Nach Streit um P-Center:

Warum Plettenberger gegen Einkaufscenter in Nachbarstadt sind

So soll das neue Wallcenter in Attendorn aussehen.
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So soll das neue Wallcenter in Attendorn aussehen.

Der Stachel sitzt noch tief. Als die Kommunalpolitiker in Attendorn vor zwei Jahren die Eröffnung des Modeparks Röther in Plettenberg massiv verzögerten und wegen der befürchteten Auswirkungen auf den eigenen Einzelhandel eine deutliche Verkleinerung der Verkaufsfläche per Gerichtsverfahren durchsetzten, war es mit den guten nachbarschaftlichen Beziehungen erst einmal vorbei. Doch wie reagieren die Plettenberger zwei Jahre später darauf?

Und auch heute – rund zwei Jahre später – scheint der Streit nicht vergessen zu sein, denn als es in der letzten Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses um die sogenannte Bauleitplanung benachbarter Kommunen ging, meldeten nahezu alle Fraktionen ihren Einspruch beim Vorhaben der Stadt Attendorn an. Einfach abnicken wollte das Vorhaben niemand.
Dass in Neuenrade ein Lebensmittelmarkt gebaut wird und in Finnentrop Wohngebiete entstehen sollen, interessierte dabei offensichtlich deutlich weniger.

Jan Koopmann aus dem städtischen Planungsamt stellte klar, dass die Stadtverwaltung Plettenberg im Zuge des vorhabenbezogenen Bebauungsplans Wallcenter in Attendorn bereits Bedenken geäußert habe, weil man Auswirkungen auf die Kaufkraft befürchte.

Diese Übersicht zeigt, welche Verkaufsflächen der Einzelhandel in Plettenberg, Attendorn und Finnentrop hat.

Im besagten Wallcenter an der Bahnhofstraße in Attendorn soll ein 2 100 Quadratmeter großer Lebensmittelmarkt (Rewe, Edeka oder HIT), ein 1 250 Quadratmeter großerer Drogeriemarkt (Drogeriemarkt Müller), ein Textildiscounter auf 500 Quadratmetern (Kik) und eine Apotheke auf 120 Quadratmetern entstehen.

Niedriger Kaufparkabfluss

Laut Koopmann sei lediglich im Bereich des Drogeriemarktes ein Kaufkraftabfluss von 500 000 Euro berechnet worden, was maximal fünf Prozent Kaufkraftverlust für Plettenberg bedeute. „Relevant wird es aber erst ab zehn Prozent. Deshalb können wir keine weiteren Bedenken vortragen“, betonte Koopmann. Eine stärkere Einflussnahme des Plettenberger Stadtrates auf das Vorhaben, das auf dem Gelände des ehemaligen Busbahnhofs umgesetzt werden soll, ist daher nicht mehr möglich.

Die im Auftrag der Stadt Attendorn durch das in Plettenberg bekannte Büro GMA erstellte Auswirkungsanalyse zeigt sogar, dass die Nachbarstadt Attendorn der Stadt Plettenberg in Sachen Einkaufsmöglichkeiten und Flächen auch nach der Umsetzung des Wallcenters noch deutlich hinterherhinkt. Ob im Bereich Drogerie, Nahrungsmittel oder Bekleidung: Die Kennzahlen der Hansestadt liegen deutlich unter den Plettenberger Werten. Laut der GMA-Auswirkungsanalyse gibt es in den Städten Attendorn, Finnentrop und Plettenberg insgesamt rund 45 000 Quadratmeter Verkaufsfläche in den drei Kernsortimenten (Nahrungs- und Genussmittel, Gesundheit und Körperpflege sowie Bekleidung.) Die Stadt Plettenberg beansprucht mit 23 600 Quadratmetern mehr als die Hälfte des Gesamtgebietes und liegt in allen Kernsortimenten deutlich vor Attendorn und Finnentrop.

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