Anmeldungen nehmen zu

+
Die Zahl der Anmeldungen bei der Psychologischen Beratungsstelle Plettenberg haben sich in den letzten rund 25 Jahren fast verzehnfacht. In 2017 machten Erziehungsfragen, Probleme in der Familie und in der Schule den Großteil der Beratungen aus.

Die Angebote der Psychologischen Beratungsstelle der Diakonie werden in den vergangenen Jahren immer stärker angefragt. Dabei haben sich die Schwerpunkte der Beratungsanlässe verlagert.

„Ich denke, dass vor allem die vermehrte Anfrage von Flüchtlingen ein Grund für den Anstieg der Zahlen ist“, erklärt Ralf Meyer, Leiter der Psychologischen Beratungsstelle an der Bahnhofstraße. 710 Anmeldungen gab es demnach in 2017 in der Beratungsstelle, 68 davon von Flüchtlingen.

Allerdings bestehe ein Unterschied zwischen der bloßen Anmeldung und dem tatsächlich stattfindenden Beratungstermin: Dieser fand in 379 Fällen statt. „Viel mehr können wir nicht leisten“, erklärte Meyer das Erreichen der Kapazitätsgrenzen der Beratungsstelle.

Bei einem Blick auf die Zahlen der vergangenen Jahre wird deutlich, dass sich die Probleme in der Bevölkerung verlagert haben: Waren Fragen der Erziehung in 2012 noch in 26,7 Prozent der Fälle Anlass für Beratungsgespräche, stieg dieser Wert im vergangenen Jahr auf 31,1 Prozent.

Auch die familiären Probleme im Allgemeinen haben offenbar zugenommen: Diese waren in 2012 noch knapp jedes fünfte Mal Anlass für eine Beratung. Im vergangenen Jahr machten Probleme in der Familie etwas mehr als ein-Viertel der Beratungen aus. In knapp 40 Prozent der Fälle hatten diese Probleme mit Trennung oder Scheidung der Eltern in Zusammenhang gestanden.

Diese Entwicklung erkennt auch Meyer. Auf ST-Nachfrage erklärte er: „Es ist richtig, dass die familiären Probleme zugenommen haben. Wir beobachten aber vor allem, dass die Probleme in den Familien belastender geworden sind.“ Dies liege vor allem darin begründet, dass viele Betroffene offensichtlich später den Kontakt zur Beratungsstelle suchen als früher. „Und dann haben sich die Probleme schon mehr verfestigt“, sagte Meyer.

Anders sieht die Entwicklung bei Schulproblemen aus: Diese hatten 2012 und 2014 mehr als ein Drittel aller Termine in der Beratungsstelle an der Bahnhofstraße ausgemacht, im vergangenen Jahr sank dieser Wert jedoch auf knapp ein Viertel.

Allerdings, so erklärte Meyer, würden rund zwei Drittel der Schüler mit Problemen eine Grundschule besuchen. „Das ist ein deutlicher Anstieg“, erklärte der Leiter der Psychologischen Beratungsstelle. Es sei aber fraglich, ob diese Entwicklung eine „Momentaufnahme“ oder aber ein langfristiger Trend ist.

Das „niederschwellige“ Angebot der offenen Sprechstunde erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit, auch wenn die Zahlen im vergangenen Jahr gesunken sind (von 124 in 2016 auf 93 in 2017). Dies liegt laut Meyer vor allem daran, dass in manchen Fällen mittlerweile schon bei der Anmeldung ein Beratungstermin vereinbart wird – der Gang zur offenen Sprechstunde kann dann ausfallen. 39 Mal kamen Menschen zur Sprechstunde, ohne vorher – wie sonst gewohnt – Kontakt zur Beratungsstelle aufgenommen zu haben. „Das Angebot hat sich offensichtlich herumgesprochen und wird gut angenommen“, sagt Meyer. Auch die Werbung durch Schulen oder KiTas für dieses Angebot wirkt sich positiv aus.

Zugenommen hat dagegen die Zahl der Spontannutzer der offenen Sprechstunde. „Früher wurde viel häufiger telefonisch nachgefragt – heute kommen die Menschen einfach zur Sprechstunde“, sagt Meyer, der dies ebenfalls als ein Anzeichen dafür deutet, dass die offene Beratung mittlerweile in der Bevölkerung sehr bekannt ist.

Die mittlere Wartezeit für das Erstgespräch hat sich von 17,5 auf 18,4 Tage erhöht. Ratsuchende aus Plettenberg mussten im vergangenen Jahr im Schnitt 16,5 Tage auf ein Erstgespräch warten. „Wir weisen niemanden ab, aber natürlich sind wir in erster Linie für die Plettenberger da“, sagt Meyer.

Die Beratungsstelle ist montags bis donnerstags von 9.00 bis 16.00 Uhr geöffnet, freitags bis 12.00 Uhr. Zusätzlich wird an jedem ersten Dienstag im Monat von 15.30 bis 17.00 Uhr und wöchentlich am Mittwoch von 9.00 bis 10.30 Uhr eine offene Sprechstunde angeboten. Die Beratungsstelle ist täglich von 9.00 bis 12.00 Uhr und montags bis donnerstags von 13.00 bis 16.00 Uhr unter der Telefonnummer (0 23 91) 95 40 - 25 erreichbar.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare