Das sagen die Stadt und die Ratsmitglieder zu den hohen Kosten im Oestertal

Schnappatmung nach Kostenexplosion für Sporthaus

Der Sportplatz Oesterau bekam einen neuen Kunstrasenbelag für knapp 600 000 Euro und soll nun einen Umkleidetrakt bekommen.
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Der Sportplatz Oesterau bekam vor einigen Jahren einen neuen Kunstrasenbelag für knapp 600 000 Euro. Nun reicht man einen Förderantrag für einen Umkleidetrakt für rund 1,2 Millionen Euro ein.

Plettenberg - In der Sitzung des Plettenberger Stadtrates, die am Dienstag in der Schützenhalle stattfand, standen zwei brisante Themen im Mittelpunkt.

Unter anderem ging es um den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Alter Weg“ in Ohle. Die Anwohner, von denen keiner der Sitzung beiwohnte, blickten der Entscheidung mit Spannung entgegen, denn sie werden an den Erschließungsbeiträgen, die laut Bundesgesetzbuch anzuwenden sind, mit 90 Prozent beteiligt. Letztlich folgte der Rat der Empfehlung des Planungsausschusses, der dem Satzungsbeschluss bei einer Enthaltung zugestimmt hatte.

Diskussionen über Sporthaus im Oestertal

Ein weiterer Tagesordnungspunkt war der geplante Neubau des Umkleidetraktes am Sportplatz Oesterau. Das Umkleidegebäude entstand 1972 in einfacher Bauweise und weist laut Stadtverwaltung verschiedene Schäden wie Undichtigkeiten am Dach und Rückstände in der Unterhaltung auf. Zudem entspricht die Raumaufteilung mit zwei Umkleiden laut Verwaltung „nicht mehr den Ansprüchen der drei verschiedenen Sportvereine.“ Die Anzahl an Umkleidekabinen schränke nicht nur den Spielbetrieb am Wochenende ein, sondern behindere auch eine Ausweitung der Angebote für Jugendliche. Die Nutzung der Umkleiden in der Turnhalle nebenan scheide aus, da diese anderweitig genutzt werde. Sinnvoll könne man die Missstände nur durch einen Neubau beheben. Eine neue Möglichkeit einer Förderung bietet demnach das im Jahr 2020 aufgelegte Förderprogramm „Investitionspakt zur Förderung von Sportstätten 2020 und 2021“.

Umlaufende Balkonterrasse, vier Kabinen und drei Küchen

Im Erdgeschoss des geplanten Neubaus am Sportplatz Oesterau sollen insgesamt drei Kabinen (Größe je 28 m²) mit jeweils eigenem WC und Duschraum angeordnet werden. Dazu kommt ein Raum für Kasse/Sanitätsraum, Umkleide für Schiedsrichter und ein barrierefreies WC. Im Obergeschoss sollen eine weitere Umkleidekabine mit Dusche und WC, ein kleiner Abstellraum und eine Küche für jeden der insgesamt drei Vereine sowie ein großer Mehrzweckraum entstehen, der durch Trennwände für die Einzelnutzung durch mehrere Vereine unterteilt werden kann. Dazu kommt eine Toilettenanlage. Die Erschließung des Obergeschosses erfolgt durch eine umlaufende Terrasse, die neben der Erschließung auch als Aufenthaltsfläche dient. Die Bruttogrundfläche beträgt rund 430 m². Die Baukosten liegen zwischen 1,0 und 1,12 Millionen Brutto für den Neubau. Hinzu kommen die Kosten für den Abbruch des vorhandenen Gebäudes und Baunebenkosten (rund 100 000 bis 170000 Euro). Angestrebt wird eine Berücksichtigung im Förderprogramm „Investitionspakt zur Förderung von Sportstätten 2020 und 2021“, das eine 90-prozentige Förderung vorsieht.

Bürgermeister meldet selbst Bedenken an

Nach der Berichterstattung und dem Kommentar vor der Sitzung (siehe unten) äußerte sich Bürgermeister Ulrich Schulte im Rat zu dem Vorhaben: „Wir haben in der Vorlage und auch heute hier keine Pläne geliefert, allein auch deshalb, weil wir von Verwaltungsseite her wegen der hohen Kosten Bedenken haben und das Ganze noch mal überarbeiten und anpassen wollen. Dann läuft uns aber die Zeit weg, weil am 15. Januar der Stichtag für die Beantragung der Fördermittel ist.“ Zudem betonte Schulte, dass die beteiligten Vereine in den Vorgesprächen Eigenleistung angekündigt hätten. „Also auch da bewegt sich etwas. Das ist der kleine Hinweis, der zu Recht heute Morgen als Kommentar in der Zeitung stand.“ Wenn man nicht wisse, wie der Plan aussehe, könne man auch den Eigenanteil nicht beziffern und habe diesen Punkt deshalb nicht mit aufgenommen.

Schnappatmung bei PWG-Ratsmitglied

„Mir stellte sich die Frage, nachdem ich die Schnappatmung heruntergeschluckt habe, wie es zu der Verdoppelung der Baukosten kommen konnte“, wollte PWG-Ratsmitglied Andreas Patry wissen. Ulrich Schulte bestätigte, dass die Baukosten zunächst bei rund 500 000 Euro gelegen hätten und verwies zur Erklärung der hohen Summe an Bauamtsleiter Sebastian Jülich.

So erklären sich die hohen Kosten

„Die Frage ist verständlich und die haben wir uns auch gestellt. Letztlich liegt das an der etwas unglücklichen Lage des Sportplatzes.“ Das Sporthaus passe nur an die vorhandene Stelle und müsse auch mit Blick auf die Abstandsflächen zweigeschossig gebaut werden, um den Raumbedarf abzubilden. ..Die Idee, das Gebäude auf der anderen Sportplatzseite zu bauen, habe man aus Kostengründen sofort verworfen. Ein Ingenieurbüro habe die Kosten nach dem Baukostenindex berechnet. Bei einer Nutzfläche von 460 Quadratmetern (Anm. d. Redaktion: Laut Vorlage sind es 430 Quadratmeter) müsse man mit Quadratmeterkosten von 2300 bis 2600 Euro rechnen, was zu der Bausumme führe. „Uns läuft die Zeit davon“, verdeutlichte Jülich, da der Förderantrag bis zum 15. Januar in der Post sein müsse. „Wir würden die Zeit nutzten, um die Planung weiter zu beraten, damit wir, wenn es noch einmal ein Förderprogramm gibt, schneller reagieren könne..

Die Abstimmung

Letztlich verdeutliche Schulte, dass man die Planungen entsprechend anpassen könne, dann aber möglicherweise nicht mehr in den Genuss der 90-prozentigen Förderung komme. Deshalb könne man auch bei der Abstimmung mit den recht hohen Kosten und nicht abgestimmten Bauplänen ins Rennen gehen, statt zu warten und möglicherweise gar keine Förderung zu bekommen. Von den übrigen Parteien gab es keine weitere Wortmeldung und dem Vorschlag wurde bei einer Enthaltung zugestimt.

Ein Kommentar zum geplanten Umkleidehaus

Knapp 1,3 Millionen Euro betragen die geschätzten Maximalkosten für den Abriss des Umkleidegebäudes am Sportplatz Oesterau und den Neubau an gleicher Stelle. Die Zahl ist kein Druckfehler, sondern findet sich so in der Vorlage des Bauamtes, über die am Dienstag im Rat gesprochen wurde. Im dazu passenden SPD-Antrag heißt es zum Umkleidegebäude: „Auf diese Weise wird Raum hergestellt, der eine bessere und vernünftigere Umkleidemöglichkeit gestattet.“ Das kann man wohl unterstreichen, denn die Kosten für das Gebäude liegen doppelt so hoch wie einst der Bau des Oestertaler Kunstrasenplatzes für 590 000 Euro. Zum Vergleich: Das AquaMagis Gruppendorf hat mit drei Gebäudetrakten, zwölf Zimmern, einem Sanitärgebäude und einem Aufenthaltsraum 750 000 Euro gekostet. Geld, das wieder erwirtschaftet werden kann. Das Umkleidegebäude wird kein Geld verdienen, auch nicht mit drei separaten Küchen für jeden Verein. Die Baukosten sollen über 60 Jahre abgeschrieben werden. Einmal mehr ist das Wort Eigenleistung in der Ausschussvorlage nicht zu finden (Anm. D, Redaktion: Bürgermeister Ulrich Schulte betonte im Nachgang, dass die Vereine eine solche zugesagt hätten).

Während in Rönkhausen und Affeln grundsätzlich viel selbst erwirtschaftet wird, man Bausteine verkauft oder sonstige Aktionen fährt, muss man in Plettenberg nichts tun. Gelingt der Coup mit den Fördermitteln, können bald auf der neuen Terrasse im Oestertal die Sektkorken knallen. Man darf nur hoffen, dass nicht alle Antragsteller so planen, denn dann ist der Fördertopf ganz schnell leer. Und wenn die Förderung ausbleibt, stellt sich die Frage, ob der Luxus-Bau eingedampft werden muss.

Zur Klarstellung: Den drei Vereinen mit insgesamt vier Mannschaften im Spielbetrieb ist ein vernünftiger Umkleidebereich von Herzen zu wünschen. Aber vier Kabinen und drei Küchenbereiche für insgesamt drei Seniorenmannschaften und ein Jugendteam wecken in Zeiten, in denen beim TuS und SCP die Jugendabteilungen fusionieren, Begehrlichkeiten. Und das bei einem Gewerbesteuerrückgang von rund 14 Millionen und einem Rekorddefizit, das nur durch Ausgleichszahlungen des Bundes gemindert werden kann. Geht es nicht auch deutlich günstiger und ein Stück weit gemeinsam? Noch dazu ist der Umkleidetrakt der Turnhalle nebenan am Wochenende meist frei.

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