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Tipps für Senioren: Clever Haushalten in Zeiten der Krise

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Von: Hartmut Damschen

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Clever haushalten: Besucher bedanken sich mit viel Applaus in Plettenberg
Die Besucher im Plettenberger Ratssaal bedankten sich mit reichlich Applaus für eine Fülle an Informationen. © Hartmut Damschen

Auf Einladung der Seniorenvertretung Plettenberg um ihre Vorsitzende Dörte Kaul-Hentschel hatten Akteure des Bundesverbandes „Die Verbraucher Initiative e.V.“ am Mittwoch in Plettenberg Station gemacht. Speziell für die „Generation 60plus“ sind in diesen Tagen die Referenten unterwegs, um an sie wichtige und geldsparende Informationen weiterzugeben.

Plettenberg – Bürgermeister Ulrich Schulte berichtete in seinem Grußwort von den vielen Einmachgläsern in den langen Regalreihen bei den Großeltern. Vieles aus dem eigenen Garten landete dort als Vorrat. Genauso wie das, was gerade günstig angeboten und sogleich in Mengen eingekauft wurde.

Schulte erinnerte sich genau daran, dass damals strikt nach einer Einkaufsliste eingekauft wurde. Die Kinder heute würden im Überfluss groß und reiben sich nun erstaunt die Augen, dass Regale beim Discounter leer stehen. „Man merkt plötzlich, was alles von Mars kommt.“ Mars hätte die Preise für ihre Artikel dermaßen angehoben, dass sie für die Discounter unakzeptabel sind. Also werde nicht bestellt, nicht geliefert und die Regale bleiben leer.

„An den steigenden Preisen können wir nichts ändern, doch wir können Tipps austauschen, durch die wir besser mit ihnen umgehen“, verkündete Georg Abel, Bundesgeschäftsführer vom Bundesverband „Die Verbraucher Initiative“ in seiner Einführung zum Thema „Herausforderung Haushaltsmanagement“. Unter dem Titel „Clever haushalten“ gab es dann in den Vorträgen aber auch reichlich von den Tipps für die über 60 Besucher.

Von diesen Tipps und Tricks waren einige bekannt und wurden wohl auch angewandt, doch auch ein Wiederholen macht an der einen oder anderen Stelle vielleicht noch einmal bewusst, auf was man achten sollte.

Andreas Vollmert von der Verbraucher Initiative leitete als Moderator der Veranstaltung auf das erste Thema über: „Lebensmittel – Tipps und Tricks zum Umgang mit steigenden Preisen“, von Alexandra Borchard-Becker, Diplom-Oecotrophologin bei der Verbraucher-Initiative. Sie widmeten sie verschiedenen Unterthemen.

Clever planen

Vorräte prüfen, daraus einen Speiseplan für die Woche erstellen, was wird dafür noch benötigt? Vegetarische Mahlzeiten einplanen und nur ein- bis zweimal in der Woche einkaufen. Wer öfter einkauft, kauft häufig mehr, als er wollte. Und selbst machen spart Geld. Pizzen, Brot und Brötchen selbst backen mache Spaß, sei lecker und koste bis zur Hälfte weniger.

Leitungswasser komme aus dem Kran und sei ein in Deutschland sauberes, ständig geprüftes und verfügbares Lebensmittel. Ein Liter Leitungswasser koste nur 0,4 Cent – ein Liter Marken-Mineralwasser hingegen 60 Cent. Bei dem Verbrauch einer Person von einem Liter pro Tag ergeben sich für das Jahr Kosten an Leitungswasser 1,44 Euro und an Marken-Mineralwasser 216 Euro.

Mindestens zwei Liter sollte ein Mensch pro Tag trinken. Was das für einen Mehrpersonen-Haushalt bedeutet? Jede Menge Einsparungen. Und gerade für Senioren wichtig: Das Schleppen von Kästen mit Wasserflaschen entfalle dabei.

Sicher seien Abstufungen durch gesprudeltes Wasser (zwölf Cent für einen Liter) und Eigenmarken-Mineralwasser (13 Cent pro Liter) rechenbar. Es sei auch einen Versuch wert, Leitungswasser mit Minzblättern oder Zitronenscheiben zu veredeln oder einfach als Kräuter- oder Früchtetees zuzubereiten.

Clever einkaufen

Genaue Einkaufsliste in der Reihenfolge schreiben, in der die Produkte im Laden unter Beachtung der Sonderangebote zu finden sind. Überschlägig die Summe für maximale Ausgaben errechnen. Eigenmarken sparen etwa 50 Prozent, betonte die Expertin. Wichtig sei es, sich strikt an die Einkaufsliste zu halten.

Im Supermarkt vor dem Regal empfehle sich ein Blick nach oben oder nach unten. Denn die günstigeren Dinge stehen im Regal nie in Augenhöhe. Zudem stehen die teureren Angebote meistens rechts, weil wir dort mit dem Aussuchen enden.

Nur das kaufen, was auch verbraucht wird, Grundpreise vergleichen, zügiges Einkaufen (weniger Spontankäufe), Einkäufe kurz vor Schließung des Geschäftes (ebenfalls weniger Spontankäufe) und lieber einen kleinen Einkaufswagen oder einen Einkaufskorb nehmen – so lauteten weitere Experten-Tipps.

Clever nutzen

Wer seine Mahlzeiten und die Einkäufe genau plant und auch umsetzt, werfe eigentlich nichts weg. Daher gelte: Nur das kaufen, was ge- und verbraucht wird, Lebensmittel sachgerecht lagern und Vorräte regelmäßig prüfen.

Reste von Mahlzeiten und Vorräten sollten rechtzeitig verwertet werden. Wer so vorgeht, wird statistisch je Familienmitglied 84 Euro im Jahr sparen.

Außerdem gehe Bequemlichkeit ins Geld. Daher sollte ein Frühstück oder ein Imbiss stets daheim zubereitet werden, das sei kostengünstiger zu Hause.

Die Akteure beim Plettenberger Seniorenforum
Die Akteure beim Seniorenforum waren (von links): Martin Hallbrügge, Georg Abel, Alexandra Borchard-Becker, Dörte Kaul-Hentschel und Andreas Vollmert. © Hartmut Damschen

Clevere Alternativen

Idealerweise sollten die Bürger selbst Gemüse und Obst anbauen – im eigenen Garten, auf dem Balkon oder der Terrasse. Die Kosten für einen Mietacker (40 bis 45 Quadratmeter) betragen etwa 230 Euro pro Saison – der Ertrag reiche bei einer vierköpfigen Familie bei Gemüse bis zu einem Wert von etwa 600 Euro.

Zudem riet die Expertin dazu, die App „too good to go” zu nutzen, über die man überschüssige Lebensmittel oder Menüs von Geschäften oder Restaurants in der Nähe zu günstigen Preisen angeboten bekomme. Ohnehin sei es empfehlenswert, Einkaufsgemeinschaften in der Nähe zum günstigeren Einkauf zu nutzen.

Martin Halbbrügge, Diplom-Ing. von der Verbraucherzentrale NRW, hatte sich des Themas „Energiesparen im Alltag“ angenommen. Auch da ist jede Menge Potential enthalten, um seine Euros nicht zum Fenster hinauszuwerfen.

Was nicht an elektrischen Geräten gebraucht wird, sollte konsequent ausgeschaltet werden, wobei ein Standby vermieden werden soll. Unterhaltungs- und Kommunikationstechnik mache mittlerweile den höchsten Stromverbrauch im Haushalt aus.

Stromdiebe sollten entlarvt werden. Tipp: Alles, was warm wird, verbrät Strom. Verbrauchs-Messgeräte in die Zuleitung geschaltet zeigen die Werte der Geräte an.

Sparprogramme bei Haushaltsgeräten nutzen, auch, wenn es länger dauere. Vor diesem Hintergrund sollten die EU-Energielabels beim Kauf neuer Geräte beachtet werden.

Clever wirtschaften

Alexandra Borchard-Becker hielt noch ein Thema bereit: Clever wirtschaften. Als Grundlage diene ein Haushaltsbuch, in das alle monatlichen Einnahmen, feste Ausgaben und variable Werte wie Einkäufe eingetragen werden. Das helfe, die Finanzen im Blick und Griff zu haben und zu halten. Reserven können aufgebaut werden und es kann im Notfall schnell reagiert werden.

Schuldnerberatungsstellen gibt es auch in Plettenberg. So wies Christiane Wilk vom Sozialamt der Stadt Plettenberg darauf hin, dass die Awo (Arbeiterwohlfahrt) eine solche Stelle in Plettenberg unterhält. Den Abschluss fanden alle Teilnehmer bei einer Suppe von Marianne Verbeke in der Cafeteria des Rathauses.

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