1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Plettenberg

Einmal ein Dummy sein: Feuerwehr-Übung aus der Opfer-Sicht

Erstellt:

Von: Dirk Grein

Kommentare

Hundeführerin Katharina Jakob (links) belohnt Jasper mit Leckerchen aus der Dose: Der Rettungshund hat alle Opfer auf dem Gelände des alten Bauerhofes entdeckt.
Hundeführerin Katharina Jakob (links) belohnt Jasper mit Leckerchen aus der Dose: Der Rettungshund hat alle Opfer auf dem Gelände des alten Bauerhofes entdeckt. © Grein

Perspektivwechsel bei Blaulicht: Nicht nur als Berichterstatter verfolge ich am Freitag die erste gemeinsame Übung der Feuerwehr-Löschgruppe Holthausen mit der BRH-Rettungshundestaffel Märkisches Sauerland. Bei dem simulierten Brand erfahre ich als Opfer, wie eine Personenrettung mit Hilfe von Vierbeinern erfolgt.

Plettenberg - Als Übungsgelände ist der einstige Bauernhof Schulte in Köbbinghausen ausgewählt worden. In einem dortigen Stall soll ein Feuer ausgebrochen sein. Dieses simulieren Lisa Vedder (Rettungshundestaffel und Feuerwehr) und Andre Scheermann (Rettungshundestaffel) mit einer Nebelmaschine: Schon nach wenigen Minuten dringt der erzeugte Nebel aus den Ritzen des alten Gebäudes und breitet sich auf dem Gelände oberhalb des Königssees aus.

Als die alarmierte Löschgruppe Holthausen eintrifft, rennt ihnen Andre Scheermann entgegen und schildert die Ausgangslage: Zwei Personen befinden sich im Stall, in dem das Feuer ausgebrochen ist, drei weitere sind geflüchtet – mindestens eine davon verletzt. Rasch bringen sich die Einsatzkräfte in Stellung, bauen einen Löschangriff auf. Mehr bekomme ich von dieser Stelle nicht mit, denn Andre Scheermann signalisiert mir: „Jetzt geht es los.“

Feuerwehr-Übung: „Wie lange muss ich hier wohl sitzen?“

Zunächst verstecke ich mich zwischen Sträuchern hinter dem einstigen Wohnhaus. Dort höre ich, dass weitere Fahrzeuge eintreffen: Mitglieder der Rettungshundestaffel erhalten umgehend die Einsatzbeschilderung. Kurz darauf bringt mich Andre Scheermann zu einer Wiese unterhalb des Stalls. „Wie lange muss ich hier wohl sitzen, bis mich jemand findet?“, frage ich mich beim Blick auf das weitläufige Gelände.

Doch es dauert nur wenige Minuten, da höre ich auch schon die Glocken läuten. Diese sind am Geschirr von Rettungshund Jasper befestigt. Dieser erhält, während er das Geäst oberhalb „meiner“ Wiese erkundet, immer wieder Anweisungen. Die Glocken samt Vierbeiner kommen näher und schon bald rennt der Magyar Viszla (Ungarischer Vorstehhund) an mir vorbei, blickt sich kurz um, rennt zurück in Richtung Hundeführerin und dann zu mir. Knapp 50 Zentimeter vor mir bleibt Jasper stehen und bellt ohne Unterbrechung. Er weicht kein Stück zurück und verstummt erst, als Besitzerin Katharina Jakob neben ihm steht.

„Das hast Du gut gemacht“, sagt die ausgebildete Hundeführerin zu ihrem Schützling, dem sie umgehend das Geschirr samt Glocken abnimmt – das ist das Signal für den Vierbeiner: „Einsatz beendet.“ Rasch erkundigt sie sich nach meinem Wohlbefinden und Suchtrupphelferin Ann-Kathrin Grob gibt eine Rückmeldung per Funk an die Einsatzleitung weiter.

Jasper tollt derweil mit seinem Spielzeug herum. Wie konnte er mich so schnell finden? Katharina Jakob verrät mir, dass sie zunächst Babypuder ausgestreut hat, um die Richtung des Windes bestimmen zu können. Diese sei entscheidend dafür, wie der Hund die Witterung aufnimmt. Ganz wichtig sei es, dass Jasper ausreichend zu trinken erhält: „Denn nur mit feuchter Nase kann er die Witterung aufnehmen.“

Nach einem kräftigen Schluck aus seiner Pulle geht es für Jasper und sein Team weiter; noch werden zwei Personen vermisst. Ann-Kathrin Grob zeigt eine Karte und gibt die Richtung vor. Jasper, nicht zu überhören aufgrund des umgelegten Glocken-Geschirrs, arbeitet in Kreisen, kehrt immer wieder zu seinem Suchtrupp zurück.

Verletzter Junge liegt unter Heuballen

Rasch entdecken wir einen zweiten Stall. Darin ist es duster, doch der Rettungshund geht voran. Hinter einigen Heuballen entdeckt er die beiden Personen: Erneut bellt er und lockt somit seine Begleiter zu sich. Per Funk wird die Feuerwehr herbeigerufen, die einen verletzten Jungen per Trage zum Rettungsdienst befördert.

Jasper hat zu diesem Zeitpunkt wieder seine Belohnung erhalten. „Ich bin sehr zufrieden mit ihm“, erzählt Katharina Jakob. Der Rettungshund habe sich sehr gut führen lassen, die Befehle umgesetzt und sämtliche Anforderungen erfüllt. Während mit Leo ein zweiter Rettungshund zum Einsatz kommt, erhält Jasper eine verdiente Pause. „Der ruht sich jetzt ein wenig aus – und spätestens in einer halben Stunde fordert er mich zur nächsten Gassirunde auf“, lacht Katharina Jakob.

Das leistet die Rettungshundestaffel Märkisches Sauerland

Vermisste demente Person, verirrter Pilzsucher, geflüchteter Jugendlicher nach der Zeugnisübergabe: Das sind mögliche Einsatzbereiche für die Rettungshundestaffel Märkisches Sauerland. Diese besteht aus 15 Mitgliedern und drei geprüften Hundeteams (zwei peilen ihre Prüfung im Oktober an). Die Ausbildung für Mensch und Tier dauert in der Regel zwei bis drei Jahre. Inhalte sind – für Zweibeiner – Erste Hilfe, Orientierung im Gelände und Sprechfunk. Vierbeiner legen zunächst eine Begleithundeprüfung ab, bei der Gehorsam und Umweltsicherheit gefordert werden; später kommen Such- und Gerätearbeit hinzu.

Auch interessant

Kommentare