Anderthalb Jahre nach der Schließung

Weltkonzern schließt Werk im MK: Fast 1.000 Jobs weg - Ex-Mitarbeiter verzweifeln

Werk von Dura in Plettenberg
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Der US-Konzern Dura hat fast 1.000 Jobs in der Region gestrichen. Noch immer leiden Ex-Mitarbeiter unter den Folgen.

Die Schließung des Plettenberger Dura-Standorts Ende April vergangenen Jahres wirkt noch immer nach: Fast 1.000 Mitarbeiter – inklusive derer, die von der Schließung des Standorts Selbecke betroffen waren – rutschten in die Arbeitslosigkeit. Und noch immer suchen laut Kira Muth, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Iserlohn, zahlreiche ehemalige Mitarbeiter einen neuen Job.

Plettenberg – „Als uns damals die Größenordnung der anzeigepflichtigen Entlassung von Dura bekannt wurde, war uns umgehend klar, dass hier ein Ausnahmezustand besteht und wir ein besonderes Dienstleistungsangebot benötigen, um die betroffenen Personen adäquat zu unterstützen“, erklärt Kira Muth. Die Herausforderung ginge weit über das reguläre „Geschäft“ hinaus.

Weltkonzern Dura ist inzwischen in der Insolvenz - Werk geschlossen

So habe die Agentur für Arbeit Iserlohn tageweise ein sogenanntes Vermittlungsbüro in den Räumen von Dura eingerichtet, Job-Speed-Datings durchgeführt, sowie ein eigens geschnürtes Maßnahmeprogramm eingekauft, um Arbeitgeber und Arbeitnehmer in schneller Form zusammen zu bringen. Außerdem habe man diverse Weiterbildungsangebote initiiert. Dura selbst hat inzwischen Insolvenz angemeldet, wurde inzwischen verkauft.

1.000 Jobs weg - viele Arbeiter aus Werdohl und Plettenberg betroffen

Nach Abzug von Arbeitsaufnahmen und Weiterbeschäftigungen verblieben für den Arbeitsagentur-Bezirk Iserlohn 630 potentielle Kunden. Hiervon sei ein Großteil – nämlich 530 Menschen – in Plettenberg und Werdohl wohnhaft.

Lange hatten die Mitarbeiter von Dura für den Erhalt des Plettenberger Standortes gekämpft – letztendlich ohne Erfolg.

Wie Muth erklärt, seien bis Mitte Juni immerhin 152 ehemalige Dura-Mitarbeiter wieder in Arbeit gekommen. „40 Kunden befinden sich in laufenden Maßnahmen, 110 Personen sind arbeitsunfähig krank“, sagt Muth. 148 ehemalige Mitarbeiter von Dura seien noch arbeitslos gemeldet.

Einige Ex-Dura-Mitarbeiter fanden neue Jobs in der Region

Die Integrationsperspektive in den Arbeitsmarkt sei für die Betroffenen grundsätzlich positiv zu bewerten. „Es bestand ein nach wie vor konstanter Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften“, erklärt Kira Muth.

Insgesamt sei aber zu berücksichtigen, dass die persönlichen Aspekte jedes Einzelnen wie Alter, Betriebszugehörigkeit, Mobilität, Schichtbereitschaft und Flexibilität sich auf die Integration in den Arbeitsmarkt positiv oder negativ auswirken würden. „Daher freuen wir uns, dass der Großteil der ehemaligen Dura-Mitarbeiter eine gute berufliche Perspektive gefunden hat“, sagt Muth.

Dura-Flächen in Plettenberg: Wie geht es jetzt weiter?

Eine Perspektive fehlt derzeit noch für die zukünftige Nutzung des über zehn Hektar großen Firmenareals von Dura an der Königstraße. Während das Dura-Gelände in Kirchhundem-Selbecke von RB Makler aus Plettenberg gekauft wurde und nun vermarktet wird, ist noch offen, wer in Plettenberg den Zuschlag für die Dura-Hallen mitsamt Verwaltungstrakt, den Überresten der Eloxal-Anlage und dem riesigen Parkplatz bekommt.

Dura-Schließung: Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Das Durchschnittsalter der betroffenen Personen liege bei über 48 Jahren. 310 ehemalige Mitarbeiter seien 55 Jahre oder älter, davon seien 109 Mitarbeiter 60 Jahre oder älter. Der Anteil der angelernten Helferkräfte im Unternehmen habe bei fast 62 Prozent gelegen, in den am meisten involvierten Bereichen (Produktion und Lager) sogar bei 67 Prozent. „Bei dem Arbeitgeber handelt es sich um ein alteingesessenes Unternehmen, bei dem die Mitarbeiter übertariflich entlohnt wurden und zu sehr großen Teilen eine überdurchschnittlich lange Betriebszugehörigkeit haben“, sagt Muth.

Die große Entlassungswelle habe seinerzeit erhebliche Auswirkungen auf den Arbeitslosenbestand und die Arbeitslosenquote in der Region gehabt, sagt Muth. „Bis zum Beginn der Corona-Pandemie und dem dadurch begründeten Anstieg der Arbeitslosigkeit, konnte sowohl der Arbeitslosenbestand, als auch die Arbeitslosenquote in der Region jedoch wieder abgebaut werden,“ erklärt Kira Muth.

Deutlich würde dies an der Entwicklung der Arbeitslosenzahlen für Plettenberg und Werdohl:

Plettenberg:

Mai 2018: 4,5 Prozent

Mai 2019: 5,7 Prozent

Mai 2020: 7,5 Prozent

Werdohl:

Mai 2018: 6,3 Prozent

Mai 2019: 7,1 Prozent

Mai 2020: 9,1 Prozent

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