergebnis des waffentechnischen Gutachtens kurz und bündig zusammen: „Es war keine Deko. Das waren schon scharfe Waffen.“

Neben Großvaters Waffensammlung fand die Polizei bei der Hausdurchsuchung auch sogenannte „Polenböller“, die der Angeklagte selbst angeschafft hatte. Diese Anklage wegen eines Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz verblasste jedoch vor dem Hintergrund der weiteren Vorwürfe. Das Schöffengericht stellte das Polenböller-Strafverfahren deshalb ein.

Alle Prozessbeteiligten waren sich einig, dass die sonstigen Versäumnisse des nicht vorbestraften Angeklagten als minderschwerer Fall einzustufen seien. Verteidiger Andreas Trode vermutete eine gewisse Normalität des Vorhandenseins von Waffen „auf Höfen“.

Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 15 Euro – insgesamt also 2250 Euro. Richter Dirk Reckschmidt führte dem Plettenberger noch einmal die Alternative vor Augen: „Sie hätten die Polizei rufen können.“ Er blickte auch noch einmal auf das imposante Waffenlager: „Damit hätten Sie einen Krieg anfangen können.“ 

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