Schafmeister in Hochform

Promi-Schauspieler glänzt im Stück „Kunst“

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Er kann die Mundwinkel verziehen wie Mr. Bean: Heinrich Schafmeister (l.) spielte am Sonntag die Figur Yvan und berichtet seinem Freund Marc (Leonard Lansink) von seinem Stress, den er mit den Einladungskarten für die Hochzeit hatte. Yvans Schuhe dienten dabei der Veranschaulichung eines Telefongesprächs.  

Plettenberg - Es war ein perfekter Sonntagabend für die Plettenberger Kunstgemeinde. Das Stück „Kunst“ mit seinen bekannten Schauspielern kam super beim Publikum an, die Böddinghauser Aula war nahezu ausverkauft und die neu angebotenen Häppchen waren in Windeseile vergriffen.

Wieder einmal hat der Verein mit der Buchung einer Komödie, in der bekannte Gesichter aus dem Fernsehen auf der Bühne stehen, einen Volltreffer gelandet. Vor allem Heinrich Schafmeister zeigte sich in der Böddinghauser Aula in Hochform. Er ragte aus dem ansonsten ebenfalls top-besetzten Schauspieler-Ensemble mit Leonard Lansink und Luc Feit heraus.

In einer Geschichte, in der sich zwei Freunde miteinander streiten, weil sich der eine ein weißes Bild mit weißen Streifen für einen Wahnsinnspreis gekauft hat, mimt Schafmeister den dritten Freund im Bunde. Den Schiedsrichter sozusagen, der im Streit zwischen den beiden vermitteln will. „Nein, man kann nicht sagen, das [weiße] Bild sei eine Scheiße, denn Scheiße ist braun“, tröstet er seinen Freund Serge, nachdem der sich den Spott von Marc anhören musste. 

Dieses Werk, dass sich Serge (hinten) gekauft hat, ist der Auslöser des Streits. Das Gemälde ist weiß mit diagonalen weißen Streifen. Marc (im Vordergrund) findet’s total albern.

Das Publikum lacht herzhaft, spendet den ersten von vielen Zwischenbeifällen an diesem Abend. Schafmeister gelingt es, nicht nur mit seinen Gags zu punkten. Seine Mimik ist Extraklasse, erinnert stark an das berühmte Mienenspiel von Rowan Atkinson alias Mr. Bean. Ebenso wie diese bekannte Fernsehfigur vermag es Schafmeister in seiner Rolle, die Mundwinkel bis über beide Ohren zu ziehen oder die Augen vor Entsetzen weit aufzureißen. 

Zusätzlich punktet er mit immer wiederkehrenden Aktionen, zum Beispiel, wenn er sich mit Hilfe seines quietschbunten Hawaii-Hemdes mal wieder den um vier Kilogramm abgespeckten Bauch lüftet oder versucht, etwas in seine nicht vorhandene Brusttasche zu stecken. Ihm gehört auch die letzte große Szene vor der Pause. Sein Monolog über die Frage, ob auf seinen Einladungskarten für die Hochzeit auch die Stiefmütter vermerkt werden sollen, lässt seinen Kopf immer röter werden, während er sich in Rage redet. 

Die Schuhe werden kurzerhand als Telefonhörer verwendet, um die Gespräche mit seiner Mutter nachzustellen – köstlich, wie Schafmeister das Publikum in die Pause entlässt. Diese 15-minütige Unterbrechung, die im Stück eigentlich gar nicht vorgesehen ist, tut der guten Stimmung keinen Abbruch. Im zweiten Teil fliegen die Gags und Anschuldigungen nur so über die Bühne. Da wird die Schafmeister-Figur Yvan von Freund Marc als „hybrider Mensch“, als „serviler kleiner Schleimer“ bezeichnet; da lästert Serge über die Art von Marcs „runzeliger“ Frau, „wie sie den Zigarettenrauch verscheucht“; da beschreibt Yvan den „logischen Lauf der Dinge: Heirat, Kinder, Tod“. Schafmeister, Lansink und Feit gönnen dem Publikum kaum eine Lachpause. 

Sogar die Seitenschiffe der Böddinghauser Aula waren beim Stück „Kunst“ bestens gefüllt.

Noch einmal glänzt Heinrich Schafmeister alias Yvan, als er sich in die Handgreiflichkeit seiner Freunde einmischt und dabei einen Schlag auf das Ohr abbekommt. Abgeschottet sitzt er hinter einem Paravent, schluchzt darüber, wie der Schmerz seinen Kopf durchbohrt, und droht damit, gleich zu weinen. „Ihr wisst, dass ich weinen kann“, lässt er seine Freunde wissen, „und ich bin nicht mehr weit davon entfernt.“ Das weiße Bild mit den weißen Diagonalstreifen und einer horizontalen weißen Linie droht bis zum Ende die Männerfreundschaft zu zerreißen, ehe Serge – der Besitzer des Werkes – die Idee kommt, dass sein Freund Marc das Bild einfach bemalen darf. Mit einem Filzstift. Als Versöhnung sozusagen. Was Marc nicht weiß: Der Filzstift ist abwaschbar...

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