Neuaufbau der Eloxalanlage im Ausland wäre mit hohen Einbußen verknüpft

Schaden bei Dura liegt wohl bei über 20 Millionen Euro

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Spezielle Entsorgungsfahrzeuge sind seit Wochenbeginn Dauergast bei der Firma Dura, um die giftigen Chemikalien aus der vom Brand betroffenen Halle zu entsorgen.  

Plettenberg - Wie geht es bei Dura weiter? Wird die Eloxalanlage, die am Freitag fast vollständig abbrannte, in Plettenberg wieder neu errichtet? Was aus Sicht der Versicherung dafür spricht, erklärte Allianz-Generalvertreter Olaf Jahn im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Bei einem deutschen Versicherungskonzept ist normalerweise eine Wiederaufbauklausel enthalten. Demnach wird der Neubauwert nur dann erstattet, wenn der Wiederaufbau auch innerhalb von Deutschland erfolgt“, so Jahn.

Mit diesem Passus soll nach den Angaben des Plettenberger Versicherungsexperten eine „warme Sanierung“ verhindert werden, in deren Folge ein neues Werk dann möglicherweise in Portugal oder anderswo neu aufgebaut werde. Werde die entsprechende Klausel nicht erfüllt, erstatte die Versicherung nur den Zeitwert des Gebäudes und der Anlage. Bei einem internationalen Konzern wie Dura werde laut Jahn aber auch häufig eine Global Police für alle Werke abgeschlossen – zumeist mit einer Selbstbeteiligung von 50 000 bis 100 000 Euro. „Ob das bei Dura auch so ist, kann ich nicht sagen, aber es wäre denkbar“, so der Plettenberger, der froh ist, mit seiner Agentur bei der Schadensabwicklung außen vor zu sein. 

Brand bei Dura in Plettenberg

Den entstandenen Schaden an der Eloxalanlage und dem betroffenen Hallenteil schätzt Jahn auf 20 bis 25 Millionen Euro – inklusive der teuren Entsorgung der giftigen Chemikalien und verbrannten Maschinen und Geräte. Enthalten seien in solchen Policen normalerweise auch die Feuerlöschkosten. In dem Fall könnte die heimische Feuerwehr die beim Großbrand unbrauchbar gewordenen Schläuche und sonstigen Beschädigungen geltend machen. Nicht zahlen müsste die Versicherung übrigens bei einem vorsätzlichen Brand durch einen leitenden Mitarbeiter. Anders wäre es allerdings, wenn ein „einfacher“ Mitarbeiter aus Frust eine Brandstiftung begehen würde. 

So haben die Anwohner dem Brand erlebt

Von daher müsse immer auch erst das Ergebnis der staatsanwaltlichen Untersuchungen zur Brandursache abgewartet werden. Angesichts der großen Summe, die bei einem Schadensfall auflaufen, handele es sich bei den Firmen-Policen laut Olaf Jahn meist um Beteiligungsgesellschaften, die sich die Deckungskosten teilen. 

Der Morgen nach dem Dura-Brand

„Es kann gut sein, dass auch die Allianz mit 20 Prozent beteiligt ist – ein Versicherer allein kann es jedenfalls nicht alleine stemmen“, sagt Jahn. Nach bisherigem Stand der Dinge entstand das Feuer im Bereich der Eloxalanlage aber nicht durch eine Brandstiftung. Vielmehr hatte offensichtlich ein Wasserrohrbruch in Verbindung mit den Chemikalien zum Ausbruch des verheerenden Brandes geführt. 

Ein unweit der Eloxalanlage befindlicher Aufzugschacht verstärkte dann noch den Kamineffekt, führte aber auch dazu, dass das Feuer eher punktuell bekämpft werden musste. Erschwert wurden die Löschversuche durch die Chemikalien, die unterschiedlich auf Wasser reagieren. „Ein Holzlager ist wesentlich einfach zu löschen, als eine solche Eloxalanlage“, sagte Frank Hinkelmann als stellvertretender Leiter der Feuerwehr bei der Brand-Nachbetrachtung. In Expertenkreisen rief der Brand der Eloxalanlage wenig Verwunderung hervor. 

„Es gib fast keine Eloxalanlage, die noch nicht gebrannt hat“, sagte ein der Redaktion bekannter Dura-Mitarbeiter. So gab es vor zwei Jahren auch im Dura-Werk in Portugal einen Großbrand im Bereich der Eloxalanlage.

Lesen Sie hier, wie die Feuerwehr den Einsatz erlebt hat

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