Rettung aus der Dose

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Barbara Teichmann, Geschäftsführerin des Plettenberger Krankenhauses, überreichte an Vertreter der Feuerwehr und an Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel (re.) insgesamt 2 000 Notfalldosen.

Welche Medikamente nimmt der Patient? Hatte er kürzlich eine OP? Diese und weitere Fragen stellen sich Rettungskräfte während eines medizinischen Notfalls. Die wichtigen Notfalldaten sind für die Helfer oft nur schwer oder gar nicht auffindbar – doch eine kleine, unscheinbare Dose könnte jetzt zum Lebensretter werden.

„Wir haben schon unsere Hemmungen, in Privatem zu stöbern. Wir schauen bei Einsätzen, ob die Informationen irgendwo offen liegen – in Schubladen oder Ähnlichem wühlen wir nicht“, erklärt Christian Koronika von der Plettenberger Feuerwehr. Dabei sei es für die Helfer beispielsweise extrem wichtig zu wissen, welche Medikamente der Patient regelmäßig einnimmt, um Komplikationen mit während des Notfalls verabreichter Medizin vermeiden zu können.

Die meisten Menschen hätten ihren Medikamentenplan, ihren Impfpass, die Patientenverfügung oder Ähnliches in Schubladen und Schränken verstaut. Und da die Wohnsituation – gerade bei älteren Bürgern – immer mehr zu Einzelpersonenhaushalten tendiert, gebe es häufig auch keine Angehörigen mehr, die zuverlässig Auskunft über notfallrelevante Daten geben könnten.

Eine kleine, grün-weiße Dose soll die Lösung des Problems sein: Die sogenannte Notfalldose wird mit allen wichtigen Daten gefüllt und in die Tür des Kühlschranks gestellt. „Auf diese Weise erhalten die Notfalldosen einen fixen Aufbewahrungsort und können in jedem Haushalt sofort gefunden werden“, erklärt Thorsten Spiegel vom Ordnungsamt, der am Montag gemeinsam mit Vertretern der Feuerwehr die Spende von 2 000 dieser Dosen entgegengenommen hat.

Gespendet wurden diese Dosen von der Radprax-Krankenhaus Plettenberg GmbH. Deren Vertreterin, Geschäftsführerin Barbara Teichmann, zeigte sich begeistert vom System der Notfalldose: „Das ist eine richtig tolle Sache, die auch die Weiterbehandlung im Krankenhaus nach einem Notfall sehr erleichtern wird.“

An der Innenseite der Wohnungstür wird ein Aufkleber angebracht, der die Rettungskräfte darüber informiert, dass sich eine Notfalldose im Kühlschrank befindet. Befüllt wird die Dose unter anderem mit dem aktuellen Medikamentenplan, etwaigen Verfügungen, Informationen zu Vorerkrankungen und den Daten von Angehörigen beziehungsweise Ansprechpersonen. „Wichtig ist für uns auch immer wieder, über mögliche Allergien Bescheid zu wissen oder aber die Kontaktdaten des Hausarztes zu haben“, ergänzt Koronika.

Diese Informationen seien im Notfall besonders wichtig. Denn mit diesem Wissen sei es weitaus einfacher und sicherer, eine Verdachtsdiagnose zu erstellen und eine Sofortbehandlung gezielt durchzuführen. „Auch lässt sich hierdurch in einigen Fällen die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen weiter reduzieren“, sagt Spiegel.

Nicht zu unterschätzen seien jedoch weitere Effekte der Dose. „Haben die Menschen diese Notfalldose erstmal, beginnen sie damit, ihre Sachen zu sortieren“, erklärt Koronika. Allgemein sei es sehr wichtig, die Notfalldose beziehungsweise deren Inhalt zu pflegen. „Natürlich müssen Angaben zu Medikamenten oder Ansprechpartnern immer auf dem Laufenden gehalten werden. Die Dose ist nur so gut wie ihre Aktualität“, sagt Koronika. Ein weiterer positiver Aspekt: Vielen würde erst über die Pflege der Notfalldose bewusst werden, wie ihre Medikamente heißen. „Außerdem haben die Menschen so immer ihre Daten parat – selbst für eine geplante Operation“, erklärt Koronika.

Die Notfalldosen, die mit Hilfe der Spende der Radprax Krankenhaus Plettenberg angeschafft werden konnten, sollen voraussichtlich ab kommenden Freitag, 22. Juni, in den Plettenberger Apotheken bereit liegen. 2 000 dieser Dosen sollen zunächst bestellt und kostenlos an Interessierte verteilt werden. Auch am Empfang des Krankenhauses, bei der Seniorenvertretung und an der Rathaus-Information sind die Notfalldosen zu haben. Die Bürger werden um Verständnis gebeten, dass jeder Abholer maximal zwei Dosen ausgehändigt bekommen kann, damit möglichst viele Bürger von dieser Aktion profitieren können.

„Wir schauen jetzt, wie die Aktion angenommen wird. In naher Zukunft könnten dann auch weitere Notfalldosen bestellt werden“, sagt Teichmann. Denn die kleine, grün-weiße Dose kann im Fall der Fälle ein echter Lebensretter sein.

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