Eine Schnur, ein Weg, ein Kodex

Am Hestenberg wird eine Art Falle für Mountainbiker errichtet

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Die stabilen Nylonschnüre wurden über den Querfeldeinweg am Hestenberg gespannt.

Plettenberg – Sie sind gelb, aus einer stabilen Nylonschnur und sie wurden in einer Höhe von rund 50 Zentimetern zwischen Bäumen gespannt: Unweit der P-Weg-Strecke am Hestenberg wurde ein Plettenberger am Sonntag auf das Hindernis aufmerksam und konnte einen Sturz mit seinem Mountainbike gerade noch verhindern.  

Dabei hatte derjenige, der die Schnüre spannte, ganze Arbeit geleistet und gleich vier „Fallen“ errichtet. Noch dazu wurden die stabilen Schnüre nicht am Start des Querfeldein-Weges gespannt, sondern kurz vor dem Ende, wo die Nutzer eine hohe Geschwindigkeit haben können.

Polizei-Pressesprecher Dietmar Boronowski hat dafür kein Verständnis. „Wir reden hier nicht von einer Bagatelle, denn hier wird billigend in Kauf genommen, dass sich jemand verletzt. Es reicht schon aus, das Hindernis nur zu errichten“, sagte Boronowski mit Verweis auf den Paragraphen 315 b.

Auch Dr. Dirk Plassmann, der gemeinsam mit Kay Hömberg unweit des Bereiches Jagdpächter ist, verurteilt den Schnurspanner. „Das geht gar nicht und der Sache sollte man nachgehen“, findet Plassmann, der selbst aktiver Biker ist. Zudem sei vor einigen Jahren ein Plettenberger bei einer ähnlichen Aktion im Raum Himmelmert schwer gestürzt. Er weist aber auch ganz deutlich darauf hin, dass der besagte Trail „kein offizieller Weg ist und deshalb auch nicht mit Mountainbikes befahren werden darf. Ich verurteile es generell, dass da mitten durch den Wald gefahren wird, denn auch dort gibt es Regeln. Jedem, der da herfährt, sollte die Starterlaubnis für den P-Weg entzogen werden“, findet der Jäger und Biker mit Verweis auf das Landschaftsschutzgesetz und den P-Weg- Ehrenkodex klare Worte.

Im besagten Ehrenkodex heißt es unter Punkt 1. „Fahre nur auf Wegen! Fahre, laufe und gehe nur auf den Wegen und nie querfeldein; du schädigst sonst die Natur! Respektiere lokale Wegesperrungen! (...) Die Art und Weise, wie du dich verhältst, bestimmt das Handeln der Behörden und Verwaltungen. Die meisten land- und forstwirtschaftlichen Wege sind Privateigentum, auf denen Du Gast bist. Bitte verhalte Dich auch wie ein Gast! Auf Privatgrund bist du oft nur geduldet!“

Auch der zuständige Förster Thomas Kroll-Bothe kritisiert das Vorgehen des unbekannten Täters: „Das kann man nicht gutheißen.“ Doch auch er weist noch einmal darauf hin, dass im Wald nur Wege genutzt werden sollten, die auch von Autos befahrbar seien oder als offizielle Wege gekennzeichnet seien.

Der besagte Querfeldeinweg, der im Bereich des Hexentanzplatzes am Hestenberg startet, soll vor Jahren durch Holthauser Kinder und Jugendliche erschaffen worden sein, die dort eine Abenteuerstrecke durch den Wald suchten. Später und auch aktuell soll die Strecke nicht nur von jugendlichen Bikern, sondern auch von Motocrossfahrern genutzt worden sein, die beim Befahren mehrfach die kreuzenden Wirtschaftswegen überqueren müssen. Dabei soll es häufiger zu Fast-Unfällen mit Wanderern gekommen sein.

Ob eine Art Nachbarschaftsstreit oder ewas anderes hinter der Maßnahme steckt, bleibt offen. Fakt ist, dass die Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Sachdienliche Hinweise zu dem Verursacher nimmt die Polizei unter der Rufnummer (0 23 91) 91 99 0 entgegen.

Paragraph 315b /StGB

Gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr:

(1) Wer die Sicherheit des Straßenverkehrs dadurch beeinträchtigt, daß er

1. Anlagen oder Fahrzeuge zerstört, beschädigt oder beseitigt,

2. Hindernisse bereitet oder

3. einen ähnlichen, ebenso gefährlichen Eingriff vornimmt,

und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

(3) Handelt der Täter unter den Voraussetzungen des § 315 Abs. 3, so ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren, in minder schweren Fällen Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.

(4) Wer in den Fällen des Absatzes 1 die Gefahr fahrlässig verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(5) Wer in den Fällen des Absatzes 1 fahrlässig handelt und die Gefahr fahrlässig verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

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