Kampf dem Rostfraß

Seltene Baumaßnahme: Warum an der Esso-Tankstelle gebaggert wurde

Am Dienstag wurden die ausgehobenen Gräben an der Esso-Tankstelle Schachta in Plettenberg wieder verfüllt.
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Am Dienstag wurden die ausgehobenen Gräben an der Esso-Tankstelle Schachta in Plettenberg wieder verfüllt.

Bagger und ein Loch in der Erde sorgten in den letzten Tagen an der Esso-Tankstelle Schachta an der Bahnhofstraße für neugierige Blicke. Es handelte sich dabei um eine seltene Baumaßnahme.

Plettenberg - Seit 1963 hat die Esso-Tankstelle Schachta ihren Standort an der Bahnhofstraße – an jener Stelle, die damals noch den Namen „Auf dem Kamp“ trug. Seit 1987, als Andreas Schachta den Betrieb von seinem Vater Fritz übernahm, dürfte es erst das zweite oder dritte Mal sein, dass ein Teil des Tankstellengeländes für eine seltene Baumaßnahme abgesperrt werden musste.

Zwei direkt von der Echo-Tankstellen GmbH, welche die mehr als 1000 Esso-Tankstellen in Deutschland betreibt, beauftragte Mitarbeiter aus Magdeburg und Berlin sind seit einigen Tagen damit beschäftigt, den Korrosionsschutz für die Kraftstofftanks zu erneuern. Unterhalb des Pflasters vor dem Gebäudeteil, in dem sich der Reifen-Technikservice befindet, sind fünf Tanks im Boden eingelassen. Vier fassen 20.000 Liter Kraftstoff, einer 16.000 Liter, so dass in Summe dort 96.000 Liter Kraftstoff in den verschiedenen Ausprägungen gelagert werden können. Von dort aus gelangt der „Sprit“ zu den Zapfsäulen – immer an die richtige. „Ich bin stolz darauf, dass seit 1963 hier noch nie jemand den falschen Kraftstoff bekommen hat“, sagt Andreas Schachta.

Damit die Tanks im Boden, wo sie in 1,50 Meter Tiefe auch Feuchtigkeit ausgesetzt sind, nicht korrodieren und möglicherweise durchrosten, werden sie mit einem kathodischen Korrosionsschutz versehen. Sogenannte Opferanoden werden an den Tanks angebracht. Dabei handelte es sich um Elektroden aus einem unedlen Stück Metall, beispielsweise Zink oder Magnesium, die mit dem zu schützenden Metall, also dem Kraftstofftank, metall-leitend verbunden werden.

Der komplizierte elektro-chemische Prozess, der danach eingeleitet wird, sorgt dafür, dass nur die Anoden korrodieren, also geopfert werden, und der Tank vor Rost geschützt bleibt – jedenfalls so lange, bis die Anoden verbraucht sind. Und dies ist erst nach etwa 30 Jahren der Fall. In regelmäßigen Abständen werden die Anlagen vom Tüv geprüft, im Fall der Tankstelle Schachta waren bei der jüngsten Prüfung von zehn Anoden noch drei intakt. Zeit also, den vollständigen Schutz der Kraftstoffbehälter wieder herzustellen und die Anoden zu erneuern.

Wäre der Schutzmechanismus komplett hinüber gewesen, und es zu Rostfraß an den Tanks gekommen, hätte ein Warnsystem reagiert. „Und man hätte es auch beim Ausbaggern des Bodens gerochen“, weiß der Esso-Mitarbeiter aus Magdeburg, der am Dienstag mit seinem Kollegen damit beschäftigt war, die ausgehobenen Gräben wieder zu verfüllen und die Arbeiten in Plettenberg zu beenden. Die nächste Station des Duos wird eine Tankstelle in Jülich sein.

Und Tankstellenpächter Andreas Schachta ist froh, nicht befürchten zu müssen, dass seine Tanks durchrosten. Er hat jetzt Ruhe – für die nächsten 30 Jahre...

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