Um vierstellige Summen betrogen

„Schlecht, mit den Lenden zu denken“: Wie drei Männer einer Plettenbergerin verfallen sind 

Eine 32-jährige Plettenbergerin stand wegen Betrugs vor Gericht.
+
Eine 32-jährige Plettenbergerin musste sich vor dem Amtsgericht Altena verantworten: Sie hatte drei Männer dazu gebracht, ihr hohe Summen, unter anderem für angebliche Notlagen, zu überweisen.

Einen ganz besonderen Charme muss eine 32-jährige Plettenbergerin versprüht haben: Gleich drei Männer kamen ins Amtsgericht Altena, um als Zeugen ihre Geschichten davon zu erzählen, wie die junge Frau sie zwischen Februar und September 2019 um vierstellige Eurobeträge gebracht hatte.

Plettenberg/Altena – Trotz zweier Vorstrafen wegen Betruges kam sie noch mit einer weiteren Bewährungsstrafe davon, die sie ihrem umfassenden Geständnis und ihren Bemühungen zur Schadenswiedergutmachung verdankte. „Warum haben die drei Herren innerhalb von kurzer Zeit dieses Geld zur Verfügung gestellt?“, fragte Richter Dirk Reckschmidt die Angeklagte.

„Aus Gutmütigkeit“, vermutete diese. „Weil sie mir einfach ihr Leid geklagt hat“, lieferte einer der Zeugen eine Antwort, die eine gewisse Gültigkeit für alle drei Männer hatte. Persönliche Probleme, Geldmangel, angebliche Verbindlichkeiten aus einer zerbrochenen Beziehung – das war offenbar die Problemlage, die anzudeuten schien, dass da noch etwas mehr laufen könnte als Geldübergaben. Rückzahlungsversprechungen erleichterten das Öffnen der Portemonnaies.

Der Richter hatte noch eine weitere Frage an die Angeklagte: „Wer sind diese Herren, und in welchem Verhältnis stehen sie zu Ihnen?“ Einen (56) kannte die 32-Jährige schon seit langem, der Zweite (39) wohnte in der Nähe und stellte den Kontakt über Facebook her. Die Bekanntschaft mit dem Dritten (27) ergab sich ebenfalls aus einem Facebook-Kontakt und durch die übersichtliche Größe des gemeinsamen Wohnortes: „Plettenberg ist ein Dorf.“

Sie brauchte Geld für die eine oder andere Notsituation.

Der 56-jährige Zeuge

Alle drei Zeugen einte ein gewisses Interesse für die angeblich alleinerziehende Mutter, das sie im Amtsgericht in klaren Worten formulierten. Der Älteste der Drei war der abgeklärteste: „Sie brauchte Geld für die eine oder andere Notsituation“, erinnerte er sich. Er habe die Angeklagte schon 2014 kennengelernt und ihr nach und nach 7 500 Euro zur Verfügung gestellt. Das war eine Summe, die die aktuelle Schadenssumme noch erheblich überstieg. Zur Polizei gegangen war der Zeuge damals nicht. Er hatte aber einen gerichtlichen Mahnbescheid gegen die Angeklagte erwirkt und einen Teil des Geldes von ihr zurückbekommen.

Über seine Motive plauderte der Zeuge sehr offen: „Ich dachte, dass wir uns ein bisschen näher kommen.“ Die Hoffnung, die junge Frau für sich gewinnen zu können, trog jedoch: „Es ist schlecht, mit den Lenden zu denken.“

Ich glaubte ihren Versprechungen, dass wir uns sexuell näher kommen könnten.

Der 39-jährige Zeuge 

Auch der 39-jährige Zeuge wollte die junge Frau näher kennenlernen und glaubte ihren „Versprechungen, dass wir uns sexuell näher kommen könnten“. Daraus wurde nichts. Aber auch dieser Zeuge überwies nach und nach eine vierstellige Summe an die Angeklagte und steckte ihr sogar noch Geld in den Briefkasten. „Dass das keine Glanzleistung war, ist mir schon klar.“

In ernste finanzielle Schwierigkeiten geriet nur der jüngste der drei Zeugen: „Die Beträge wurden immer höher, bis ich ihr geschrieben habe: ‘Es geht nicht mehr.’“ Seine Großmutter musste ihm schließlich aus seinen finanziellen Schwierigkeiten helfen: „Die komplette Summe [Anm. d. Red.: der von der Angeklagten geleisteten Rückzahlungen] wird an meine Oma gezahlt, weil sie mir aus der Patsche geholfen hat.“

Es kann sein, dass ich mich ein wenig in sie verliebt habe.

Der 27-Jährige Zeuge

Bei diesem Zeugen war die Verletzung des Herzens durch die ganze Geschichte offenbar etwas gravierender ausgefallen: „Es kann sein, dass ich mich ein wenig in sie verliebt habe.“ Aus der Anklage blieben aus eher formalen Gründen letztlich 19 von 23 Betrugstaten übrig – nur eine davon war nicht „gewerbsmäßig“. Das Schöffengericht verurteilte die Plettenbergerin zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten.

Als Bewährungsauflage muss sie 250 Sozialstunden ableisten. Da sie noch eine weitere Bewährungsstrafe offen hat, drohen ihr im Falle weiterer Straftaten einige Jahre Haft.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare