Prügelattacke auf dem Lenneradweg: Schläger (22) muss hinter Gitter

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An dieser Stelle zwischen der Lennebrücke und ATU soll sich die Attacke ereignet haben.

Plettenberg - Mit der Verurteilung des 22-jährigen Hauptangeklagten zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten ist im Amtsgericht Altena der Prügel-Prozess gegen zwei Plettenberger zu Ende gegangen. Die beiden hatten gestanden, dass sie am 26. Mai 2018 einen 28-Jährigen auf dem Lenneradweg zwischen ATU und der Lennebrücke krankenhausreif geschlagen hatten.

Der 20-jährige, bisher nicht vorbestrafte Mittäter, der eher ein Mitläufer war, kam noch in den Genuss des Jugendstrafrechts. Er muss für drei Wochen in den Jugendarrest und wird ein Jahr lang intensiv vom Jugendamt begleitet. „Er hat eine fürchterliche Lebensgeschichte und braucht Hilfe“, fasste Richter Dirk Reckschmidt den Bericht der Jugendgerichtshilfe zusammen.

Keinen Anlass für ein mildes Urteil sahen die Richter im Fall des 22-Jährigen: Er war einschlägig vorbestraft und nach 13 Monaten Jugendhaft erst im Februar 2018 auf Bewährung entlassen worden. Entsprechend harsch machte der Vorsitzende deutlich, dass es keinen Anlass für die von seinem Verteidiger beantragte Bewährungsstrafe gebe – trotz derzeitiger Beschäftigung. Im Gegensatz zu den Verteidigern sahen die Richter es auch als erwiesen an, dass die beiden Täter Geld vom Opfer gefordert hatten. Neben der gefährlichen Körperverletzung war deshalb auch eine versuchte räuberische Erpressung angeklagt.

Nach einem ersten Fluchtversuch war das Opfer am Tattag im Mai an einer Baugrube gestürzt, was die beiden Täter veranlasst hatte, noch einmal auf den 28-Jährigen einzuschlagen. Weil er – möglicherweise aus Angst – zunächst nicht zur Verhandlung erschienen war, hatte ihn die Polizei kurzfristig einfangen müssen (wir berichteten). In seiner Aussage hatte er zunächst auf die zahlreichen Entschuldigungen der Täter hingewiesen. Doch die Sache war auch für ihn keineswegs erledigt. Letztlich schilderte er sehr glaubwürdig die brutale Attacke, während der er sich zunächst noch gewehrt hatte. Anschließend sei er „nach allen Regeln der Kunst abgeschwartet“ worden, fasste der Richter das Geschehen zusammen. „Und dann hauen sie auch noch ab und lassen ihn da liegen!“

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe, die vor dem Amtsgericht ebenfalls zu Wort kam, schilderte das Umfeld des 22-Jährigen als eine „Clique von drei Leuten, die über Jahre hinweg Angst und Schrecken in Plettenberg verbreitet hat“. Der Angeklagte habe keinen Grund, auch noch stolz über sein Treiben zu sein, mahnte die Staatsanwältin – frei nach der ihm in den Mund gelegten Devise: „Wir waren der Schrecken der Stadt.“ Die Täter hätten das Opfer „gejagt, verprügelt und liegengelassen“.

Um der drohenden, fast dreijährigen Haftstrafe zu entgehen, bleibt dem 22-Jährigen nur noch der Gang zum Landgericht. Vor der Berufungsverhandlung müsste er, unterstützt von einer längeren Therapiemaßnahme, seine Drogenprobleme in den Griff bekommen. „Ich rauche Marihuana, seit ich ein kleiner Junge bin“, erklärte er vor dem Urteil. Während der Tat habe er nicht nur viel Alkohol aus einer Flasche Wodka, sondern auch Kokain im Blut gehabt.

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