Heimische Schweinebesitzer haben Respekt vor Afrikanischer Schweinepest

Bis jetzt Schwein gehabt

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Markus Vickermann hat Platz für bis zu 1200 Schweine.

Plettenberg - Die Afrikanische Schweinepest ist auf dem Vormarsch – auch bei uns in Plettenberg hat man Respekt vor einer eventuellen Ausbreitung, vor allem diejenigen, die täglich mit Schweinen arbeiten. Sollte die Pest auf einem Hof festgestellt werden, müsste der gesamte Bestand getötet werden.

Die Afrikanische Schweinpest steuert über Osteuropa auf Deutschland zu. Sie ist zwar nicht für den Menschen gefährlich, aber für die Schweine. 

Der Deutsche Bauernverband fordert deshalb, mehr Wildschweine zu schießen. Ein unmittelbar vom Thema Betroffener ist Dirk Frommann, der etwa 2 000 Schweine auf seinem Hof in der Almecke in Plettenberg hält. „Das Risiko ist natürlich momentan sehr hoch“, so Dirk Frommann. Sein Familienbetrieb sei allerdings nicht so einem hohen Risiko ausgesetzt, wie evtl. andere, vor allem in anderen Regionen Deutschlands. „Ich kann mich an 2006 erinnern, da gab es im Rheinland ein paar Fälle. Das war aber eine Seuche, die woanders herkam“, erinnert sich der Schweinebesitzer. Allgemein könne die Afrikanische Schweinepest durch Arbeiter aus anderen Ländern in die Ställe gelangen, oder aber durch Wildschweine, die sich infiziert hätten. „Da wir ein reiner Familienbetrieb sind, gibt es bei uns erst einmal keine Bedenken. Bei uns kommt keiner so leicht in den Stall, und wir halten uns natürlich streng an Hygienevorschriften, alles wird ständig desinfiziert. Darauf muss man natürlich achten“, so Frommann im Gespräch mit unserer Zeitung. Hygiene wird auch bei Markus Vickermann aus Pasel groß geschrieben. Das aber nicht nur wegen der aktuell kursierenden Schweinepest. „Wir halten uns ganzjährig an die Hygienevorschriften, da wir ein zertifizierter Aufzuchtbetrieb sind. Das wird ständig vom Veterinäramt überprüft, deshalb könnten wir uns das gar nicht erlauben, mit der Hygiene fahrlässig umzugehen“, so der Paseler. Er betreibt gemeinsam mit seinem Vater einen Aufzuchtbetrieb für Ferkel und hat Platz für etwa 1200 Baby-Schweine. Er zieht die Ferkel auf, bis sie zwischen sechs und sieben Kilo wiegen, dann gehen sie in einen Mastbetrieb über. „Wir sind quasi ein Kindergarten für Schweine“, erklärt Vickermann seinen Beruf. „Natürlich denkt man im Moment öfter über das Thema Schweinepest nach und hat wirklich Respekt vor solchen Epidemien. Aber ich glaube im Osten und Norden Deutschlands ist es gefährlicher“, so Vickermann. Die Seuche verbreitet sich im Osten Europas, deshalb Vickermanns Schlussfolgerung. 

Er als Schweinebesitzer könne nur weiterhin den Hygienevorschriften folgen und darauf hoffen, dass die Pest sich nicht bis ins Sauerland ausbreitet. „Natürlich wird streng darauf geachtet, wer den Schweinestall betreten darf. Danach wird dann die Kleidung ausgetauscht, natürlich wird auch alles desinfiziert etc.“, erklärt er. Allgemein sei es bei ihm aber, wie auch bei Dirk Frommann, ein sehr überschaubarer Betrieb, da er auch rein von Familienangehörigen betrieben würde. Außerdem würden Tier- oder Futtertransporte nicht in die Nähe des Stalles vorfahren. „Gerade diejenigen Lkw, die auch andere Ställe anfahren, kommen natürlich nicht in die Nähe unseres Stalls. Darauf achten wir auch sehr streng. Auch um unser draußen stehendes Futtersilo haben wir einen Zaun gezogen, damit wilde Schweine nicht damit in Kontakt kommen könnten“, so der Paseler. Markus Vickermann sei sehr froh darüber, dass in Pasel rund um seinen Betrieb die Wildschweine aktuell sehr gut bejagt würden. 

„Die Jäger sind hier wirklich sehr aktiv und gehen ihrer Pflicht nach“ , so Vickermann, der sehr dankbar ist, dass versucht wird, die Population der Wildschweine in Schach zu halten. Hartmut Tengler, Hegeringsleiter aus Plettenberg, ist froh, dass die Schonzeit für Schwarzwild, worunter die Wildschweine fallen, bis 2021 erst einmal aufgehoben wurde. „Natürlich versuchen wir auch hier in Plettenberg, Schweine so gut es geht zu bejagen, um eine eventuelle Ausbreitung der Pest zu vermeiden. Leider hat man uns in der Vergangenheit von politischer Seite einige Steine in den Weg gelegt“, ist Tengler verärgert. Er spielt dabei auf das Nachtjagdverbot an, das vor einiger Zeit verhängt worden war. Da gerade das Schwarzwild nachtaktiv sei, mache es natürlich auch nur nachts Sinn zu jagen.

 „Es ist alles nicht so einfach. Erst durften wir nachts nicht mehr jagen, jetzt sollen wir so schnell wie möglich möglichst viel schießen“, so Tengler. Von der Pest ließen sich die Jäger jedoch erst einmal nicht aus der Ruhe bringen. „Wir jagen, so gut wir können. Aber natürlich ist das Ganze auch immer wetterabhängig und nachts auch nicht so einfach, ohne Nachtsichtgeräte“, so Tengler. Bislang seien diese in NRW verboten – allerdings sicherlich nicht mehr lange, so hofft zumindest der Hegeringleiter. Er sei allgemein sehr zufrieden mit der Jagd im vergangenen Jahr gewesen. 

Genaue Zahlen habe er noch nicht vorliegen, er schätze aber, dass rund 30 Prozent mehr als in 2016 geschossen worden sei. Die nächste große Jagd stehe für Hegeringsmitglieder und Freunde dann am ersten Februar-Wochenende an. Betitelt als „Fuchsjagd“ soll natürlich auch anderes, beispielsweise Schwarzwild, geschossen werden dürfen – außer führende Bachen (Wildschweinmütter), für die gelte ein Schießverbot. „Wir schießen nicht den Frischlingen die Mutter weg. Das geht nicht“, erklärt der Hegeringsleiter.

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