Dringend notwendige Fällungen zwischen Plettenberg und Attendorn

Fällung des privaten Fichtenbestandes: Zahlt jetzt der Steuerzahler?

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Rund 60 stark geschädigte Fichten mussten am Freitag gefällt werden.

Kurzfristige Sperrung der Verbindung zwischen Plettenberg und Attendorn am Donnerstag: Zahlreiche, enorm geschädigte Fichten mussten gefällt werden, drohten sie doch, auf die vielbefahrene Landstraße zu stürzen (wir berichteten). Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt Wolfgang Hofmann, Baumkontrolleur von Straßen.NRW, dass nicht nur der Borkenkäfer Schuld am besonders schlechten Zustand der Bäume hatte. Für das kurzfristig notwendig gewordene Einschreiten des Landesbetriebs trügen auch die Besitzer des betroffenen Waldstücks eine Verantwortung.

„Kein Baum ist ein Menschenleben wert“, sagt Wolfgang Hofmann beim Blick auf den Steilhang zwischen der Malik-Kurve und dem Ortseingang Oesterau. Es ist ein trostloser Anblick, den der dortige Fichtenbestand bietet. Schwache Stämme ohne Äste, mit lichten Kronen und verfärbten Nadeln. Der Borkenkäfer hat hier ganze Arbeit geleistet. Hofmann: „Ein Jahr nach dem Befall sind die Bäume trocken.“

Derart vorgeschädigt, haben auch andere Baumkrankheiten wie die Braunfäule leichtes Spiel. Das regenarme Frühjahr gibt den Fichten den Rest. „Mehrmals sind hier schon Spitzen rausgebrochen – dann ist Gefahr im Verzug und wir müssen die Notbremse ziehen“, weiß Hofmann.

Die Meldungen der Streckenwarte hatten sich zuletzt gehäuft, eine umgestürzte Fichte hatte vor zwei Wochen die Feuerwehr geborgen und auf dem Grünstreifen am Straßenrand abgelegt. Beim nächsten Mal hätte ein Bus, ein Pkw oder ein Motorrad getroffen werden können. 

Ergo herrschte im Oestertal akuter Handlungsbedarf, drohte wie beim Erdrutsch im November 2016 eine längere Sperrung der Verbindung zwischen Plettenberg und Attendorn.

Doch diesmal war der Spuk schnell vorbei, denn bereits am Freitag rückten zwei Mitarbeiter der Firma MB Baumdienste aus Eppstein im Taunus mit einem Fällkran an, um den betroffenen Baumbestand zu fällen. 

„Das war ein Glücksfall“, sagt Wolfgang Hofmann, „normalerweise hätten sie erst in 14 Tagen Zeit gehabt.“ So aber ging die Aktion flott voran, war die Gefahr bereits kurz nach Mittag beseitigt.

Normalerweise hätte in dem betroffenen Abschnitt schon längst etwas passieren müssen. Das Problem für Straßen NRW: Die Bäume befinden sich in Privatbesitz. „Das sind vier Parzellen hier. Zwei Eigentümer sind aber offenbar verzogen oder nicht zu ermitteln“, weiß Hofmann. Ergebnis: Briefe, in denen die Eigentümer aufgefordert werden, die nicht mehr standsicheren Bäume zu entfernen, kommen zurück.

Irgendwann reißt dann der Geduldsfaden, muss das Land tätig werden, denn „oberstes Gebot ist die Verkehrssicherheit“, sagt Hofmann. Letzte Lösung ist dann das Fällen der Bäume. Die Kosten dafür werden den Eigentümern natürlich in Rechnung gestellt. Können sie aber nicht zahlen, muss der Steuerzahler einspringen.

Wolfgang Hofmann (2. von links) und seine Kollegen von Straßen.NRW waren glücklich, dass die Fällungen so spontan noch erfolgen konnten.


Dass das Interesse der Eigentümer an ihrem Besitz nicht allzu groß gewesen sein kann, zeigt der Zustand des Waldes: „Der ist total verwahrlost und nie gepflegt worden“ hat der Baumkontrolleur erkannt. Die knapp 60 Fichten, die der kräftige Fällkran aus Hessen mühelos abknipst oder die an unzugänglichen Stellen von den beiden Mitarbeitern abgesägt werden, liegen nach wenigen Stunden Arbeit quer im Hang.

„Das Holz gehört den Eigentümern und bleibt deshalb im Bestand. Aber das ist ein Totalschaden. Da tun die noch Geld bei“, weiß Hofmann, dass die Bäume allenfalls noch für die Pelletsproduktion Verwendung finden können.

„Jeder sollte sich um sein Eigentum kümmern und seinen Wald hin und wieder durchforsten lassen“, empfiehlt Hofmann. Ein Sturm sei höhere Gewalt, aber stürze einer dieser Bäume auf ein Fahrzeug und der Gutachter stelle fest, dass der Wald vorsätzlich nicht gepflegt wurde, werde wohl keine Versicherung einspringen, um den entstandenen Schaden zu begleichen.

Währenddessen beendet der Fällkran, der selbst auf 23 Meter Länge ausgefahren noch eine Tonne heben kann, seine Arbeit im Hang. Der Trupp von Straßen NRW beginnt, mit Laubbläsern den Straßenabschnitt zu säubern, damit die L 697 wieder für den Verkehr freigegeben werden kann. Eines aber scheint klar: Es dürfte nicht der letzte Einsatz an der Oestertalstraße gewesen sein.

„Jetzt sind die Randfichten, die alles zusammenhalten, weg, bald kommen die nächsten Bäume dran“, kann Wolfgang Hofmann schon jetzt mit geschultem Blick erkennen, dass der Borkenkäfer sein zerstörerisches Werk fortsetzen wird – wahrscheinlich auch dann noch, wenn das Coronavirus längst überwunden ist.

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