Herausforderung angenommen

Schulleiter-Berufung in Corona-Zeiten: Wie Miriam Springob in Holthausen den Neustart angeht

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Plettenberg -  Miriam Springob hätte sich einen leichteren Start als Leiterin der Grundschule Holthausen vorstellen können. Aber nun muss sie nicht nur mehr Verantwortung übernehmen, sondern auch den Neustart mit den Corona-Einschränkungen einleiten.

Na klar hätte sie sich ihren Start etwas anders vorgestellt. Aber Miriam Springob ist keine Frau, die sich von überraschenden Hindernissen zurückwerfen lässt. Die 33-Jährige mag die Herausforderung, sie will etwas bewegen und sie nimmt die Sachen so wie sie kommen. Nächste Woche beginnt an der Grundschule Holthausen das neue Schuljahr - mit ihr in der Leitungsrolle.

„Es wäre schön gewesen, wenn ich nur den ganz alltäglichen Wahnsinn zu Beginn gehabt hätte“, sagt Miriam Springob mit einem Lachen. „Aber man kann die Situation nun mal nicht ändern.“ Viele Stunden der Vorbereitung hat die neue Schulleiterin trotz Ferien in den letzten Wochen zuhause und vor Ort investiert, um den Schülern in der nächsten Woche einen gelungenen Start zu ermöglichen. Unterricht im Regelbetrieb, keine jahrgangsübergreifenden Arbeitsgemeinschaften, in den Pausen dürfen sich die Klassen nur untereinander aufhalten – so lauten Teile des Konzepts zum Neustart.

Die Einschulungsfeier für die i-Dötze wird am Donnerstag komplett auf dem Schulhof durchgeführt. So können zumindest pro Kind zwei Begleitungen teilnehmen. Und während die Kinder nach dem Gottesdienst und der kleinen Einschulungsfeier in die Klassen gehen, soll die wegen Corona ausgefallene Informationsveranstaltungen für die Eltern nachgeholt werden. Alle sollen sich kennenlernen: Eltern, Lehrer, Förderverein-Vorstand und eben auch die Schulleiterin.

Immerhin hat Miriam Springob den Vorteil, dass sie die Schule bereits kennt. Seit 2013 und damit unmittelbar nach ihrem Referendariat arbeitete die Attendornerin an der Holthauser Grundschule. Sie hatte rasch eine Festanstellung bekommen, fühlte sich rundum wohl und war bereit, Verantwortung zu übernehmen. Als 2015 die Konrektorin in Elternzeit ging, übernahm Miriam Springob diesen Posten. Aus der vorübergehenden Lösung wurde schließlich eine dauerhafte: An der Seite von Rektorin Gertrud van Schwamen kümmerte sich Miriam Springob um die Leitung der Schule.

"Ich habe Freude daran, solche Ämter zu übernehmen“, sagt die 33-Jährige heute rückblickend. Dass sie dann aber so rasant die Leitungsstelle übernehmen würde, damit hatte sie vor fünf Jahren noch nicht gerechnet – auch wenn es fast schon abzusehen war.

Gertrud van Schwamen bewegte sich auf ihren Ruhestand zu und als sie dann auch noch aus der Not heraus die Martin-Luther-Schule mitleiten musste, solange für diese kein neuer Rektor gefunden werden konnte, übernahm Miriam Springob in Holthausen immer mehr Aufgaben. Da lag die Idee nahe, dass sie die Nachfolgerin von Gertrud van Schwamen werden könnte.

„Sie [Gertrud van Schwamen] hat mich dann so lange überzeugt, bis ich endlich Ja gesagt habe“, erinnert sich Miriam Springob. Es war ja nicht so, dass sie keinen Spaß an den Aufgaben hatte – ganz im Gegenteil –, aber die Verantwortung für fast 140 Grundschulkinder und 10 Lehrer in Holthausen zu übernehmen, das ist schon eine Herausforderung. Miriam Springob hat sie angenommen.

Nun hat sie das Pech, dass ihr Start aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Bestimmungen deutlich komplizierter wird, als sie es sich vorgestellt hat. Doch die frisch verheiratete junge Frau, die seit wenigen Wochen Springob und nicht mehr Lübben heißt, bleibt optimistisch. „Immerhin hatten wir nun viel Zeit, die Schule aufzuräumen und Konzepte zu schreiben und zu überarbeiten“, sagt sie. Um ihren Start macht sie sich weniger Sorgen. „Viel schlimmer finde ich die Situation für die Kinder und Eltern. Es ist enorm, was sie in den letzten Wochen leisten mussten“, betont Miriam Springob.

Ihr selbst werde diese Zeit vor allem durch die Hilfe von außen erleichtert. Sowohl von den Schulträgern, als auch von den Kollegen habe sie „unglaublich viel“ Unterstützung erfahren. „Wir sind ein super Team“, lobt sie die Lehrer. Das sei in Zeiten wie diesen sehr hilfreich – und zwar auch deshalb, weil Miriam Springob dadurch sogar weiter unterrichten kann. Zusätzlich zur Schulleiter-Stelle bleibt sie Klassenlehrerin der jetzigen Zweitklässler. Das sei schließlich das, was den Beruf ausmache: „Ohne Kinder zu unterrichten, geht es einfach nicht.“

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