Produktionsstop und Kurzarbeit

Coronavirus: Erste Werke im Kreis schließen ab Montag

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Auch bei CD Waelzholz wurden besonderen Maßnahmen in der Coronakrise getroffen.

Plettenberg – Bei den großen Plettenberger Industrieunternehmen hinterlassen die angekündigten Produktionsstopps aller großen Automobilhersteller und die Auswirkungen des Coronavirus ihre Spuren.

Besonders drastisch geht die Firma Frauenthal (ehemals Mahle) vor. Das Werk im Oestertal wird ab Montag für zwei Wochen komplett geschlossen. Die Mitarbeiter sollen in dieser Zeit Kurzarbeitergeld bekommen. So war es gestern auf der Informationstafel zu lesen, über die Geschäftsführung und Betriebsrat die Belegschaft über die neuesten Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus auf dem Laufenden hält. Als Grund für die zweiwöchige Schließung wird angegeben, dass es zurzeit keine Abnehmer mehr für die Produkte – vor allem Pleuelstangen, Ausgleichswellen und Verteilerleisten – gebe. 

Darüber hinaus könne im Betrieb nicht sichergestellt werden, dass die Richtlinien des Robert-Koch-Instituts eingehalten werden.

Coronavirus im MK: Abstände können nicht eingehalten werden

Abstände können weder bei Reparaturen von Anlagen, noch angesichts des Schmiedelärms im direkten Gespräch unter Kollegen eingehalten werden. Deshalb wurden bereits in dieser Woche Mitarbeiter aus der Risikogruppe aufgerufen, sich beim Betriebsrat zu melden und zuhause zu bleiben. Als nächste Maßnahme folgt nun der vollständige Produktionsstopp ab Montag, auf den sich Betriebsrat und Geschäftsführung einvernehmlich geeinigt haben, wie aus dem Unternehmen zu erfahren war. Ob und wie es nach den zwei Wochen weitergeht, ist unklar. Der Großteil der Belegschaft habe zwar verunsichert, aber verständnisvoll auf die Maßnahme reagiert, denn viele seien besorgt um ihre eigene Gesundheit. 

Nicht nur bei der Firma Frauenthal dreht sich derzeit alles um die Bewältigung der Coronakrise. Auch bei der Firma CD Waelzholz an der Breddestraße wird Kurzarbeit nicht ausgeschlossen. Darüber hinaus hat man dort auch einige Schutzmaßnahmen ergriffen, zu denen Ute Neuhaus, Leiterin Vertriebskoordination, Stellung bezog: „Das Wohl und die Gesundheit aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat für Waelzholz oberste Priorität in dieser Coronakrise.“ Dafür habe man unterschiedliche Maßnahmen ergriffen. „Im Plettenberger Werk werden versetzte Schichten gefahren, um Kontakte untereinander zu vermeiden. Auch die Duschräume bleiben geschlossen, was bedeutet, dass die Kollegen in Arbeitskleidung kommen und gehen müssen. Dies ist aufgrund der Gefährdungslage notwendig.“

Coronavirus im MK: Mitarbeiter und Familien sollen geschützt werden

Da sich das Virus mittels Tröpfchenübertragung verbreite, sei dies eine wichtige Maßnahme, um die Mitarbeiter und damit deren Familien vor Ansteckung zu schützen. „Wir folgen damit den Regelungen, die in den Pandemieplänen der Behörden vorgegeben sind. Um ein Verschmutzen der Autositze zu verhindern, stellt Waelzholz aber Schonbezüge zur Verfügung“, so Neuhaus. Weiter schloss sie nicht aus, dass es in Plettenberg und Hagen „zur temporären Stillsetzung von Anlagen, Abteilungen und Betriebsteilen kommt.“ Dies werde in den nächsten Tagen festgelegt. 

„Waelzholz wird alle Mittel einsetzen, um die Stammbelegschaft an Bord zu halten. Der Abbau von Zeitkonten, der Einsatz von Urlaubstagen und auch Kurzarbeitergeld-Regelungen können helfen, die Beschäftigungsausfälle aufzufangen.“ Dies werde eng zwischen der Geschäftsführung und den Betriebsräten abgestimmt, so Neuhaus abschließend. Auch bei Plettenbergs größtem Arbeitgeber, der Firma Linamar Seissenschmidt, wird über Maßnahmen wie Kurzarbeitergeld und Produktionsstopp diskutiert. Näheres soll am heutigen Freitag zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung ausgehandelt werden, erklärte der Betriebsratsvorsitzende Dirk Schrader auf Anfrage. Er gehe davon aus, dass Kurzarbeit angemeldet werde. Alles weitere sei noch offen. Er bestätigte, dass die Mitarbeiter gestern gebeten wurden, am heutigen Freitag eine Freischicht zu nehmen. Bereits seit einigen Tagen arbeiten viele Büromitarbeiter im Homeoffice.

Coronavirus im MK: Weitere Unternehmen dürften folgen

Dem Beispiel des größten Arbeitgebers dürften in den nächsten Tagen noch viele weitere heimische Unternehmen folgen, denn nahezu alle größeren mittelständischen Betriebe in der Vier-Täler-Stadt sind mehr oder weniger abhängig von der Automobilindustrie.

Über alle Entwicklungen zum Coronavirus im Märkischen Kreis berichten wir in unserem News-Ticker. Alle wichtigen Informationen auf NRW-Ebene finden Sie hier. Heute soll die Entscheidung über eine mögliche Ausgangssperre fallen.

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