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„Geweint und gejammert“: Schwerer Missbrauch an Vierjähriger

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Von: Thomas Krumm

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Die Vierjährige, die von ihrer Mutter und dessen Lebensgefährten schwer sexuell missbraucht worden war, dürfte noch lange, wenn nicht ein Leben lang, mit den schrecklichen Ereignissen zu kämpfen haben.
Die Vierjährige, die von ihrer Mutter und dessen Lebensgefährten schwer sexuell missbraucht worden war, dürfte noch lange, wenn nicht ein Leben lang, mit den schrecklichen Ereignissen zu kämpfen haben. © DPA

Mit Zeugenaussagen eines Sozialarbeiters und des Hauptermittlers ist im Landgericht Hagen der Missbrauchsprozess gegen ein Paar aus Plettenberg fortgesetzt worden. Der Sozialarbeiter berichtete, dass das vierjährige Mädchen, das die beiden Angeklagten für Sexspiele und kinderpornographische Videoaufnahmen missbraucht hatten, anfangs sehr traumatisiert von den Ereignissen zu sein schien.

Plettenberg - Die Vierjährige lebe mittlerweile bei den Eltern des leiblichen Vaters. Die Mutter des Kindes, eine 31-jährige Plettenbergerin, hatte mit ihrem 38-jährigen Lebensgefährten und dem Kind zusammengelebt. Auch der 38-Jährige steht in Hagen vor Gericht.

Anfangs habe das Kind „schreckhaft im Schlaf geweint und gejammert“, berichtete der Sozialarbeiter. Mittlerweile habe sich das Mädchen aber gut eingelebt bei den Großeltern. Ihr Großvater habe berichtet, dass er seine Enkelin als „total entspannt, glücklich und zufrieden“ erlebe. Auch die Betreuungskräfte im Kindergarten berichteten von einem „aktiven, fröhlichen und wissbegierigen Kind“, das allerdings viel Aufmerksamkeit einfordere. Nach dem sexuellen Missbrauch gebe es bisher keine Auffälligkeiten. „Es geht ihr derzeit gut“, fasste der Sozialarbeiter diese Berichte zusammen.

„Er ist nicht gut gewesen zu Mama“

Er warnte aber entschieden davor, diesen Umstand zur Relativierung der Taten zu missbrauchen: „Da kommt im Nachhinein sicherlich noch einiges, was aufgearbeitet werden muss.“ Klar positioniert hat sich die Kleine bereits gegenüber ihrem inhaftierten Stiefvater: Er sei „nicht gut gewesen zu ihrer Mama“. Die möchte sie allerdings gerne wiedersehen.

Der Sozialarbeiter berichtete auch, dass er die Angeklagte und den leiblichen Vater des Kindes schon früher betreut hatte. Damals lieferten Vorkommnisse häuslicher Gewalt den Hintergrund für die „sozialpädagogische Familienhilfe“ des Sozialamtes.

Der Zeuge war auch dabei, als die Kindsmutter zur Polizei ging und dort berichtete, „dass es zu sexuellen Übergriffen von ihr und ihrem neuen Partner auf ihre Tochter gekommen sei“. Er habe sehr viel Macht über sie gehabt. Sie sei ihm „hörig“ gewesen. „Sie war sehr aufgelöst, weinte und war nervlich zusammengebrochen.“ Einen Tag später befanden sich die beiden Beschuldigten in Untersuchungshaft.

„Lieblose und dreckige Wohnung“

Der Hauptermittler berichtete von einer „völlig unaufgeräumten, lieblosen und dreckigen“ Wohnung des Paares. Die Polizei stellte dort unter anderem diverse Sexspielzeuge sicher. Im Auto des Angeklagten fanden die Beamten Speichermedien und Schlaftabletten. Die Angeklagten hatten von Überlegungen berichtet, die Kleine schläfrig zu machen, damit sie von den sexuellen Übergriffen nichts mitbekommt. In einer Geldkassette fanden die Ermittler eine als „Haken“ getarnte Minikamera, die auch zum Einsatz gekommen sein soll.

Bei der polizeilichen Vernehmung wies der Angeklagte den Vorwurf noch zurück: „Kameras? Blödsinn“. So etwas gebe es nicht, erinnerte sich der Polizeizeuge an die Aussage des 38-Jährigen. Der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz machte darauf aufmerksam, dass schon der Besitz von Spionagekameras, die in Alltagsgegenständen versteckt sind, strafbar ist.

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. An diesem Tag sind auch die Großeltern geladen, bei der die Vierjährige inzwischen lebt. „Sie wollen keine Aussage in Anwesenheit der Angeklagten machen“, berichtete der Richter. Er machte allerdings deutlich, dass die Strafprozessordnung diesen Wunsch voraussichtlich nicht erfüllen wird.

Die beiden Angeklagten hatten den schweren Missbrauch an der Vierjährigen in der Verhandlung zuvor bereits gestanden.

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