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Im Tiefflug über das Sauerland: Der Silberrücken-Kampfjet der Luftwaffe

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Von: Georg Dickopf

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Am Dienstag zuckten auf dem am höchsten gelegenen Punkt in Pungelscheid einige Bürger zusammen, als ein Kampfjet in zulässiger Höhe über das Wohngebiet donnerte. 

Lennetal - Auf Anfrage von come-on.de beim Luftfahrtamt der Bundeswehr gab es folgende Auskunft: „Die Auswertung der Radardaten zeigt ein Kampfflugzeug der Bundeswehr vom Typ Tornado. Das Luftfahrzeug flog im Übungsflugbetrieb südlich von Werdohl in westliche Richtung zum zeitweise reservierten Luftraum TRA Münsterland (ED-R 203). Dabei wurde um 14.43 Uhr Ortszeit der Bereich Pungelscheid in einer Höhe von 814 Fuß (circa 248 Meter) über Grund überflogen.“

Beanstandungen zur Flughöhe gab es offenbar nicht, was auch die Auswertung der Radardaten zeige. „Nach den uns vorliegenden Daten fand der Flug regelkonform und unter Beachtung der geltenden flugbetrieblichen Bestimmungen statt“, betonte der Sprecher des Luftfahrtamtes der Bundeswehr.

Tornado mit der Kennung „Ghost“

Nach unseren Recherchen handelte es sich um einen Tornado des Taktischen Luftwaffengeschwaders 33 in Büchel (zwischen Trier und Koblenz). Der dunkel wirkende Jagdbomber mit der Kennung Ghost, der im Tiefflug über Altena, Werdohl und Plettenberg donnerte, dient im Ernstfall dazu, im militärischen Tiefflug das gegnerische Luftraumkontrollradar zu unterfliegen und so einen Beschuss zu vermeiden.

Altersmäßig ist der Tornado eine Art Silberrücken im Luftraum und fliegt neben Büchel nur noch am Standort Jagel in Schleswig-Holstein (Taktisches Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“).

Im August 1974, also vor fast 50 Jahren, fand der Tornado-Erstflug in Deutschland statt. Seinerzeit war der Tornado PA-200 laut Aussage eines Mitarbeiters des Presse- und Informationszentrums der Luftwaffe „State of the art“ – also das Nonplusultra des militärischen Jagdflugzeugbaus.

Ein ECRE-Tornado und ein IDS-Tornado  vom Taktischen Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ in Jagel. Gut zu erkennen:  die verstellbaren Schwenkflügel des fast 50 Jahre alten Waffensystems, das in den 80er Jahren „State of the art“ war und demnächst ersetzt wird.
Ein ECRE-Tornado und ein IDS-Tornado vom Taktischen Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ in Jagel. Gut zu erkennen: die verstellbaren Schwenkflügel des fast 50 Jahre alten Waffensystems, das in den 80er Jahren „State of the art“ war und demnächst ersetzt wird. © Bundeswehr/Stefan Petersen

Verstellbare Schwenkflügel

Gebaut von den europäischen Industriekonzernen British Aircraft Corporation, Messerschmitt-Bölkow-Blohm und Fiat Aviazione wurde das Kampfflugzeug mit verstellbaren Schwenkflügeln konzipiert. Statt auf amerikanische Triebwerke setzte man auf Turbinen aus dem Haus Rolls Royce.

Das eingebaute Geländefolgerradar (TFR) ermöglicht auch bei schlechtem Wetter oder bei Nacht in Verbindung mit dem Autopiloten einen Tiefflug in 60 Metern Flughöhe über Grund – was damals einer Sensation glich und auch die Spionageabteilungen im Ostblock sehr aufmerksam werden ließ.

1981 erfolgte die Auslieferung des ersten Tornados an die Bundeswehr und nur wenige bezweifeln, dass der vielseitig einsetzbare Kampfjet auch über 40 Jahre später noch nicht ganz ausgedient hat. Allerdings ist das Ende nahe, denn Verteidigungsministerin Christine Lamprecht verkündete im März, dass das Waffensystem Tornado abgelöst wird. Aktuell verfügt die Bundeswehr über 93 Tornados. Nachfolger sollen 35 Exemplare des Mehrzweckkampfflugzeugs F-35 von Lockheed Martin werden.

Der Waffensystemoffizier - hier im Cockpit eines P200-Tornado - wird durch den in Zukunft geplanten Einsatz des einsitzigen F-35-Tarnkappenbombers  überflüssig..
Der Waffensystemoffizier - hier im Cockpit eines P200-Tornado - wird durch den in Zukunft geplanten Einsatz des einsitzigen F-35-Tarnkappenbombers überflüssig. © Bundeswehr/Oliver Pieper

F-35-Bomber ist nur noch einsitzig

Auf die Frage, wann die Umstellung genau geplant ist, hieß es, dass die Entscheidung final auf politischer Ebene getroffen werde und zudem noch keine konkreten Verträge vorliegen würden. Klar ist aber schon jetzt, dass der heute im zweisitzigen Tornado eingesetzte Waffensystemoffizier im neuen, einsitzigen F-35-Kampfjet keinen Platz mehr hat.

In naher Zukunft wird man über dem Himmel im Sauerland auch F-35-Kampfjets beobachten können.
In naher Zukunft wird man über dem Himmel im Sauerland nur noch F-35-Kampfjets (Foto) und Eurofighter beobachten können. Der bei der Luftwaffe geschätzte, aber veraltete Tornado geht bald in Rente. © Harald Tittel/DPA

Während es vom Tornado Aufklärer, Jäger und Jagdbomber gibt, soll der Tarnkappenbomber F-35 als neuer Super-Jet alle drei Funktionen in einem vereinen, weswegen auch weniger Flugzeuge notwendig sind. Stationiert werden sollen die Kampfflugzeuge nach Informationen unserer Zeitung auf dem Fliegerhorst Büchel, wo bis 2026 eine Sanierung der Start- und Landebahn geplant ist.

Bis der US-Kampfjet über das Sauerland fliegt, dürfte aber noch einige Zeit dauern. Eine Einführung bis 2025/26 wird bei Experten als äußert ambitioniert angesehen. Bis dahin wird man noch einige Eurofighter und Tornados beobachten können.

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