Tatverdächtiger stirbt in Griechenland

Nach Mord in Plettenberg: Schwere Vorwürfe des Anwalts der Opfer-Familie

Der Mordfall in Plettenberg – hier der Tatort – beschäftigte vor 30 Jahren auch Eduard Zimmermann in der Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“. Nach dem Tod des Mordverdächtigen erhebt nun der griechische Anwalt der Opfer-Familie schwere Vorwürfe..
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Der Mordfall in Plettenberg – hier der Tatort – beschäftigte vor 30 Jahren auch Eduard Zimmermann in der Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“. Nach dem Tod des Mordverdächtigen erhebt nun der griechische Anwalt der Opfer-Familie schwere Vorwürfe..

In einem uns vorliegenden Schreiben an die griechische Internetseite thespro.gr erhebt der rechtliche Vertreter der Familie der 25-jährigen Garifalia Z., die im April 1989 vom mittlerweile verstorbenen Spiridon K. in Plettenberg ermordet worden war, schwere Vorwürfe gegen die griechische Polizei und Staatsanwaltschaft.

„Die Familie des Opfers wurde nicht über die Festnahme von Spiridon K. informiert“, kritisiert der in Düsseldorf tätige Rechtsanwalt Dr. Konstantinos Goumagias und führt weiter aus: „Die griechische Polizei hat 31 Jahre lang keinerlei Versuch unternommen, ihn festzunehmen, obwohl sie Hinweise hatte, dass er sich in Griechenland aufhält.“

Auch hätten die griechischen Behörden die deutsche Staatsanwaltschaft nicht sofort über den Tod von Spiridon K. informiert. Dies habe der zuständige Staatsanwalt Dr. Gerhard Pauli gegenüber Dr. Goumagias erklärt. Auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigte der Hagener Staatsanwaltschaft, dass auch bis Montag keinerlei Nachricht aus Griechenland eingegangen sei. Entsprechende Anfragen habe man gestellt und würde dies nochmals tun.

Dr. Goumagias verurteilt sowohl die Nicht-Verfolgung von Hinweisen auf den Aufenthaltsort von Spiridon K., als auch die bisher nicht erfolgte Meldung über das Ableben des Tatverdächtigen aufs Schärfste: „Auf diese Weise hätten die Angehörigen des Opfers wenigstens verspätet spüren können, dass der griechische Staat sie ernst genommen hätte.“

Es sei tragisch, „denn dies ist nicht der einzige Fall, den ich vertrete, in dem ein Mörder nach seiner Tat nach Griechenland fliehen konnte um dort unbehelligt weiter zu leben“, so der Düsseldorfer Anwalt abschließend.

Nach Mord in Plettenberg und Tod des Angeklagten bleiben viele offene Fragen

„Es sind viele Gedanken, viele offene Fragen. Laut griechischen Medien saß Spiridon K. immer wieder auf einer Bank am Strand von Amphilochia, dabei seien Tränen geflossen“, erklärt Grigorios Alexiou, der Bruder der Getöteten. Dieser bietet einen weiteren Einblick in die angebliche gewalttätige Vergangenheit des mittlerweile verstorbenen, mutmaßlichen Mörders von Garifalia Z. So soll Spiridon K. versucht haben, aus Eifersucht seinen Schwager zu töten. Alexiou berichtet darüber hinaus von der Vergewaltigung einer Minderjährigen während des Aufenthalts von Spiridon K. in Plettenberg.

Ein Vorwurf, den der damals zuständige Plettenberger Kripo-Beamte Wilfried Böcker nicht bestätigen kann. „Ich habe darüber gar keine Informationen.“ Erst aus der Zeitung habe er von den Vorwürfen erfahren.

„Unsere Familie ist über seinen Tod erleichtert, sicher auch andere, denen er auch Leid zugefügt hatte“, erklärt Grigorios Alexiou. Dennoch hätte man sich eher eine Auslieferung nach Deutschland gewünscht.

Die angeblich am Strand von Amphilochia vergossenen Tränen wertet der Bruder der Ermordeten nicht als Zeichen der Reue, sondern eher des Selbstmitleids. „Nach unserer Meinung waren es Tränen für seine Misere, in der er sich befand. Er war nie in der Lage beziehungsweise fähig, eine eigene Familie zu gründen. Er hat immer versucht, sich das, was er begehrte, mit Gewalt zu nehmen“, sagt Alexiou. Die gesamte Familie frage sich, wer für den Unterhalt von Spiridon K. in Griechenland aufgekommen ist.

„Wir danken im Namen unserer Familien der deutschen Justiz, vor allem Wilfried Böcker, der uns mit viel Mitgefühl und Herzlichkeit geholfen hat“, erklärt Alexiou, der seinen Dank auch Rechtsanwalt Dr. Goumagias richtet.

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