Krankenhaus erhält zum zweiten Mal die Auszeichnung „selbshilfefreundliches Krankenhaus“

Selbsthilfegruppen: großer Einfluss auf Genesung

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Mitglieder unterschiedlicher Plettenberger Selbshilfegruppen nahmen jetzt zusammen mit dem Selbsthilfegruppenbeauftragten Detlef Badekow (vorne) die zweite Urkunde für ein „selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ entgegen.

Plettenberg - Die Freude ist noch immer groß: Die Selbsthilfegruppen, die im Krankenhaus aktiv sind, konnten bereits zum zweiten Mal die Urkunde „selbshilfefreundliches Krankenhaus“ vom Netzwerk für Selbsthilfefreundlichkeit entgegennehmen.

Das ist ein Beweis dafür, dass die Mitglieder gute Ansprechpartner für alle Betroffenen und wichtig für die Genesung des Patienten sind.

Eine solch umfangreiche Auswahl an Selbsthilfegruppen wie in Plettenberg sei hier in der Gegend nicht gewöhnlich, erklärte Detlef Badekow, Selbsthilfegruppenbeauftragter des Krankenhauses. Das konnte auch Andreas Teschner von der Selbsthilfekontakstelle des Märkischen Kreises (Der Paritätische) bestätigen – „Das ist einmalig, in anderen Städten gibt es eher weniger Gruppen“, sagte er. Ziel sei in Plettenberg nach wie vor, etwas zum Wohle der Bevölkerung zu leisten.

Begonnen hat alles 2014. „Ich habe überlegt, wie wir alle Selbsthilfegruppen an einen Tisch bekommen könnten“, sagt Anette Dunker, die letztlich alle Beteiligten zusammenbrachte. Dann sei die Idee der Zertifizierung geboren worden, um eine professionelle Grundlage zu haben, erklärt Dunker – 2015 gab es die erste Auszeichnung. Um eine solche Auszeichnung zu erhalten, muss ein Krankenhaus verschiedene Kriterien erfüllen.

Dazu gehören neben mehreren Treffen in einem Jahr und einem speziellen Büro auch verschiedene Aktionen. Für diese und weitere Aufgaben ist im Krankenhaus ein Selbsthilfebeauftragter ernannt worden, der sich in regelmäßigen Abständen im Rahmen von Qualitätszirkeln mit allen Selbsthilfegruppen des Krankenhauses trifft und Qualitätskriterien bearbeitet. Diese gibt der Kriterienkatalog des Netzwerks vor.

Unter anderem hat es so zum Beispiel im November die „Woche der Selbsthilfe“ gegeben, bei der im Eingangsbereich des heimischen Krankenhauses auf der Bracht Flyer der Gruppen verteilt wurden. „Das war teilweise ein Erfolg und teilweise nicht“, sagt Badekow. „An der Stelle merkt man, dass Plettenberg ein kleines Dorf ist und sich viele nicht trauen, sich öffentlich mit dem Thema auseinanderzusetzten“, erklärt er – viele hätten Angst, dass die Mitbürger etwas über die eigene Erkrankung oder Probleme erfahren würden.

Dabei seien diese Gruppen wichtig: „Es entsteht ein reger Austausch und die Gruppen haben einen wesentlichen Einfluss auf die Genesung“, sagt Badekow. Denn die Helfer seien oft selbst Betroffene gewesen oder hätten zumindest Erfahrungen im Umgang mit der jeweiligen Erkrankung. „Ein Patient ist durchschnittlich sechseinhalb Tage bei uns im Krankenhaus“, erklärt Geschäftsführerin Barbara Teichmann. Danach beginne oftmals erst die Heilung – gerade bei schweren Krankheiten dauere der Prozess lange.

Betroffene oder Interessierte sollten nicht zögern, sich über eine Gruppe Hilfe zu suchen und könnten sich gerne beim Krankenhaus (Homepage: krankenhaus-plettenberg.net) oder bei der Selbsthilfekontaktstelle des Kreises (selbsthilfe-mk.de) melden. Über das Krankenhaus seien die Gruppen inzwischen alle miteinander verbunden. Überschnitten sich Krankheitsbilder, könnten zum Beispiel zwei Gruppen besucht werden.

Die älteste Selbsthilfegruppe vort Ort ist übrigens der Verein für Sehbehinderte und Blinde in Westfalen mit stolzen 67 Jahren. Folgende Gruppen sind im Krankenhaus aktiv: Diabetes Selbsthilfe, Lymphselbsthilfe e.V. (Gruppe Lymphies Plettenberg), COPD Selbsthilfegruppe, Osteoporose Selbsthilfegruppe, Anonyme Alkoholiker, Parkinson Selbsthilfegruppe, Crohn Colitis Selbsthilfegruppe, PSC Herzsport, Frauenselbsthilfe nach Krebs (“Die Familie”), Frauenselbsthilfe nach Krebs (Gruppe Plettenberg), Adipositas Selbsthilfegruppe, Kontaktstelle des Märkischen Kreises (Der Paritätische). J jw

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