Fragen an die Plettenberger Kommunalpolitik

Wie sehen Sie den Verkehr der Zukunft in Plettenberg?

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Sechs Fragen stellte das ST den an der Kommunalwahl teilnehmenden Parteien beziehungsweise der Wählergemeinschaft. Die zweite Frage befasste sich mit dem Verkehr der Zukunft in Plettenberg.

SPD: „Radwege, ÖPNV-Stärkung, Barrierefreiheit“

In der Zukunft muss der Wandel der Mobilität aktiv begleitet werden. Er ist nicht nur in unseren Industriebetrieben spürbar, die Teile für die Automobilindustrie produzieren. Immer mehr Plettenberger bewegen sich ohne Auto fort.

Es wird wichtig sein, allen Verkehrsteilnehmern – unabhängig von ihrem Fortbewegungsmittel – gleichermaßen ein sicheres und bequemes Fortbewegen zu ermöglichen. Dabei setzen wir auch darauf, die unterschiedlichen Modelle nicht gegeneinander auszuspielen. Wir müssen an gemeinsamen Lösungen arbeiten, die von möglichst allen in Plettenberg akzeptiert werden. Die Sanierung der Straßen muss schrittweise fortgeführt werden – hier gibt es noch zahlreiche Beispiele für einen dringenden Handlungsbedarf. 

Künftige Straßenbaumaßnahmen sollen aber auch so geplant werden, dass an Radwege oder zumindest Schutzstreifen für Radfahrer gedacht wird. Das vorhandene Gehwegenetz muss ertüchtigt, überdacht und gegebenenfalls erweitert werden. Dazu gehört es auch, bei Umbaumaßnahmen an ein behindertengerechtes, barrierearmes Überqueren der Straßen zu denken. Der ÖPNV muss gestärkt werden. 

Wir wollen gleichwertige Lebensbedingungen, egal wo die Menschen wohnen. Daher wird ein Ausbau der Taktung und der Angebotsstruktur unausweichlich sein. Hier leistet der Bürgerbusverein schon eine großartige Unterstützung, die wir weiter fördern werden. Aber auch die überregionale Zuganbindung ins Ruhrgebiet und Siegerland wollen wir durch einen dichteren Fahrplantakt verbessern.

CDU: „Große Zeit des Straßenbaus abgeschlossen“

Verkehr ist für uns alles, was der Fortbewegung dient – zu Fuß, mit Rad, Auto und den „Öffis“, also Bus und Bahn. Unideologisch sehen wir die große Zeit des Straßenbaus als abgeschlossen an. Bis auf den Bau der Elsetal-Entlastungsstraße und die Verbesserung der L 561 als Zubringer zur A 45 geht es um den Substanzerhalt unserer Straßen, dabei auch um die gerechte Teilung der Fläche zum Beispiel mit Radfahrern. 

Wir setzen uns konsequent für den Ausbau unseres Radwegenetzes ein, das umweltfreundliche Mobilität und ein touristisches Angebot höchster Qualität darstellt. Der überörtliche Radverkehr auf der Lenneroute von der Quelle bis zur Mündung muss endlich durch Lückenschlüsse Wirklichkeit werden – gepaart mit einem durchgehenden Serviceangebot von Restaurants bis Radwerkstatt, von Unterkünften bis Unterhaltungsangebot für Touristen. 

Im öffentlichen Verkehr arbeiten wir an einer weiteren Aufwertung der bereits jetzt im Nahverkehr gut bedienten Ruhr-Sieg-Strecke. Diese wollen wir zu einer Land-S-Bahn mit dichterem Fahrplantakt fast rund um die Uhr in einem Ziel-Fächer mit Essen, Bochum, Dortmund, Iserlohn im Norden und Altena, Werdohl, Plettenberg, Finnentrop usw. bis Siegen im Süden entwickeln. Dazu soll ein Regio-Intercity die Orte des Lennetals mit Dortmund/Hagen und Siegen/Gießen/Frankfurt-Airport umsteigefrei verbinden. Mit der MVG wollen wir die Feinverteilung der Fahrgäste im Stadtgebiet und ein attraktives Schnellbusnetz, ausgerichtet auf Herscheid und Lüdenscheid, verwirklichen.

FDP: „Plettenberg wird keine Fahrradstadt wie Münster“

Plettenberg ist eine Kleinstadt im ländlichen Raum, demnach lassen sich die Vorstellungen hin zu einer großen Anzahl an E-Autos nicht anwenden. Der Verbrennungsmotor wird im ländlichen Raum auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen. 

Gleichwohl wird es in Plettenberg zukünftig eine größere Anzahl an E-Autos geben, für die eine entsprechende Ladeinfrastruktur vorgehalten werden muss. Das gilt in ähnlicher Weise auch für den Fahrradverkehr. Plettenberg wird unseres Erachtens keine Fahrradstadt wie beispielsweise Münster werden. 

Trotzdem wird die Anzahl der Radfahrenden, insbesondere mit E-Bikes, zunehmen. Auch hier müssen Unterstell- und Lademöglichkeiten geschaffen werden – so wie es die FDP bereits für das Bahnhofsumfeld in Eiringhausen und die Innenstadt beantragt hat. 

Das Verkehrswegenetz muss dieser Entwicklung in besonderer Weise gerecht und dementsprechend geplant werden. Wichtige Bausteine sind hierbei der Bau der Elsetalentlastungsstraße, ein zentraler Logistikplatz und die Lückenschlüsse im Radwegenetz (zum Beispiel B236/Teindeln oder die Anbindung Kückelheim-Oestertalsperre). 

Darüber hinaus sind die Straßen im Stadtgebiet in einem brauchbaren und akzeptablen Zustand zu halten beziehungsweise zu versetzen. Marode Straßenabschnitte wie beispielsweise die Ebbetalstraße zwischen Kückelheim und Himmelmert sind nicht zumutbar. Der ÖPNV in Plettenberg weist noch Schwachstellen auf, insbesondere in den entlegeneren Ortsteilen. Hier müssen Möglichkeiten für eine entsprechende Versorgung gesucht werden, zum Beispiel durch den verstärkten Einsatz von ALF-Fahrzeugen.

PWG: „E-Mobilität begleiten und weiter ausbauen“

Die Frage von Mobilität in der Zukunft hat viele Facetten und wird sich auch in Plettenberg nach und nach deutlich zeigen. Hier ist ein Umdenken und auch ein verändertes Handeln angesagt. Allerdings ist noch nicht klar, wohin die Reise endgültig geht und ob die Veränderungen auch aufgrund des Klimawandels eins zu eins hier ihre Umsetzung finden. 

Ladestationen für E-Mobilität sind sicher an markanten Plätzen unserer Stadt und in den Außenbezirken aufzubauen. Denn E-Mobilität wird sicher deutlich wachsen. Dieser Bereich muss begleitet werden und möglicherweise auch auf andere Bereiche wie Akkutauschstation und so weiter ausgebaut werden. 

Fahrradfahren wird ein deutliches Plus erfahren und daher auch im Straßenverkehr eine größere Rolle spielen. Planungsverfahren für Radwege oder Radstreifen und auch ein verändertes Handeln muss hier selbstverständlich werden. E-Bikes werden hier sicher einen großen Anteil haben. Wir werden dies als PWG bei allen Neuplanungen kritisch und konstruktiv begleiten. Hier geht aus auch um Ladestationen und gute und sichere Parkmöglichkeiten im ganzen Stadtgebiet. 

Die Fragen von ÖPNV wird daher immer eine Frage bleiben und die Veränderungen im ländlichen Raum, zu dem wir in vielen Bereichen gehören, spielt da ebenfalls eine große Rolle. Da der ländliche Raum nicht abgehängt werden darf, müssen wir uns immer wieder dafür einsetzen, dass der ÖPNV hier nicht aus Kostengründen gänzlich verschwindet. Eine Ausdünnung muss immer sehr kritisch betrachtet und beantwortet werden.

Grüne: „Verstärkte Nutzung von Rad und ÖPNV“

Wir brauchen umweltfreundliche Mobilität und stellen uns dieser Verantwortung. Dafür werden wir uns für ein Mobilitätskonzept unter Mitwirkung von Initiativen, Verbänden und der Bürgerschaft stark machen.

 Ein Zubau von Straßen ist kritisch und in Bezug zum Flächenverbrauch nicht wünschenswert. Wir fordern bereits zu Beginn von Planungen eine umfassende öffentliche Information und Transparenz in den Entscheidungsprozessen. Ein wichtiger Faktor ist die verstärkte Nutzung der Bahn, auch für den Gütertransport. Ein IC-Halt in Plettenberg auf der Strecke Münster-Frankfurt muss angestrebt werden. 

Bei der geplanten Sanierung der Wallumgehung könnten Kreisverkehre in Richtung Lohmühle und Bahnhofstraße den Verkehrsfluss verbessern. Grundsätzlich setzen wir auf umweltfreundliche Kfz-Antriebe und verstärkte Nutzung von Fahrrad und ÖPNV, deshalb begrüßen wir den „Masterplan Radverkehrsnetz MK“. 

Es ist unglaublich, dass beim Neubau des Grafwegs kein Radweg vorgesehen wurde. Für Schulkinder muss es sichere (Rad)Wege zur Schule geben. Deshalb setzen wir uns für den Lückenschluss zwischen vorhandenen Radwegen ein. Bis dahin erfordert der aktuelle Zustand gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer*innen und in kritischen Bereichen zusätzlich Tempo 30, zum Beispiel am Grafweg, an der Lohmühle oder der Brachtstraße. Gemeinsam mit den Bürger*innen wollen wir neue Konzepte entwickeln und nicht bei „geht nicht, weil …“ aufhören, sondern genau dort ansetzen (Beispiel Herscheider Straße / Elsetal).

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