Kirmes-Verkäufer Feldmann, Burger-Bräter Ochtendung, Cocktail-Fahrer Dimi

Ein halbes Jahr nach Corona: Wie geht es den Plettenbergern, die neue Ideen umgesetzt haben?

Dieser Kirmeswagen der Schausteller-Familie Feldmann an der Herscheider Straße gehört inzwischen der Vergangenheit an.
+
Dieser Kirmeswagen der Schausteller-Familie Feldmann an der Herscheider Straße gehört inzwischen der Vergangenheit an.

Plötzlich war nichts mehr so wie vorher. Mitte März hatte die Corona-Pandemie Deutschland erreicht, die Regierung schränkte das öffentliche Leben drastisch ein. Über ein halbes Jahr ist das nun her. Wie sind Selbstständige in Plettenberg seitdem durch die Krise gekommen? Und wie ist ihr Blick in die Zukunft?

Plettenberg - Wir haben mit denjenigen darüber gesprochen, die sich während der Krisenzeit neue Geschäftsmodelle überlegt haben: mit Toni Feldmann, dessen Schausteller-Familie eine Mandelbude an der Herscheider Straße aufgebaut hat; mit dem Koch Daniel Ochtendung, der auf einen Imbiss-Wagen mit Hamburgern umgeschwenkt ist; und mit Dimitrios Koutsovitis, der als rasender Cocktail-Mixer in Plettenberg und Umgebung unterwegs war.

Schausteller weiter im Krisenmodus: So geht es der Familie Feldmann

Bei Toni Feldmann und seiner Familie sitzt der Frust tief. Mutter, Vater, Schwester und er – sie alle bangen um ihre Existenz, denn als gelernte Schausteller werden sie von den Corona-Einschränkungen besonders hart getroffen. Kettenkarussells, Autoscooter und Co. sind längst abgemeldet, die meisten Versicherungen gekündigt. Selbst die Privatfahrzeuge sind vorübergehend stillgelegt; die Familie teilt sich jetzt einen Wagen für alle. „Die Luft wird von Monat zu Monat immer dünner“, sagt Toni Feldmann.

Wenn es nirgendwo eine Kirmes gibt, lassen sich auch keine Tickets für die Fahrgeschäfte oder Süßigkeiten an der Mandelbude verkaufen. Deshalb haben die Feldmanns ihren Stand mit bunten Fahnen, gebrannten Mandeln und Schokofrüchten nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie auf dem Parkplatz des Hauses Ochtendung an der Herscheider Straße aufgestellt. Doch der Erfolg hielt sich in Grenzen. In der Anfangszeit hätten die Einnahmen immerhin für den monatlichen Einkauf und eine Tankfüllung gereicht. Aber im Verlauf der Wochen und Monate wurden es immer weniger Kunden. „Zuletzt war das gar nichts mehr“, sagt Toni Feldmann, „wir standen sieben Tage die Woche da, hatten 0 Euro Einnahmen und mussten ja auch noch den Strom bezahlen.“ Kein Wunder also, dass die Feldmanns den Verkauf an der Herscheider Straße einstellten und sich noch intensiver nach anderen Beschäftigungen umsahen.

Doch das Problem sei nach den Worten von Toni Feldmann: „Es gibt nichts, das wir machen können.“ Lkw-Fahren würde sich aus seiner Sicht anbieten. Doch nirgends werden Lkw-Fahrer gebraucht, sagt Feldmann. „Es ist ja überall weniger geworden.“

Das einzige, das der Familie noch hilft, sind die Soforthilfen der Bundesregierung. Von der ersten Unterstützung blieben nach Steuern laut Toni Feldmann noch 6 200 Euro für drei Monate übrig. Für Juni, Juli, August gab es eine weitere Bundes-Hilfe, durch die die laufenden Kosten übernommen wurden – wohlgemerkt abzüglich der Einnahmen, was bedeutet, dass jeder Euro aus dem Mandelbuden-Verkauf von der Hilfe abgezogen worden ist.

Etwas Hoffnung macht, dass im Dezember eine erneute Soforthilfe kommen soll. Der Frust bleibt trotzdem, denn ein Ende der Corona-Einschränkungen ist nicht in Sicht. Die Weihnachtsmärkte, die laut Feldmann 60 bis 70 Prozent des Jahresumsatzes ausmachen, drohen auszufallen. Zum ersten Mal hätten die Feldmanns dieses Jahr ihr Riesenrad in Dortmund aufstellen können. Der Vertrag ist unterschrieben, noch hält die Stadt Dortmund auch am Weihnachtsmarkt fest. Aber ob die Veranstaltung wirklich ausgerichtet werden kann, ist angesichts der steigenden Fallzahlen in ganz Nordrhein-Westfallen völlig unklar. „Wir hoffen es jedenfalls“, sagt Toni Feldmann.

Ein Koch spricht Klartext: So geht es Caterer Daniel Ochtendung

Daniel Ochtendung lebt eigentlich davon, andere Menschen oder Feiergesellschaften mit Essen – meist in Form von Buffets – bei sich in einem der Säle im Haus Ochtendung (ehemals Holthauser Saal) oder in einem anderen Veranstaltungsraum zu versorgen. Weil ihm die gesamte Geschäftsgrundlage wegbrach, folgte er aus der Not heraus dem Vorschlag eines Schützenkameraden und stellte auf seinem Parkplatz an der Herscheider Straße einen Imbisswagen auf, in dem er Hamburger, Pommes und Co. anbot.

Die Aktion schlug ein wie ein Gewitter: Die Kunden standen in den ersten Wochen Schlange, teilweise konnte Ochtendung schon gar keine Vorbestellungen mehr entgegennehmen, weil er so viel zu tun hatte. „Die Leute waren sehr euphorisch“, blickt Daniel Ochtendung zurück auf Abende zurück, in denen er keine Minute Pause hatte.

Doch dann habe der Andrang Woche für Woche „natürlich nachgelassen“, wie Ochtendung sagt. Trotzdem betreibt er seinen Imbisswagen weiter, wenn auch nicht mehr an jedem Abend eines Wochenendes, wie noch zu Beginn.

Das liege einerseits daran, dass wesentlich weniger Gäste Hamburger und Co. bestellen. Andererseits ist Ochtendung nun an dem ein oder anderen Abend wieder in seinem Kerngeschäft gebunden. „Der Partyservice läuft wieder an“, sagt er und spricht von kleineren Veranstaltungen, meist runde Geburtstage, die er mit Essen versorgt. Diese vielen kleineren Buffets machen viel Arbeit, „aber es bleibt weniger Geld übrig“, macht Ochtendung keinen Hehl daraus, dass ihm die Versorgung von Großveranstaltungen weiterhin fehlt.

Die Hoffnung liegt klar auf dem Weihnachtsgeschäft. „Der Dezember macht stets einen großen Teil des Jahresumsatzes aus“, erklärt Ochtendung, der für seine Säle ein Sicherheitskonzept erstellt hat, das nach derzeitigem Stand private Feiern mit bis zu 150 Personen zulässt. Die ein oder andere Weihnachtsfeier im Haus Ochtendung könnte dem gebeutelten Koch da durchaus weiterhelfen.

Cocktailtaxi hat eine Zukunft: So geht es Dimitrios Koutsovitis

Manchmal braucht es einen äußeren Impuls, um Neues auszuprobieren. Und wenn man es so sehen möchte, dann kann man im Fall von Dimitrios Koutsovitis sagen, dass die Corona-Pandemie zumindest etwas Positives mit sich gebracht hat. Denn weil der Betreiber des Stadtlebens seine Bar von März bis Ende Mai komplett schließen musste, probierte Koutsovitis aus der Not heraus ein neues Angebot aus: das Cocktail-Taxi. Mit einer breiten Palette an alkoholischen Getränken und Säften im Kofferraum, fuhr er auf Bestellung zu den Kunden nach Hause und mixte ihnen Cocktails direkt vor der Haustür.

Das kam so gut an und wird auch immer noch trotz der früheren Sonnenuntergänge genutzt, dass Dimitrios Koutsovitis auch weiterhin als rasender Cocktail-Mixer unterwegs ist und das Angebot sogar noch ausbauen möchte. Eine Internetseite mit einer Übersicht der Cocktails und den Bestellmodalitäten sei in Arbeit; das Taxi soll auch weiterhin, womöglich sogar auch in der Zeit nach Corona, unterwegs sein. Dimitrios Koutsovitis sagt: „Die Leute lassen sich ja heutzutage alles nach Hause bringen, seien es Lebensmittel, Elektronik... Warum also nicht auch Cocktails?“

Das zentrale Standbein bleibt aber weiterhin die Stadtleben-Bar im Herzen der Innenstadt. Nach der Besucherflaute nach der Wiedereröffnung, in der kaum Gäste kamen, hat Dimitrios Koutsovitis bis Mitte letzter Woche vor allem das Wetter geholfen. Die Sonne und die spätsommerlichen Temperaturen ließen es zu, dass die Gäste auf ein oder mehrere Getränke vorbeikamen und draußen sitzen konnten. „Spannend wird es an den kälteren Tagen“, sagt Dimi. der versuchen will, mit Markise, Windschutz und Heizpilzen die Gäste vornehmlich weiterhin vor der Tür zu bewirten. „Ich bin da selbst gespannt, was die nächsten Wochen bringen werden.“

Vor allem die wieder ansteigenden Fallzahlen bereiten dem Stadtleben-Betreiber Sorgen, dass es wieder einen Rückschlag geben könnte. Er sagt: „Wenn es jetzt wieder eine Schließung gäbe, wäre das nicht so gut – Cocktailtaxi hin oder her.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare