System scharfgestellt

Reichen 90 Minuten Parkzeit am Einkaufszentrum? Die Meinungen sind gespalten

Damit die maximale Parkdauer auf dem Parkplatz des P-Center eingehalten wird, sollen die Kennzeichen künftig digital erfasst werden.
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Damit die maximale Parkdauer auf dem Parkplatz des P-Center eingehalten wird, sollen die Kennzeichen künftig digital erfasst werden.

Scharf gestellt sind die Kameras und damit auch die automatische Kennzeichen-Erfassung am Hit-Parkplatz bereits seit Monatsbeginn. Bis bei Verstößen gegen die Maximalparkdauer von 90 Minuten auch Bußgelder erhoben werden, wird es allerdings noch dauern. Die Kritik, vor allem an dem Zeitfenster zum Einkaufen, reißt indes nicht ab.

Plettenberg – „Ich finde das ist eine absolute Frechheit“, macht Gerhard Kunde gegenüber dem Süderländer Tageblatt seinem Ärger Luft. „Wir kommen extra aus Herscheid nach Plettenberg. Das macht dann keinen Sinn mehr, wenn man nur 90 Minuten parken kann. Dann fahre ich lieber nach Lüdenscheid.“

Er fragt sich, ob er nach Ablauf der anderthalb Stunden vom Parkplatz runter und direkt wieder drauffahren könne, wenn er länger parken wolle. Er befürchtet, dass die Geschäfte infolge der neuen Regelung pleitegehen könnten. Die Zeit zum Einkaufen reiche einfach nicht. „Wenn der Hit-Markt voll ist und man danach noch in den Drogeriemarkt will, was macht macht man dann?“

Auch in puncto Datenschutz ist Kunde bei der Kennzeichenerfassung skeptisch und befürchtet, dass Daten in falsche Hände geraten und missbraucht werden könnten.

Ein Grundproblem aus seiner Sicht: „Es gibt in Plettenberg nicht viele Möglichkeiten zu parken.“ Nicht nur am Hit-Parkplatz, sondern seit vergangenem Jahr bereits am Action-Markt werden die Kennzeichen automatisch erfasst. Wenn beispielsweise ein Arztbesuch anstehe, reiche das knapp bemessene Zeitfenster nicht aus: „Soll ich dann jedes Mal 19 Euro zahlen? Das ist Geldmacherei.“ Aus seiner Sicht könneman dann an den Parkplätzen auch Schranken einrichten.

Auch Marianne Damm ist gegen die neue Regelung am Hit-Parkplatz. „Das finde ich nicht richtig, da läuft etwas falsch“, sagt die 69-Jährige. Ihrer Meinung nach reichen 90 Minuten zum Einkaufen nicht aus.

Und dabei geht es noch nicht einmal darum, mehrere Geschäfte besuchen zu wollen. Damm ist – wie viele andere ältere Mitbürger – in ihrer Mobilität eingeschränkt. „Ich habe eine Behinderung und brauche einen Rollator.“ Wenn dieser beim Einkauf aus dem Kofferraum geräumt und später wieder hineingeräumt werden müsse, koste das auch Zeit. „Das haut dann mit 90 Minuten nicht hin“, sagt Damm. Und wie ihr gehe es auch anderen Menschen, die ebenfalls mit Rollator oder Rollstuhl unterwegs sind.

„Auch ältere Menschen möchten nach draußen und in die Geschäfte“, sagt sie. Oder im Anschluss im Café am Hit-Markt noch kurz mit Bekannten bei Kaffee und Kuchen zusammensitzen. Auch dafür bliebe dann bei den 90 Minuten keine Zeit mehr. „Ich darf nur schnell einkaufen und soll wieder verschwinden“, sagt Damm.

Für einen Einkauf nur im Hit-Markt könnten die 90 Minuten noch ausreichen, aber wenn man noch in anderen Geschäften einkaufen wolle, dann sei dieses Zeitfenster etwas knapp, findet Dörte Kaul-Hentschel, Vorsitzende der Plettenberger Seniorenvertretung. „Wir Senioren sind ja nicht mehr so wahnsinnig schnell“, sagt Kaul-Hentschel.

Auch nach Meinung ihrer Stellvertreterin Giesela Werda sei gerade im Alter die Erledigung der Einkäufe für viele Menschen beschwerlich sei. Und häufig solle nicht nur ein Geschäft besucht werden. „Ich kann nicht einfach die Parkscheibe weiterdrehen wie vorher, wenn ich noch Schuhe kaufen, in den dm oder mit Freunden einen Kaffee trinken will“, sieht Werda einen Nachteil in der automatischen Kennzeichenerfassung.

An diesem neuen System an sich könne man leider nichts ändern. Der Grund für dessen Einführung seien wohl die vielen Dauerparker. Eigentlich seien die Parkplätze an der Waskebieke für das Einkaufen in den dortigen Geschäften gedacht.

Sowohl Kaul-Hentschel als auch Werda würden sich dennoch wünschen, dass eine längere Parkdauer möglich ist. Denn selbst der Trick, vom Parkplatz herunter und wieder drauf zu fahren, sei für Senioren beschwerlich, meint Kaul-Hentschel: „Schön ware es, wenn man die Parkzeit auf zwei Stunden erhöhen könnte.“

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