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Traditions-Gastronomie steht vor dem Aus: Es mangelt an Nachfolgern

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Von: Georg Dickopf

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Manfred Huß und Angelika Vieregge vor ihrer Holthauser Grillstube, die eine Institution im Elsetal ist und in der am Sonntag das Restaurant zum letzten Mal geöffnet hat.
Manfred Huß und Angelika Vieregge vor ihrer Holthauser Grillstube, die eine Institution im Elsetal war und am Silvestertag zum letzten Mal geöffnet hatte. © Dickopf

Wer in der Plettenberger Innenstadt ein herzhaftes Schnitzel in schönem Ambiente essen wollte, der konnte einst die Schlemmeria aufsuchen. Doch als deren Betreiberin nach der Real-Schließung aufgab, fand sich kein Nachfolger – und damals verstand man unter Corona nur ein schmackhaftes Bier und keine Pandemie oder einen Virus.

Plettenberg - Heute haben die Gastronomen mit der seit Donnerstag geltenden 2 G-Plus-Regelung zu kämpfen. Wer also heute ein Schnitzel essen oder einen Kaffee trinken will, der muss entweder geboostert sein oder einen tagesaktuellen Schnelltest vorlegen.

Dass Sabine Gregory die Gaststätte Käsebrink in Landemert aufgab, hatte mit Corona nicht direkt zu tun, denn ihr Mann Karl-Ernst „Kalle“ Gregory verstarb überraschend am 4. Januar 2021 an der Folgen eines Schlaganfalls mit nur 56 Jahren.

Sie wollte das beliebte Gasthaus Käsebrink ohne ihren Mann und Chef zwar weiterführen, aber Versuche, das Restaurant mit Kaminzimmer, Biergarten, Saal und zwei Kegelbahnen an Angestellte weiterzugeben, scheiterten. Deshalb steht der rund 2 800 Quadratmeter große Gesamtkomplex seit einiger Zeit für rund eine halbe Millionen Euro zum Verkauf. „Es gab zwar einige Interessenten, aber denen fehlt der finanzielle Rückhalt“, sagt Sabine Gregory, die mittlerweile im Plettenberger Rathaus arbeitet. Den Komplex in der ohnehin schwierigen Corona-Pandemie als Restaurant verkauft zu bekommen sei schwer, deshalb erwäge sie auch, die fast 300 Quadratmeter große Gastronomiefläche mittelfristig in Wohnungen umzubauen.

Vor dem Abschied steht auch „Mecki“ Brinker, der den Hubertushof in Herscheid betreibt und beabsichtigt, das Traditionsgasthaus in der Herscheider Ortsmitte im März aufzugeben. Ob es Nachfolger geben wird, ist noch offen.

In Holthausen schlossen sich Ende Dezember die Türen der überaus beliebten Holthauser Grillstube. Doch auch für das Plettenberger Schnitzelparadies ist kein Nachfolger in Sicht, auch wenn die Geschäfte dort bis zum letzten Tag sehr gut liefen.

„Wir haben immer mal wieder jemanden hier, aber so ein richtig gutes Gefühl hatten wir bisher nicht bei den Interessenten. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt“, übt sich Angelika Vieregge in Sachen Nachfolge bei der Grillstube in Zweckoptimismus und findet es zugleich schade, dass mit dem Burger-Restaurant „Cattlemen’s“ und dem Gasthof Brinker zwei weitere beliebte Restaurants vorübergehend schließen oder schließen werden.

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