Pumpspeicherkraftwerk Rönkhausen: Wie seit 50 Jahren grüner Strom erzeugt wird

Wo steht das blaue Kraftwerk, das auch beim totalen Stromausfall läuft?

+
Auf über 500 Meter Höhe liegt das frei zugängliche und sehenswerte Oberbecken des Pumpspeicherkraftwerks Rönkhausen.

Plettenberg – Wer an Kraftwerke in Deutschland denkt, der sieht vor seinem inneren Auge riesige Kohlebagger oder Kühltürme von Atommeilern, Castor-Behälter und Demonstranten, die sich an Bäume ketten. Das Pumpspeicherkraftwerk, das nur 15 Kilometer von Plettenberg entfernt liegt, sorgt für andere, idyllische Bilder. Es arbeitet mit Wasserkraft, wird von manchen Spaziergängern als das „Juwel des Sauerlandes“ bezeichnet und ist sicher eines der beliebtesten Kraftwerke in der gesamten Region.

Und auch wenn das 50-jährige Jubiläum und Bestehen im letzten Herbst eher still und leise mit den Bewohnern der benachbarten Ortslage Glinge gefeiert wurde, gibt es bei der Mark-E viele Gründe, stolz zu sein. Stolz auf die heute noch herausragende Ingenieurs-Leistung beim Bau der Anlage im Jahr 1969. Stolz auf die immer noch sehr robuste Technik und auf ein Kraftwerk, das zwar mitten in der Natur erbaut wurde, sich aber heute harmonisch in die Landschaft einfügt und insbesondere mit dem touristisch aufgewerteten Oberbecken zum echten Ausflugsziel geworden ist. 

„Als das Kraftwerk vor 50 Jahren gebaut wurde, diente es zur Abdeckung von Lastspitzen in der Mittagszeit, wenn gekocht wurde“, erklärte Betriebsleiter Jörg Klages. Die Lastspitzen, also die Zeiten mit dem höchsten Stromverbrauch, haben sich heute weiter in den Nachmittag verschoben. Die höchsten Werte werden zwischen 11 und 14 Uhr und in der dunklen Jahreszeit zwischen 16 Uhr und 19 Uhr erreicht. 

„Ein Pumpspeicherkraftwerk ist die Speerspitze der Energiewende“, sagt Dr. Arndt Bohrer, Abteilungsleiter für Regenerative Energien bei der Mark-E. Neben dem Pumpspeicherwerk ist er auch beim Ausbau der Windkraftanlagen im Thema, „doch bei dem Thema, weiß leider keiner was er will. Auch in Plettenberg gibt es ein großes Hin und Her und man ist in den letzten zwei Jahren leider keinen Schritt weiter gekommen“, bemängelt Bohrer, der findet, dass die Stadt Plettenberg den Windpark Hohe Molmert gewissermaßen „aussitzt“. Daher sei es schwer, neben der bereits vorhandenen Windkraftanlage an der Versetalsperre weitere Anlagen in der Region zu verwirklichen.

Mark-E-Pressesprecher Andreas Köster (li.) im Kraftwerksgebäude im Gespräch mit Betriebsleiter Jörg Klages und Dr. Arndt Bohrer.

 Während die Mark-E früher ein klassischer Energieversorger war, sieht man sich heute als Energie-Dienstleister, der 370 000 Kunden in der Region versorgt. Nach dem Aus des Kohlekraftwerks Werdohl-Elverlingsen setzt man heute auf das Gaskraftwerk in Herdecke mit 420 Megawatt, das Pumpspeicherwerk in der Glinge mit 140 Megawatt, die Biomasseverstromungsanlage in Hagen (20 MW), die Klärschlammverbrennungsanlage in Elverlingsen (4 MW) und die Laufwasserkraftwerke an der Lenne (insgesamt 5 MW). „In Summe sind das knapp 600 Megawatt. Und dabei sind wir ganz schön grün geworden“, betont Bohrer.

 Froh sei er, dass man mit der STAWAG Aachen einen „verlässlichen Partner auf Augenhöhe“ gefunden habe, der mit der Mark-E die 25 Millionen Euro teuere Sanierung gestemmt habe. Dies wäre der Mark-E aufgrund der zwischenzeitlich schwierigen wirtschaftlichen Lage allein nicht möglich gewesen. Dass die Pumpspeicherwerke in Berlin keine Lobby haben, bedauert Jörg Klages. Und das mache auch eine Wirtschaftlichkeitsberechnung einer solchen Anlage schwierig, da sich die Rahmenbedingungen jederzeit ändern könnten. Dabei sei die Anlage der Ideallfall und entlaste die Netze. Wenn viel Strom im Netz sei, werde dieser – teilweise für Minusbeträge – abgenommen, um das Wasser vom Unter- ins Oberbecken zu pumpen. Wenn Spitzenlaststrom im Energiehandel hoch gehandelt werde, lasse man das Wasser von oben durch den Druckstollen auf die Turbinen rauschen. 

Betriebsleiter Jörg Klages im 40 Meter unter der Erde gelegenen Turbinenraum des Kraftwerks.

Dass man trotzdem bis vor einem Jahr volle Netznutzungsentgelte zahlen musste, sei ungerecht gewesen. Eine Befreiung davon habe man nun unter der Vorgabe erreicht, bei der Sanierung eine fünfprozentige Leistungserhöhung zu erreichen. Dies gelang, in dem man die Wellenschutzwand am Oberbecken um gut einen Meter erhöhte, wodurch die Speicherkapazität von 690 auf 735 Megawattstunden stieg (+7 %). Jetzt wird mit der aus Hagen komplett fernsteuerbaren Anlage wie eine Art riesige Aktie gehandelt. Bei günstigen Kursen werde Strom gekauft, bei hohen Kurse fahre man die beiden Turbinen auf volle Leistung und speise Strom ein. 

Blick auf das Ober- und Unterbecken, mit dem bei einem totalen Stromausfall tausende Haushalte im Kreis versorgt werden könnten und das ansonsten sein Geld an der Energiebörse verdient.

Und noch etwas kann dieses blau-grüne Super-Kraftwerk: „Wenn bei einer Netzstörung ein großes Kraftwerk komplett ausfällt und in Deutschland nichts mehr geht, sind wir mit dem Pumpspeicherwerk innerhalb von zwei Minuten mit 140 Megawatt am Netz. Das schafft sonst keiner“, sagt Jörg Klages, der mit seinem fünfköpfigen Team damit zu den Letzten gehört, die das Licht wieder anmachen können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare