Am Montag soll es wieder los gehen

Kitas vor dem Regelbetrieb: Vorfreude auf die Kinder, Fragen an die Politik 

DRK-Familienzentrum Plettenberg
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Mit dem eingeschränkten Regelbetrieb in den Kitas, hier eine Archivaufnahme aus der DRK-Kita Anneliese Pfeiffer, werden manche Eltern sicher wieder etwas entlastet. Auch bei den Erzieherinnen herrscht Vorfreude auf die Kinder, in die sich jedoch auch Enttäuschung über die Politik mischt.

Wie von NRW-Familienminister Joachim Stamp angekündigt, können ab Montag wieder alle Kinder in Kitas und Tagespflege betreut werden. In den Plettenberger Kitas freut man sich zwar auf die Rückkehr der Kinder, sieht an einigen Stellen aber Verbesserungspotenzial.

Plettenberg - „Wir freuen uns, dass alle Kinder wiederkommen können“, sagt Ilka Trauzettel, Leiterin des Familienzentrums Eschen. Die Vorgaben vom Land seien dabei ganz klar: „Ab Montag besteht eingeschränkter Regelbetrieb und es sind wieder alle Kinder eingeladen, zu kommen.“

Trotz der Vorfreude auf die Rückkehr der Kinder bestehe bei den Mitarbeitern weiterhin eine große Unsicherheit, berichtet die Kita-Leiterin. „Der Schutz der Mitarbeiter ist nach wie vor nicht gut geregelt.“ Zwar sind Schnelltests angekündigt, aber bis sie in den Einrichtungen zur Verfügung stehen, müssten sich die Mitarbeiter individuell um Termine für CoronaTests bei ihren jeweiligen Hausärzten bemühen.

„Eigentlich müsste jemand zu uns kommen und uns testen“, sieht sie die zuständigen Behörden diesbezüglich in der Bringschuld. Trauzettel hofft aber, dass sich in puncto Testungen noch etwas ändert.

Bereits im bislang geltenden eingeschränkten Pandemiebetrieb wurden 40 bis 50 Prozent der Kinder in die Einrichtung gebracht, der Rest von den Eltern zu Hause betreut. „Die Eltern haben sich wirklich bemüht, zu Hause diesen Job zu übernehmen und den Mehraufwand, Kinder im Homeschooling und dazu Kita-Kinder zu betreuen, gemeistert.“ Deswegen sei der eingeschränkte Regelbetrieb ab Montag auch gut für die Familien.

Mit dem eingeschränkten Regelbetrieb müssen die Kinder aber weiterhin in getrennten Gruppensettings betreut werden. Gruppenübergreifendes Arbeiten, wie es unter normalen Bedingungen im Mittagsund Nachmittagsbereich stattfinden würde, sei nicht möglich. Und das bedeute einen organisatorischen Mehraufwand, wie Trauzettel erklärt. Deshalb sei es auch sinnvoll, den Betreuungsumfang um jeweils zehn Stunden zu reduzieren. „Nur so können wir das personell abdecken“, sagt die Leiterin des Familienzentrums.

„Ich bin froh, dass für die Kinder und auch die Familien wieder ein bisschen Normalität einkehrt“, sagt Karin Florath, Leiterin der Katholischen Kita St. Laurentius. Es sei wichtig, dass die Kinder wieder soziale Kontakte in der Kita hätten. „Das steht an oberster Stelle und darüber freuen wir uns sehr.“

Was eine weitere Öffnung der Kitas angeht, die über den eingeschränkten Regelbetrieb hinaus geht, ist sie skeptisch. „Solange die Erzieherinnen nicht geimpft sind, ist es schwierig, alles wieder normal laufen zu lassen, denn wir haben wirklich einen engen Kontakt zu den Kindern, ob beim Trösten, Spielen oder Wickeln.“

Organisatorisch bleibe es schwierig, weil durch Mitarbeiter mit eigenen Kindern, die auch die Kinderkrankentage in Anspruch nehmen, das Personal mitunter knapp werden kann.

Geändert habe sich durch die Ankündigung von Familienminister Stamp nicht viel. Bis auf den Appell, Kinder zu Hause zu betreuen, der nun entfalle, bleibe es eigentlich wie bisher, so Florath. 30 bis 40 Prozent der Kinder habe man ohnehin schon in der Betreuung. Dadurch, dass in den bestehenden drei Gruppensettings weitergearbeitet werde, könnten leider auch keine gruppenübergreifenden Aktivitäten stattfinden. „Gerade für die Vorschulkinder, mit denen wir sonst gemeinsame Aktionen gemacht haben, ist das schade“, sagt sie.

Der eingeschränkte Normalbetrieb gilt erst einmal bis zum 8. März. Wie es danach weitergeht, hängt auch von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab. Kita-Leiterin Florath hofft, dass die Infektionszahlen weiter sinken und es durch Corona-Mutationen nicht dazu kommt, dass man wieder von vorne anfangen müsse.

Dass ab Montag wieder mehr Kinder in die Kita dürfen, damit habe man schon vor der Ankündigung des Familienministers gerechnet, sagt Diana Neuhaus, Leiterin der DRK-Kita „Anneliese Pfeiffer“ in Ohle. „Das war abzusehen.“ Bereits jetzt würden 45 Prozent der Kinder in der Kita betreut, deswegen vermute man, dass am Montag bis auf wenige Ausnahmen wieder alle Kinder in die Kita gebracht würden.

Auch sie sieht mögliche personelle Engpässe. „Vielleicht wurde nicht bedacht, dass auch Erzieher Kinder haben und Kinderkrankentage nehmen“, sagt sie. Wenn Kinder an einem Tag für sieben Stunden betreut werden, aber die Mitarbeiter nach sechs Stunden eine Pause machen müssten, fehle Personal zum Wechseln. Probleme sieht Neuhaus auch in der Kürzung des Betreuungsumfangs um jeweils zehn Wochenstunden. „Das ist schwierig für Familien, die die 45 Stunden gebucht haben und darauf angewiesen sind.“ Die müssten dann für die restliche Zeit wieder eine anderweitige Betreuung der Kinder, etwa durch die Großeltern, organisieren. „Das wurde in dem Konzept leider nicht bedacht“, findet Neuhaus.

Dabei hätte man diese Problematik wissen können, denn im vergangenen Sommer stellte die Kürzung des Betreuungsumfangs für Eltern ebenso ein Problem dar. „Da hätte man im Vorfeld vielleicht eine andere Lösung finden können.“ Ansonsten überwiege aber die Freude darüber, dass die Kinder wieder in die Kita können. Für die Familien sei es eine Entlastung. Viele Kinder hätten keine große Wohnung oder Geschwister zum Spielen. Manche Eltern würden sich auch Gedanken darüber machen, ob Vorschulkinder in der Zeit des Lockdowns viel verpasst oder verlernt hätten. „Die Kinder und auch die Eltern freuen sich, dass die Kinder wieder hier sein können und soziale Kontakte haben.“

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