Manfred Gärtner hat „keinen Moment bereut“

Warum ein Schützenkönig im MK drei Jahre lang amtieren muss

Grünetaler Schützenfest 2019: Steffen Fuhrich gratuliert Manfred Gärtner.
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2019 war Manfred Gärtner der „Wunderkönig“, mit dem keiner gerechnet hatte. Auch nicht Vorsitzender Steffen Fuhrich.

Den Auftakt zur Schützenfestsaison in Plettenberg gestalten seit Jahren die Grüner Schützen. In diesem Jahr sollte vom Donnerstag dieser Woche bis zum Muttertag am Sonntag auf der Wieckmerth und in der Stadt gefeiert werden, doch wie schon 2020 wird es dazu nicht kommen. Als erster der Plettenberger Schützenvereine muss der 1924 gegründete Schützenverein Grünetal zum zweiten Mal auf die Ausrichtung seines Festes verzichten.

Plettenberg – Dennoch soll es bunt werden in der Stadt – so wünscht es sich der Vorstand um den 1. Vorsitzenden Steffen Fuhrich und den 2. Vorsitzenden Carsten Fink: „Es wäre schön, wenn ihr eure grün-weißen Fahnen oder eine Wimpelkette am Haus und/oder an der Straße spannen würdet, um hiermit zu zeigen, dass wir unser Schützenfest und unseren Verein nicht vergessen“, schrieben Fuhrich und Fink mittels WhatsApp an die Mitglieder, nachdem diverse Anregungen und Wünsche aus dem Kreis der Grünetaler Schützen gekommen waren. „Wir als Vorstand geben diese Anregungen gerne an alle Mitglieder und Interessierte weiter und würden uns freuen, wenn diese sich der Aktion anschließen“, so Fuhrich und Fink unisono. Sie erhoffen sich „ein schönes Bild in unserer Heimatstadt“ und wenigstens ein bisschen Schützenfeststimmung.

Das Wunder von der Grüne

Zwei Jahre ist es nun schon her, dass Manfred Gärtner sich zum vorerst letzten und weiterhin amtierenden König der Grünetaler Schützen schoss. Es war ein denkwürdiger Abend auf der Wieckmerth, an dem Steffen Fuhrich lange bangen musste, ob sich überhaupt ein Bewerber für die Königswürde finden würde. Doch dann ereignete sich „das Wunder von der Grüne“: Architekt Gärtner, erst seit kurzem Mitglied des Vereins, ging von sich auf in die Offensive. „Erst hat er mich gefragt, was man als König so alles machen muss“, erinnert sich Steffen Fuhrich, der bass erstaunt war, dass Gärtner schon wenig später erneut auf ihn zutrat und bekundete: „Ich würde es machen. Wäre doch schade, wenn es keinen König gäbe.“ „Da habe ich ihn angeguckt wie ein Auto“, sagt Fuhrich, der Gärtner keine Sekunde lang überzeugen musste, sein Vorhaben auch in die Tat umzusetzen: „Außenstehende sehen es eben manchmal einfacher als Leute, die schon lange dabei sind.“ Im Nachhinein hat es niemand bereut. „Manfred Gärtner ist ein Segen für den Verein“, lobt Fuhrich den König, „er reißt die Leute mit.“

Tochter zur Königin erwählt

Umso bedauerlicher, dass Gärtner, der seine Tochter Sarah Sophia zur Königin erwählte, sein Jahr als Regent nicht bis zum Schluss auskosten konnte und auch das Folgejahr keine Möglichkeit zum Feiern bot. „Es ist ja so gut wie nichts gewesen. Alles Wesentliche ist ins Wasser gefallen“, blickt Steffen Fuhrich zurück.

„Ich habe es nicht einen Moment bereut, König geworden zu sein und hoffe, dem Verein noch lange dienen zu können.“

Manfred Gärtner, König des Schützenvereins Grünetal

„Ich weiß nicht, wie es meinen königlichen Mitstreitern in den anderen Plettenberger Vereinen ergangen ist in dieser Zeit. Mit drei Amtsjahren hat sicher niemand gerechnet“, sagt Manfred Gärtner. Mit seiner Bereitschaft, auf den Vogel zu schießen, überraschte er nicht nur die alteingesessenen Grüner Schützen – manche hielten ihn zunächst für den Vertreter der Krombacher Brauerei –, sondern auch die eigene Ehefrau. Die überrumpelte Gattin Astrid Horn-Gärtner, auch beruflich die Partnerin des Architekten, konnte er allerdings nicht dafür begeistern, Schützenkönigin zu werden. Deshalb sprang die ältere Tochter ein, die in Leipzig lebt, während das Ehepaar Gärtner zwischen Plettenberg und Essen pendelt, wo man gemeinsam die Wochenenden verbringt. Mit seiner Tochter habe ihn die gemeinsame Regentschaft „näher zusammengebracht. Sie hat sofort ja gesagt, und die jüngere, 14-jährige Tochter hat mich schon gefragt, ob ich das nochmal machen kann, wenn sie erwachsen ist“, erzählt Manfred Gärtner. Doch auch von seiner Frau erhielt er Lob: „Sie hat gesagt, ich sei als König viel rücksichtsvoller und bewusster im Umgang geworden.“ Kurzum: „Ich habe es nicht einen Moment bereut, König geworden zu sein und hoffe, dem Verein noch lange dienen zu können.“ Vor allem für die Jugend will sich Gärtner einsetzen.

Hofstaat schickt dem Verletzten Grüße

Zu seinem Hofstaat hatte der König trotz Corona immer wieder vereinzelt Kontakte. „In Gedanken war ich immer bei den schönen Versammlungen im Jahr 2019.“ Im zweiten Jahr habe er manchmal schon darüber nachgedacht, „ob ein Schützenkönig wie ich überhaupt noch akzeptiert und wahrgenommen wird“, war Gärtner zunächst skeptisch, ehe ihm ein Unfall verdeutlichte, wie groß der Zusammenhalt im Grüner Schützenverein ist. Am 14. Februar gewann Manfred Gärtner ein Rennen in einem Plastikbob, hatte dabei aber soviel Tempo drauf, dass er nahezu ungebremst vor einen Baum prallte und sich das Bein brach. Noch jetzt ist er auf Krücken angewiesen, „doch es wird wieder“, sagt Gärtner, dem Vorsitzender Fuhrich und der 1. Adjutant Werner Vogel zum obligatorischen Reibekuchenfrühstück ein „Genesungswünschheft“ überreichten, in welchem etliche Mitglieder des Hofstaats ganz unterschiedliche Bild- und Gedichtbeiträge zusammengetragen hatten. „Darüber habe ich mich riesieg gefreut und wusste nun, dass ich nicht in Vergessenheit geraten, sondern immer noch präsent war.“

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