Zu wenig Prüfer, zu wenig Termine

Prüfungsstau an Fahrschulen: Nicht nur Corona ist Schuld

Fahrschüler Ogün Cakmak strahlt nach seiner ersten Fahrstunde. Wann er seine Prüfung ablegen kann, das hängt laut Fahrlehrer Martin Fellmer auch vom Tüv ab.
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Fahrschüler Ogün Cakmak strahlt nach seiner ersten Fahrstunde. Wann er seine Prüfung ablegen kann, das hängt laut Fahrlehrer Martin Fellmer auch vom Tüv ab.

Fahrschulen in ganz Deutschland beklagen derzeit, dass sie nur sehr schwer an zeitnahe Termine für praktische Fahrprüfungen kommen. Die Schulen in Plettenberg und Herscheid sind davon nicht verschont. Der Prüfungsstau sei eine Folge der Corona-Lockdowns.

Plettenberg - Michael Kirchhoff, einer der Inhaber der Fahrschule Block und Kirchhoff, berichtet: „Der Prüfungsstau trifft uns wirklich schlimm, es dauert teilweise zehn bis zwölf Wochen länger.“ Er übt scharfe Kritik: „Der Tüv ist einfach nicht in der Lage, das anzubieten, was er anbieten müsste. Der Stau ist nicht nur durch Corona bedingt. Seit 2017 geht es permanent nach unten.“

Dienstags würden die Prüfungen in der Regel für etwa drei Wochen im Voraus terminiert. Unter Umständen komme es aber auch um Verzögerungen um weitere acht Wochen, erklärt Kirchhoff. Der Grund dafür liege für ihn auf der Hand: Es gebe zu wenige Fahrprüfer und dadurch auch zu wenige Prüfungstermine, um die vielen Fahrschüler abzuarbeiten. „Der Tüv hat jetzt vier neue Prüfer eingestellt, zwei davon in unserer Region. Das macht in der gesamten Region zehn Prüfungen pro Woche mehr“, sagt Kirchhoff. Um den Bedarf abzudecken, reiche das auf keinen Fall.

Dass es den Prüfungsstau in seiner aktuellen Ausprägung gibt, führe dazu, dass mindestens drei- oder viermal pro Woche das Telefon klingelt, weil sich Eltern melden und beschweren. „Zuerst ist immer die Fahrschule schuld.“

Martin Fellmer, Inhaber der gleichnamigen Fahrschule mit Standorten in Plettenberg und Herscheid, kann das bestätigen: „Wir haben das alle dieses Jahr erlebt. Die Eltern sind böse, dass ihre Kinder die Führerscheinprüfung nicht ablegen können. Gerade wenn sie vor dem Beginn einer Ausbildung standen und darauf angewiesen waren.“ In der Folge habe es Fahrschulwechsel gegeben. „Schüler anderer Unternehmen sind zum Teil auch zu uns gekommen“, berichtet Fellmer.

Er sieht eine Hauptursache ebenfalls beim Tüv und in der Personalpolitik des Unternehmens. „Es wird gespart, gespart, gespart – auf Kosten der Prüfungen“, kritisiert Fellmer. „Wenn alles auf Kante genäht ist, haut jeder Prüfer, der krank wird, das System durcheinander.“ Positiv hebt er hervor, dass sich die Situation zuletzt etwas gebessert habe. Als es ganz extrem war, seien mehr als 50 Prozent der Prüfungen ausgefallen. „Es wurden vier neue Prüfer im September eingestellt und zum Oktober soll wohl noch einer kommen. Gefühlt ist es mit den Wartezeiten inzwischen etwas besser als noch im August – ganz raus sind wir aber noch nicht.“

Alleine dem Tüv möchte Fellmer die Schuld für die Situation dennoch nicht geben: „Es gab zum Beispiel auch noch den Coronastau, der nachgeprüft werden musste.“ Zudem sei die Prüfungsordnung etwas verändert worden, praktische Fahrprüfungen dauerten seit Anfang des Jahres länger. „Ich habe gehört, dass dadurch teilweise mehr Schüler durchfallen – für meine Fahrschule kann ich das so nicht bestätigen.“

Für Michael Kirchhoff sei dagegen zuletzt noch keine Besserung in Sicht gewesen: „So lange die Dekra nicht mit ins Boot kommt oder der Tüv eine zweistellige Zahl neuer Fahrprüfer einstellt, sehe ich kein Licht am Horizont.“

Bei Kirchhoff seien übrigens auch theoretische Prüfungen betroffen: „Die Termine werden immer am Freitag um 12 Uhr freigegeben. Und dann ist das wie mit Konzertkarten – ein Kampf ohne Ende.“

Martin Fellmer: „Ich frage mich auch, ob das mit dem Monopol sein muss.“ Andererseits wolle er bei den Fahrerlaubnisprüfungen eigentlich keinen wirtschaftlichen Wettbewerb. Schlecht sei an der jetzigen Situation vor allem, dass die Fahrer – auch Berufskraftfahrer, Feuerwehr- und Rettungsdienst-Mitarbeitende – die Leidtragenden seien.

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