Alternativen zur Plastik-Einkaufstüte

Nähen und Stricken für den Umweltschutz: Sabine Kuschel zeigt, wie es geht

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Sabine Kuschel zeigt stolz eine ihrer selbst gehäkelten Taschen.

Plettenberg - „Make me, take me“ heißt frei übersetzt soviel wie: „Mach mich und verwende mich!“ Dieses Etikett befindet sich auf mehr als 10 000 Einkaufstüten. Die Plettenbergerin Sabine Kuschel verrät, was es mit diesem Schriftzug, der zur gleichnamigen Initiative gehört, auf sich hat.

Sabine Kuschel und eine Handvoll Plettenbergerinnen haben etwas gemeinsam: Sie lieben es zu stricken, zu nähen und zu häkeln und sind auch aus diesem Grund Anhängerinnen der Initiative Handarbeit. Es ist für sie aber nicht nur ein Hobby, sondern gleichzeitig schützen sie unsere Umwelt mit ihrer Fingerfertigkeit.

Der Initiative, die ursprünglich in den USA gegründet wurde und die letztes Jahr auch hierzulande ihre ersten Anhänger fand, gehören keinen festen Mitglieder an. Man macht einfach mit.

Es geht darum, Taschen aus Wolle zu häkeln oder zu stricken oder aus Stoff zu nähen und sie anschließend mit dem einheitlichen Etikett „Make me. take me“ zu versehen. Dieser Leitsatz soll die Gesellschaft aufrütteln – aufrütteln dazu, komplett auf Plastiktüten zu verzichten, um der Umweltverschmutzung entgegenzuwirken.

Sabine Kuschel ist eine der Plettenberger Botschafterinnen dieses Projekts und hat schon 8 Taschen mit dem „Make me, take me“- Etikett hergestellt. „Ich bin total erstaunt, wie viele sich der Initiative schon angeschlossen haben. Das Ziel war es anfangs, bis zum Ende des Jahres 10 000 Taschen deutschlandweit herzustellen. Diese Zahl ist jetzt im Mai schon erreicht“, freut sich Sabine Kuschel, die Feuer und Flamme für ihre selbst hergestellten Taschen ist. Bis zum heutigen Tag wurden schon 17 968 Etiketten angefordert.

Die Plettenbergerin hat ihre erste Tasche ihrer Freundin Nikola geschenkt: „Man soll die Taschen an diejenigen geben, die einem versprechen, zukünftig komplett auf Plastiktüten zu verzichten“, erklärt Sabine Kuschel den Hintergedanken der Initiative. Geld verdient sie mit ihren Beuteln nicht. Das Etikett dürfe nicht verkauft werden. „Theoretisch könnte ich es natürlich einfach nicht aufnähen und dann auf Basaren verkaufen – darum geht es mir aber nicht“, erklärt die Plettenbergerin. Sie mache das ausschließlich, um ein ausgeprägteres Bewusstsein für die Umwelt zu entwickeln und darauf hinzuweisen, dass jeder auf Plastiktüten verzichten kann, der es möchte.

Hobby und Umweltschutz vereint 

„Ich habe selbst Kinder. Was sollen wir Eltern denn sagen, wenn die uns einmal fragen, was wir denn so für unsere Umwelt getan haben?“, erklärt Kuschel ihre Intention. Außerdem würde sie für ihr Leben gern Handarbeiten – Hobby und Umweltschutz vereint: Das sei eine Win-Win-Situation.

Angefangen hatte alles damit, dass Sabine Kuschel auf der Suche nach neuen Ideen für ihre Schüler der Offenen Ganztagsbetreuung in Ohle war. „Ich biete Handarbeiten für die Schüler an und habe im Internet recherchiert, was es aktuell an Projekten und Möglichkeiten gibt. Dabei stieß ich auf „Make me, take me“ und war sofort begeistert“, erklärt sie.

Durch diese Initiative könne sie den Kindern des Offenen Ganztags gleichzeitig lehren, auf die Umwelt zu achten. „Ich erkläre dabei ganz viel über Umweltverschmutzung und was Plastik mit unserem Planeten anrichtet“, so Kuschel. Außerdem mache sie Kinder mit der Handarbeit vertraut, denn auch ihre Enkelin habe Spaß an der Nähmaschine gefunden, was sie persönlich super findet.

„Meine Kinder – alle um die 30 – haben gar keinen Bezug zur Handarbeit. Deshalb freut es mich umso mehr, wenn Kinder sich dafür interessieren“, sagt Kuschel. Sie selbst habe das Handarbeiten als Kind gehasst – insbesondere das Stricken. „Wir hatten das damals in der Schule. Da musste ich nachsitzen und Handschuhe stricken – das war ätzend“, erinnert sich Sabine Kuschel.

Durch die Großmutter wuchs dann nach und nach das Interesse an der Handarbeit wieder. „Mit 15 habe ich meine erste Tasche gehäkelt und dann zog sich das so weiter.“ Am Liebsten sitzt sie dabei draußen, es darf aber alternativ auch mal gemütlich vor dem Fernseher sein.

Ideen holt sich Sabine Kuschel meistens im Netz, auf Instagram und Facebook, wo sie auch mittlerweile ihren eigenen Account hat. Sie freut sich über viele Besuche auf ihren Social-Network-Seiten und den gemeinsamen Austausch – ob persönlich oder übers Netz. „Am liebsten bin ich aber beim Stricken, Häkeln oder Nähen für mich alleine“, verrät sie.

Im Durchschnitt verbraucht sie knapp 3 Knäuel Wolle und braucht zwei bis drei Abende für eine Tasche. Ihre Freunde und Bekannten dürfen jedenfalls gespannt sein, wer die 9. selbstgemachte Tasche von ihr bekommt und als Empfänger das Versprechen abgibt, auf Plastiktüten zu verzichten und den Umweltschutz mehr in sein Leben mit einzubeziehen.

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