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Mitten in der Auffrischung: Seniorenheime spritzen den Booster

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Von: Johannes Opfermann

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Booster-Impfungen in den Plettenberger Seniorenheimen
In den Seniorenheimen möchten die Bewohner eine Booster-Impfung. Bei den meisten ist seit der ersten und zweiten Impfdosis – hier ein Bild vom Start der Impfkampagne im Februar im Altenzentrum St. Josef – ein halbes Jahr vergangen. © Archiv

Die Corona-Fallzahlen sind hoch, gleichzeitig ist die Diskussion darüber, für welche Gruppen und ab wann eine Booster-Impfung empfohlen wird, in vollem Gange. In den Plettenberger Senioreneinrichtungen wird schon geimpft. Wir haben nachgefragt, wie weit sie mit den Auffrischungsimpfungen dort bereits sind.

Plettenberg - „Wir haben mittlerweile mit den Booster-Impfungen angefangen“, sagt Marian Knoche, Einrichtungsleiter im Radprax-Seniorenzentrum. „Eigentlich wollten sich die Einrichtungen aufteilen, sodass ein Arzt eine ganze Einrichtung durchimpft“, erinnert er sich. Doch die Planungen hätten sich noch einmal geändert. Nun impfen die Plettenberger Hausärzte ihre jeweiligen Patienten in den Pflegeheimen. „Es war erst etwas schwierig mit der Terminfindung, aber es klappt eigentlich ganz gut“, berichtet Knoche.

Booster kombiniert mit Grippeimpfung

Eine stationsweise Impfung, wie sie vor einigen Monaten noch im Gespräch war, wäre schön gewesen, sagt auch Melanie Aderhold, Einrichtungsleitung im Matthias-Claudius-Haus. Aber auch so funktioniere die Booster-Impfung ganz gut, die von den Pflegeheimen im Vorfeld organisatorisch vorbereitet wurde.

„Wir sind noch nicht durch“, sagt Aderhold. Gut ein Viertel der 69 Bewohner habe die Auffrischungsimpfung gegen Covid-19 bereits erhalten, manche auch kombiniert mit einer Grippeimpfung. Andere Bewohner seien zunächst gegen die Grippe geimpft worden und sollen die dritte Impfdosis noch erhalten. Bei einigen, die erst später ihre erste und zweite Impfdosis bekommen haben, kommt die Auffrischung erst später in Frage, wenn sechs Monate seit der zweiten Impfung oder einer Genesung von einer Covid19-Infektion vergangen sind.

So ist es auch in den anderen Plettenberger Senioreneinrichtungen, in denen die Booster-Impfungen ebenfalls in Kombination mit Grippeschutzimpfungen durchgeführt werden.

„Das läuft“, berichtet Corinna Flüs, Pflegedienstleiterin im Altenzentrum St. Josef. Eigentlich alle der insgesamt 115 Bewohner ließen sich auch ein drittes Mal impfen. „Knapp ein Drittel hat die Impfung schon.“

Im Radprax-Seniorenzentrum wollten ebenfalls alle der 48 vollstationär betreuten Bewohner eine Auffrischungsimpfung bekommen. „Einige fragen auch selbstständig danach“, sagt Marian Knoche. „Zwischen einem Drittel und der Hälfte der Bewohner hat schon ein Impfangebot erhalten.“ Man hoffe, dass bis Ende nächster Woche jeder geimpft werden kann.

Entwicklung bereitet Sorgen

„Wir sind froh, wenn wir mit den Impfungen wieder durch sind und alle die Auffrischung bekommen haben“; sagt Knoche, denn die Corona-Entwicklung bereite schon etwas Sorge, vor allem, dass sich immer wieder auch vollständig geimpfte Personen infizieren. Die vergangenen Monate seien allerdings verhältnismäßig ruhig gewesen, nur vereinzelt hätten noch Mitarbeiter in Quarantäne gemusst. „Wir hoffen, dass es so bleibt.“

Auch Melanie Aderhold vom Matthias-Claudius-Haus und Corinna Flüs vom Altenzentrum St. Josef blicken mit Sorge auf die Entwicklung der Infektionszahlen und die Tatsache, dass inzwischen nicht mehr überall Masken getragen werden.

„Ich hoffe, dass dieser Sturm an uns vorüber geht“, sagt Flüs. Mit den entsprechenden Schutzmaßnahmen versucht man das Risiko einer Ansteckung zu minimieren. „Bei bewohnernahen Tätigkeiten wird von den Mitarbeitern weiter eine FFP2-Maske getragen“, gibt Flüs ein Beispiel. Auch Aderhold hält es für sinnvoll, dass das Personal im Haus weiterhin FFP2-Masken trage.

Forderung nach Testpflicht

Angesprochen auf die Forderung des Sozialverbands VdK nach einer Testpflicht für Mitarbeiter und Besucher in Pflegeheimen – und zwar unabhängig vom Impfstatus – betont Aderhold, dass im Matthias-Claudius-Haus auch weiterhin regelmäßig Schnelltests bei den Mitarbeitern durchgeführt werden. „Bei den Ungeimpften haben wir einen strengeren Rhythmus, aber auch für die Geimpften haben wir ein Angebot, das auch gut angenommen werde.“ Von vollimmunisierten Besuchern werde aktuell kein Test verlangt, so Aderhold, aber auch sie könnten beim Besuch auf wunsch ein Testangebot in Anspruch nehmen.

Knoche würde eine Testpflicht unabhängig vom Impfstatus – wie vom VdK gefordert – grundsätzlich begrüßen. „Das wäre eine zusätzliche Absicherung“, sagt er. Doch es würde auch einen großen Aufwand bedeuten und die Frage sei, wer für diese Tests sorgen würde.

Aktuell bietet das Radprax-Seniorenzentrum weiter Tests auch für die vollständig geimpften Mitarbeiter an, auf freiwilliger Basis. Dies werde auch genutzt, denn jeder spüre in dieser Hinsicht eine gewisse Verantwortung.

Auch im St. Josef würden Mitarbeiter, die nicht geimpft sind, regelmäßig getestet, und auch geimpfte Mitarbeiter und die Bewohner könnten sich testen lassen. „Das Testangebot besteht immer.“ Der Forderung nach einer Testpflicht unabhängig vom Impfstatus steht sie positiv gegenüber. „Ich wäre da eine Befürworterin“, sagt Flüs, dies sei aber nur ihre persönliche Meinung. „Es wäre noch einmal ein erheblicher Aufwand, würde aber ein Stückchen mehr Sicherheit geben.“

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