Rechtsextremistische Vorwürfen gegen 29 Beamte im Ruhrgebiet

„Ein Schlag ins Gesicht für jeden Polizisten“

Polizeiwache in Mülheim/Ruhr
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Fast alle Verdächtigen seien Polizisten der Wache in Mülheim/Ruhr.

Marcel Dilling ist erkennbar in Rage. Seine Aussagen sind deutlich, seine Empörung groß. „Das ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Polizisten“, sagt er zu den rechtsextremistischen Vorwürfen gegen 29 Beamte, die am Mittwoch im westlichen Ruhrgebiet nach der Durchsicht eines Beamten-Handys aufgeflogen sind.

„Wir sind genau so sprachlos wie der Innenminister“, sagt Marcel Dilling, der für die 600 Polizeibeamten im Märkischen Kreis spricht. Er verdeutlicht: „Wir tolerieren so etwas nicht.“ Bilder von Adolf Hitler, von Hakenkreuzen, Reichskriegsflaggen und einem Flüchtling in einer Gaskammer sollen über WhatsApp-Gruppen ausgetauscht worden sein. Nicht nur der NRW-Innenminister Herbert Reul ist seitdem erschüttert.

Dass solche Fälle auch anderswo auftreten könnten, womöglich sogar im Märkischen Kreis, könne nicht ausgeschlossen werden, weil die Polizei „nun mal einen Querschnitt der Gesellschaft darstellt“, sagt Dilling. „Aber sollten wir Wind davon bekommen, werden wir mit der gleichen Konsequenz dagegen vorgehen. Rechtsextremisten haben bei uns nichts zu suchen.“

Rechtsextremismus bei der Polizei: Der Ruf ist dahin

Der Ruf der Polizei wird durch die Vorkommnisse in Nordrhein-Westfalen trotzdem leiden – das befürchtet auch Dilling. Auf Twitter und Facebook erreichten auch die Polizei im Märkischen Kreis schon erste Pauschal-Vorwürfe von Internetnutzern. Die Beamten müssen und werden sich nach den Vorwürfen damit auseinander setzen. Der Vertrauensvorschuss, den die Polizei nach Ansicht von Marcel Dilling in der Bevölkerung zu Recht genieße, weil „der Großteil eine super Arbeit leistet“, sei nun womöglich erst einmal dahin.

Wer die Reaktionen der Bevölkerung nicht nur im Internet, sondern auch bei Gesprächen auf der Straße beobachtet, kann das erschütterte Vertrauen in die Polizei bestätigen. Erst vor knapp zwei Wochen äußerte sich der Plettenberger Han Kayemba, selbst dunkelhäutig, in einem Zeitungsinterview auf die Frage nach Rassismus und Polizeigewalt in Deutschland, dass er sich „mit der Polizei sicher fühlt“. Als er nun die Meldungen über die offenbar rassistischen Polizisten aus Nordrhein-Westfalen hörte, traute er seinen Ohren nicht.

„Ich bin empört und erschrocken“

„Das ist der Wahnsinn“, sagte Kayemba gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. „Ich bin empört und richtig erschrocken. Wenn das bei den Polizisten schon anfängt, dann muss sich niemand wundern, wenn sich das auch auf die Bevölkerung spiegelt“, äußert er die Befürchtung, dass rassistische Aktionen womöglich auch im alltäglichen Umgang auf der Straße zunehmen könnte. Dabei hofft er genau auf das Gegenteil und will auch in Zukunft noch sagen können: „Ich fühle mich hier wohl und sicher.“

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