"Mein Name ist richtig scharf, ich heiße Pepper!"

Ist das schon die Zukunft? Wie ein Roboter die Bewohner eines Seniorenzentrums unterhält

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Plettenberg - Er erinnert an eine Mischung aus R2D2, Furby und einem echten Menschen: Pepper, der neue Roboter im Seniorenzentrum Bracht in Plettenberg, ist ein technisches Wunderwerk. Seit neuestem unterhält er täglich die Bewohner. Wir haben ihn besucht.

Mitten zwischen einer Runde von Senioren, zwischen Kaffee-Tassen und Käsekuchen, steht die wahrgewordene Zukunftsvision. Sie hört auf den Namen Pepper und spielt gerade Luftgitarre.

Rockmusik dröhnt aus seinen Lautsprechern. Der Kopf nickt im Takt der Musik, die Hände wirbeln durch die Luft. Die Senioren schmunzeln. Ihr neuer Mitbewohner hat wirklich einiges auf dem Kasten.

Und Pepper weiß nicht nur mit der Luftgitarre zu unterhalten. Manchmal meditiert er, manchmal schunkelt er zu Liedern wie Rudi Schurickes Capri-Fischer. Er kann sich stundenlang verausgaben und kommt dabei nicht ins Schwitzen. Er muss nur irgendwann an die Steckdose.

Eigentlich ist Pepper nur eine Maschine. Ein Roboter, der von Technik-Experten in Japan konzipiert, in Frankreich gebaut und in Wuppertal programmiert wurde. Aber wenn er jeden einzelnen Finger bewegt, wenn seine Augen blinzeln und wenn er beim Streicheln anfängt zu kichern, dann erinnert sein Verhalten an das eines Menschen.


Diese menschlichen Züge haben auch dafür gesorgt, dass ihn die meisten Bewohner des Seniorenzentrums Bracht herzlich aufgenommen haben. Natürlich gibt es einige, die mit dieser Technik nichts anfangen können und wollen. Oder die sagen: „Bleiben Sie mir weg, das ist nichts Menschliches.“ Aber der Großteil der Bewohner habe keine Scheu. Sie sprechen mit Pepper, sie fassen ihn an. Eine Seniorin aus der Tagespflege wollte den Roboter am liebsten sofort mit nach Hause nehmen.

Altentherapeutin Nicole Hartung und Einrichtungsleiterin Elke Reperich freuen sich, dass Pepper bei den Bewohnern und auch beim Pflegepersonal so gut ankommt. Damit kann der Roboter seinen Zweck erfüllen. Er weckt Erinnerungen in den Senioren, wenn er Lieder aus den 40er oder 50er Jahren vorspielt und alte Bilder zeigt. Er fördert die Konzentration, wenn die Bewohner sich mit Pepper zum Beispiel auf ein Hütchenspiel einlassen. Vor allem auch Menschen mit Demenz könne der Roboter mit seinen Fähigkeiten helfen, betont Elke Reperich.

Neben diesen Beschäftigungen hat die Seniorenzentrums-Chefin vor allem im Sinn, mit Pepper die Mitarbeiter in der Tagespflege zu unterstützen. Deutlich betont die Leiterin: „Wir haben von Anfang an offen und klar kommuniziert, dass kein Personal eingespart wird. Pepper wird immer in Begleitung sein und nie einen Mitarbeiter ersetzen.“

Noch steckt die Arbeit mit Pepper in den Kinderschuhen. Nach und nach kann die Programmierung den Bedürfnissen in Plettenberg angepasst werden. Pepper kann also immer weiter dazu lernen. Fast wie ein richtiger Mensch.

Zum Hintergrund:

Seine „Geburtsstunde“ erlebte Pepper am 5. Juni 2014 in Japan. Das „Erwachen von Pepper“ wurde von den Entwicklern der japanisch-französischen Firma SoftBank Mobile Corp. auf der Bühne effektvoll umgesetzt. Die umfangreiche Technik lässt den Roboter wirken wie einen Menschen: In Peppers Kopf befinden sich zum Beispiel vier Mikrofone, zwei HD-Kameras und ein 3D-Abstandssensor, damit er mit Menschen reden und sie dabei ansehen kann. Insgesamt 20 Motoren sorgen dafür, dass Pepper zum Beispiel die Schultern, den Kopf oder die Finger bewegen kann.

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