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 „Öffnungszeiten“ und „Arbeitsplatz“: Probleme für ukrainische Zungen

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Von: Christos Christogeros

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Bücherei-Leiterin Christiane Flick-Schöttler stellte das breite Angebot der Stadtbücherei vor.
Bücherei-Leiterin Christiane Flick-Schöttler stellte das breite Angebot der Stadtbücherei vor, das die Geflüchteten nutzen können. © Teipel

Was von Weitem wirkt wie eine gemütliche Klönrunde in der Stadtbücherei, ist näher betrachtet für die meisten der 20 Frauen und Männer harte Arbeit. Sie sind Geflüchtete aus der Ukraine und lernen Deutsch. Bücherei-Leiterin Christiane Flick-Schöttler lässt sie vorbereitete Karten vorlesen. Zunächst ein scheues Lächeln. Dann klappt’s aber. Obwohl – Wörter wie Öffnungszeiten oder Arbeitsplatz sind noch gewöhnungsbedürftig für ukrainische Zungen.

Plettenberg – Gudula Mueller-Töwe ist mit dem Arbeitsbesuch am Alten Markt sehr zufrieden. Sie koordiniert die niedrigschwelligen Sprachkurse für Geflüchtete, die die Freiwilligenzentrale des Diakonischen Werkes in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Plettenberger Verein Prange Akzente e. V. anbietet. Beide Organisationen haben sich im Hilfsprojekt zusammengeschlossen, um den Neuankömmlingen den Einstieg in ein neues Leben zu erleichtern.

Bei den Sprachkursen übernimmt Prange Akzente die Honorare für die ehrenamtlich arbeiteten Kursleitungen – zumeist selbst Geflüchtete – die erst als Erwachsene in Integrationskursen des Diakonischen Werks Deutsch gelernt haben. Die Freiwilligenzentrale kümmert sich um alle organisatorischen Angelegenheiten. „Die Kurse sind ein großer Erfolg“, sagt Gudula Mueller-Töwe. Wie groß, das lässt sich später beobachten. Einige Kursteilnehmer nutzen umgehend den Besuch in der Stadtbücherei, um sich Bücher und andere Medien auszuleihen.

Zuvor hatte Christiane Flick-Schöttler den Besuchern das Angebot der Stadtbücherei vorgestellt. Wörterbücher, Arbeitshefte, die den Einstieg in die deutsche Sprache erleichtern, Material der Stiftung lesen und Lesestoff in ukrainischer Sprache, den das Goethe-Institut der Stadtbücherei geschenkt hat.

Faszinierend für die Kursteilnehmer war auch ein Hörstift, der in Kombination mit einem digitalisierten Wörterbuch Vokabeln in exakter Aussprache erklingen lässt. Sie erfuhren zudem, dass sie in der Bücherei freies Wlan und insgesamt fünf Computerarbeiterplätze nutzen dürfen.

Bisher über 100 Teilnehmer

„Inzwischen haben weit über 100 Neuankömmlinge die lokal organisierten, freiwilligen Sprachkurse genutzt“, berichtet Gudula Mueller-Töwe. Vielleicht sei das auch ein Zeichen dafür, dass sich viele auf einen längeren oder sogar dauerhaften Aufenthalt in Deutschland einstellen.

Jetzt werden die meisten die Chance erhalten, ihre Sprachkenntnisse in einem vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) geförderten offiziellen Integrationskurs auszuweiten. Die Unterrichtseinheiten beginnen im September. Wer noch etwas warten muss, wird weiterhin auf freiwilliger Basis Deutsch lernen können. In zwei Wochen starten die nächsten niederschwelligen Kurse.

Teilnahmezertifikat für Sprachkurs erhalten.
Auch Yaroslawa Khomenko (Mitte) – hier mit Gudula Mueller-Töwe und Albrecht Brodhun – erhielt ihr Teilnahmezertifikat. © Teipel

Geflüchtete helfen Flüchtlingen als Sprachkursleiter: Erste Zertifikate für Teilnehmer

Rund 100 geflüchtete Ukrainer haben sich erfolgreich auf vom Bamf geförderte Integrationskurse vorbereitet. Bevor sie damit starten, sich intensiver mit der deutschen Sprache und der Politik in Deutschland zu befassen, wurde gefeiert. Auf Einladung des Diakonischen Werkes und der Initiative Bus-Brücke des Prange Akzente e.V. nahmen die Kursteilnehmer an einer Veranstaltung im Saal der Landeskirchlichen Gemeinschaft teil.

Höhepunkt war die Verleihung der Zertifikate für die erfolgreich absolvierten, vorbereitenden Deutschkurse. Gudula Mueller-Töwe, Koordinatorin der Sprachkurse, händigte den Teilnehmern die Zertifikate aus und gratulierte. Sie hatten in wöchentlich sechs Unterrichtsstunden vom 13. Juni bis 31. August Grundkenntnisse in Deutsch erworben.

„Großartig, wie Sie alle mitgemacht haben“, machte Albrecht Brodhun, Vorstand der Prange Beteiligung AG, den Teilnehmern ein Kompliment. Ein großes Dankeschön ging auch an die Kursleiter. Sie sind überwiegend selbst Geflüchtete, stammen aus der Ukraine, der Türkei, dem Iran, dem Kosovo, Syrien und Puerto Rico.

„Möglicherweise bereiten sich viele Geflüchtete darauf vor, längere Zeit und ganz in Deutschland zu bleiben“, sagte Brodhun. Es sei allerdings schwer abzuschätzen, wie hoch der Prozentsatz derjenigen sei, die wieder in die Ukraine zurückkehren wollen. „Das hängt sicher auch von der Dauer des Krieges und dem Ausmaß der Zerstörungen ab.“

Demnächst sollen weitere vorbereitende Deutschkurse starten. Sie finden wieder in den Räumen der Landeskirchlichen Gemeinschaft in Holthausen und im Paul-Gerhardt-Haus an der Bahnhofstraße statt.

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